Sowjetische Atomraketenbasis - DER SPIEGEL
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Raumschiffcockpit unter der Erde Warten auf den letzten Befehl

Der Geheimbunker liegt in der ukrainischen Einöde - getarnt als Wetterstation, gesichert mit 3000 Volt. Zehn Atomraketen wären im Ernstfall von dort aus Richtung Westen geschickt worden. Jurij Lisitsch gehörte zu den Männern, die den Knopf drücken sollten. Heute führt er Touristen durch die Basis.
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Klotzen, nicht kleckern: Die R-36M hatte eine Reichweite von mehr als 10.000 Kilometern. Dieses Modell hieß SS-18, war mit zehn einzelnen Atomsprengköpfen bestückt und wurde "Satan" genannt. Damit war sie die größte während des Kalten Krieges gebaute und in Dienst gestellte Interkontinentalrakete.

Foto: Masha Stahlberg
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Furnier und Technik: Alle Wände der engen Kommandozentrale waren mit Schalttafeln ausgestattet.

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Am Drücker: Das Kontrollzentrum der Atomraketenbasis Perwomaisk war ständig besetzt und in Alarmbereitschaft. Die Offiziere waren am Kontrollpult wie in Pilotensesseln angeschnallt. Der Gurt war Pflicht, damit sie im Falle eines Atombombeneinschlages nicht aus den Sesseln geschleudert worden wären.

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Mitten im Nirgendwo: Die Atomraketenbasis Perwomaisk befindet sich 300 Kilometer südlich von Kiew, zwischen Uman und Kirowograd. Sie ist heute ein Museum, das vom ukrainischen Verteidigungsministerium betrieben wird.

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Museum statt Manöver: Jurij Lisitsch diente früher als Offizier auf der Basis. Heute arbeitet er als Museumsführer in der im Originalzustand belassenen Station.

Hier steht er neben dem Modell des Kommandobunkers. Dieser sah aus wie ein Zylinder und bestand aus zwölf Sektionen. In 45 Metern Tiefe befanden sich der Kontrollraum und die Schlafkojen der Offiziere.

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Gesichert und verkorkt: Auf der Basis befand sich ein Raketensilo, weitere neun waren im Umkreis von zehn Kilometern verteilt. Der Deckel des Silos wiegt 121 Tonnen und konnte sich in nur acht Sekunden öffnen.

Beim Start hätte eine Sprengladung die Rakete wie einen Champagnerkorken aus dem Silo geschossen. In einer Höhe von etwa 20 Metern hätte sich dann der Hauptantrieb der Rakete eingeschaltet.

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Abwärts: Die Kommandozentrale lag 45 Meter unter der Erde.

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Tarnung ist alles: Ein unterirdischer Tunnel, in den man über ein unscheinbares Betonhäuschen auf dem Gelände gelangt, führt zu dem Kommandobunker der Raketenbasis.

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Zugang nur für Befugte: Der Tunnel zum Kommandobunker endet an einer Schleuse mit dicken Stahltüren. Diese hätte man nur mit einem Code öffnen können.

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Schaltzentrale der Atommacht: Im Kriegsfall wäre der Abschussbefehl der Nuklearraketen vom Oberkommando aus Moskau gekommen...

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...auf einem der Monitore wäre dann ein Code erschienen, der mit einem zweiten Code aus dem Tresor hätte abgeglichen werden müssen.

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Der rote Knopf: Ganz so unkompliziert wären die Atomraketen nicht auf die Reise gegangen. Um einen Angriff zu starten, wären zwei Offiziere sowie mehrere Zahlencodes und Schlüssel notwendig gewesen. Auf diesem roten Knopf steht "Blockieren".

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Schlafstätte im Bunker: Die Schlafkojen der Offiziere befanden sich in einem Raum, der direkt über der Schaltzentrale lag. Im Krieg wären sechs Offiziere in den Bunker abkommandiert worden. Jeweils drei hätten in der Schaltzentrale gesessen, während die anderen sich hätten ausruhen können.

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Delikatessen für den Ernstfall: Die Überlebensrationen für die Soldaten im Bunker waren, laut dem ehemaligen Offizier Jurij Lisitsch besser, als das normale Essen auf der Basis.

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Bunkerhygiene: Die sanitären Anlagen des Atomraketenstützpunkts zeichnen sich vor allem durch Übersichtlichkeit aus. Im Krieg hätten die dort stationierten Offiziere 40 Tage im Kommandobunker überleben können.

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Authentisch: Die Bunkertoilette wurde für den Museumsbetrieb offenbar nicht restauriert.

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Als Wetterstation getarnt: Von der Sicherung der ehemaligen Atomraketenbasis Perwomaisk ist heute nach der Abrüstung nicht mehr viel übrig. Um Neugierige fernzuhalten, war Perwomaisk früher als harmlose Wetterstation getarnt worden. Wer dennoch näher herankam, wurde von drei Sicherheitsanlagen aufgehalten. eine davon war ein 3000 Volt starker Elektrozaun.

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320-mal Hiroshima: Die insgesamt zehn Atomsprengköpfe des Atomraketenmodells R-36M hatten eine Sprengkraft von vier Megatonnen. Die R-36M verfügte damit über die 320fache Zerstörungskraft der Hiroshima-Explosion. Als die Ukraine 1991 unabhängig wurde, besaß das Land noch 176 Atomraketen. Seit 2001 sind diese komplett abgerüstet.

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Monstertruck: Dieser achtachsige Lkw-Anhänger wurde für den Transport der Atomraketen eingesetzt.

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Verdiente Entspannung: Die Schicht in der Kommandozentrale war keine ruhige Tätigkeit, da ständig Raketenabschüsse simuliert wurden.

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Wie im Raumschiff: Die Sektionen des Atombunkers von Perwomaisk waren durch Leitern miteinander verbunden...

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...die in Sachen Ausstattung nicht über das Mindestmaß an Funktionalität hinausgingen.

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Auf Nummer sicher: Im Kommandobunker befand sich das Pult zum Abschuss der Raketen. Nur zwei Offiziere gemeinsam konnten die Raketen zünden. Die komplizierte Startprozedur musste zum Teil synchron ablaufen. Erlaubt war eine Abweichung von nicht mehr als 1,1 Sekunden.

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Schalten und walten: Die insgesamt zehn Silos, die zu der Anlage gehörten, waren nicht alle direkt in der Nähe der Basis. Sechs Basen und 90 Silos waren im Kalten Krieg über das Land verteilt.

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Das Feuer unter der Bombe: Ansicht des Raketenantriebs der Interkontinentalrakete R-36M mit dem Nato-Codenamen SS-18 Satan.

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Militärischer Schmuck: Ein Reliefwappen ziert die Fassade des ehemaligen Atomraketenstützpunkts.

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Als der Krieg noch analog war: Das Telefon der Atomraketenbasis wirkt wie ein Relikt aus einer anderen Zeit.

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