Soziale Bewegungen - DER SPIEGEL
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Wege nach dem "Deutschen Herbst" Inseln des richtigen Lebens im falschen System

Zwei Tage, die die Republik veränderten: Ende Januar 1978 versammelten sich in West-Berlin Tausende von Spontis zum "Tunix"-Kongress. Das Treffen wurde zur Geburtsstunde der Alternativbewegung - und von Institutionen wie der "taz" oder den "Grünen". Michael Sontheimer war dabei.
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"Tunix"- Eröffnungsveranstaltung: "Trotz der kalten Betonarchitektur der Technischen Universität herrschte auf dem Kongress eine vitale Erregtheit", erinnerte sich Teilnehmer Michael Sontheimer 30 jahre später. "Nach der Depression des Deutschen Herbstes machte sich Aufbruchsstimmung breit." Szene aus dem Audimax der TU am 27. Januar 1978, dem Vorabend des eigentlichen Konferenzbeginns.

Foto: Klaus Mehner
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Fiedeln für die Revolution: Eröffnungsveranstaltung des "Tunix"-Kongresses im Audimax der Technischen Universität Berlin am 27. Januar 1978.

Foto: Klaus Mehner
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Auftakt-Demo: Der Tunix-Kongress begann mit einer Protestveranstaltung vor dem Untersuchungsgefängnis Moabit am Morgen des 28. januar 1978 - "weil dort ein paar linksradikale Drucker in Untersuchungshaft saßen", wie sich Zeitzeuge Michael Sontheimer erinnert. "Sie hatten ein Szeneblatt verfertigt, in dem auch Texte der RAF dokumentiert worden waren. Wogegen oder wofür wir genau demonstrierten, weiß ich nicht mehr."

Foto: Klaus Mehner
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Tunix-Flugblatt: Frei nach dem Motto der Bremer Stadtmusikanten ("Etwas Besseres als den Tod finden wir überall") wollte sich die undogmatische Linke sich beim Tunix-Kongress in Berlin Ende Januar 1978 neu erfinden - Helmut Kohl, damals noch CDU-Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, diente schon zu dieser Zeit als Reizfigur.

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Hoher Besuch: Der französische Philosoph Michel Foucault bei einem Gespräch im Pariser SPIEGEL-Büro am 09.12.1977.

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Peter Glotz: Der einzige etablierte Politiker, der bei Tunix auftrat, war der spätere SPD-Generalsekretär und damalige West-Berliner Wissenschaftssenator Peter Glotz. Er hatte erkannt, dass sich in Berlin wie in westdeutschen Großstädten eine "alternative" Parallelgesellschaft zu entwickeln begann - nun inszenierte er den Dialog mit deren Vertretern.

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Der rote Dany: Daniel Cohn-Bendit war wohl der bekannteste Sponti. Hier spricht er im Audimax der FU Berlin vor rund 2000 Studenten über die bevorstehende Revolution - kurz nachdem er infolge der Mai-Krawalle 1968 aus Frankreich ausgewiesen worden war.

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Demonstration gegen den "Radikalenerlass": Der "Tunix"-Kongress fiel in eine Zeit, in der sich die Linke nach dem Drama des "Deutschen Herbstes" neu positionieren musste - mit Blick einerseits auf die Gewalt der RAF, anderseits auf die harte Reaktion des Staates gegenüber deren vermutetem Umfeld. Das Bild zeigt eine Demonstration gegen "Berufsverbote", wie die Linke das vom Staat nun verlangte ausdrückliche Bekenntnis von Angehörigen des Öffentlichen Dienstes zur "Freiheitlich-demokratischen Grundordnung" ("FDGO") bezeichnete.

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Anwälte Otto Schily und Hans-Christian Ströbele: Die Rechtsanwälte mit ihrem Mandanten Horst Mahler (M.) im Gerichtssaal in Berlin-Moabit im Oktober 1972. Ströbele wurde fünfeinhalb Jahre später zu einem der Protagonisten des "Tunix"-Kongresses und stieg später zu führenden Rechtspolitiker der "Grünen" auf. Schily machte ebenfalls bei den "Grünen" Karriere, wechselte 1989 im Streit zur SPD und wurde Bundesinnenminister unter Kanzler Gerhard Schröder.

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Grünen-Politiker Ströbele: Der grüne Spitzenpolitiker Hans-Christian Ströbele im April 2006. Auf dem Tunix-Kongress 1978 hatte Ströbele mit mehreren Mitstreitern das Projekt einer linken Tageszeitung vorgestellt - im April 1979 war die erste Ausgabe erschienen.

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Alternative Tageszeitung: Die "tageszeitung", kurz "taz", wurde 1978 als direkte Folge des Berliner Tunix-Kongresses gegründet. Die Nullnummer erschien bereits am 27. September 1978, die erste reguläre Ausgabe dann ein gutes halbes Jahr später, am 17. April 1979. Mit dem Blatt wollte die Sponti-Szene eine Alternative zur bürgerlichen Tagespresse schaffen - hier die Frankfurter Regionalausgabe vom 8. Dezember 2000 mit einer Schlagzeile zum 20. Todestag John Lennons.

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Gleisblockade: Atomkraftgegner versuchen im November 2005, einen für das Zwischenlager in niedersächsischen Gorleben bestimmten Atommüll-Transport zu blockieren. Der Widerstand gegen das geplante Atommülllager begann schon in den siebziger Jahren - auch auf dem Tunix-Kongress 1978 in der TU Berlin war Gorleben ein Thema.

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Hoch die Tassen: Die Grünen-Bundesvorsitzenden Reinhard Bütikofer und Claudia Roth stoßen während des Bundesparteitages von Bündnis 90/Die Grünen in Nürnberg im November 2007 an. Die Partei gehört inzwischen zum Establishment des wiedervereinigten Deutschland.

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Lang ist's her: Die Mitglieder des Grünen-Vorstands während des Gründungsparteitags in Karlsruhe 1980. Zwei Jahre zuvor war die Idee der Gründung einer grünen Partei auf dem Tunix-Kongress ventiliert worden, auf dem Spontis nach neuen Wegen für die Linke nach dem "Deutschen Herbst" gesucht hatten.

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