Elitesoldat Shoichi Yokoi Kriegsende 28 Jahre später
Dem Krieg entkommen: Shoichi Yokoi wurde am 24. Januar 1972 im Dschungel der Insel Guam gefunden. Fast 30 Jahre lang hatte der Sergeant der 29. Mandschurei-Division in einem Erdloch im lebensfeindlichen Dschungel der Insel ausgeharrt, um nicht kapitulieren zu müssen - was er als Schande empfunden hätte.
Geknickt entschuldigte sich der späte Weltkriegsverlierer bei seiner Rückkehr auch beim japanischen Volk, dass er "lebend" zurückgekehrt sei und sagte an die Adresse des japanischen Kaisers: "Ich bedauere zutiefst, dass ich Ihnen nicht besser dienen konnte. Die Welt hat sich inzwischen verändert, aber meine Entschlossenheit Ihnen zu dienen, wird sich niemals ändern."
Rückkehr ins Leben: Der japanische Soldat Shoichi Yokoi versteckte sich 28 Jahre lang im Dschungel von Guam, nachdem die Insel 1944 von den Amerikanern zurückerobert worden war. Er wusste zwar seit 1952 durch ein Flugblatt von der Niederlage seines Landes, harrte aber dennoch 20 weitere Jahre in einer primitiven, selbstgebauten Höhle aus. Aus Angst vor seiner Entdeckung ging er meist nur in der Dämmerung auf Jagd.
Im Januar 1972 wurde er von zwei Fischern entdeckt und griff diese ersten Menschen, die er seit Jahren zu Gesicht bekam, sogar an. Doch das Dschungelleben hatte ihn so sehr geschwächt, dass er rasch überwältigt werden konnte. Bei seiner Ankunft in Tokio am 2. Februar 1972 (Foto) wurde er von Emotionen überwältigt.
Nach seiner Rückkehr lebte er ein ziviles Leben, heiratete und gab Kurse zum Überleben in der Wildnis. Er kandidierte sogar einmal für das japanische Parlament -doch diesen Kampf verlor der hartleibige Ex-Soldat. 1997 starb Yokoi im Alter von 82 Jahren an einem Herzinfarkt.
Krankenhausessen: Das Bild vom 5. Februar 1972 zeigt den 56-jährigen Yokoi im Hospital von Agana auf der Insel Guam. Im Dschungel ernährte er sich hauptsächlich von Schnecken, Nüssen, Früchten, Flusskrebsen oder Fröschen - jetzt war er sogar von einem durchschnittlichen Krankenhausmahl begeistert. Außer, dass er der lange Dschungelaufenthalt ihn körperlich geschwächt hatte, war Yokoi wie durch ein Wunder kerngesund geblieben und hatte sich weder mit Typhus, Malaria oder Dengue-Fieber infiziert.
Unter Tage: In monatelanger Arbeit hatte Yokoi ein Loch gegraben und mit Bambusstangen stabilisiert.
Die hier gezeigte Höhle entspricht der Behausung von Shoichi Yokoi. Die nachgebaute Höhle ist Teil der Touristenattraktion "Yokoi's Cave" auf der Insel Guam, nahe der Talofofo-Wasserfälle. Die Originalhöhle wurde während eines Taifuns zerstört.
Nachdem Yokoi in seiner Heimat zum Volkshelden aufgestiegen war, bauten Kinder seine Höhle nach - vier starben, als ihr Bauwerk zusammenstürzte.
Landung auf Guam: Truppen der US-Marines beziehen im Juli 1944 Stellung in einer Bucht bei Agat, um die Pazifik-Insel von den Japanern zurückzuerobern. Auf dem Strand sind Kisten mit Kriegsgerät verstreut. Auf Guam kämpfte 1944 auch Shoichi Yokoi gegen die Amerikaner - seine Familie hielt ihn für tot, doch 1972 kehrte er aus dem Dschungel Guams in seine Heimat zurück.
Suchtrupp: US-Marines fahnden nach einem Scharfschützen der japanischen Armee, der sich in einer Höhle nahe der Küste versteckt hat, aufgenommen im März 1945 auf der Insel Guam, Marianen-Archipel. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Amerikaner schon längst die Kontrolle über das Eiland wiedergewonnen; seit August 1944 galt die Situation auf der Insel als gesichert.
Bei den heftigen Kämpfen um Guam (das die Japaner im Dezember 1941 besetzt hatten) starb ein Großteil der 22.000 hier eingesetzten japanischen Soldaten, da sich nur die wenigsten ergaben. Trotz der hoffnunglosen Lage war auch für Shoichi Yokoi Kapitulation nie eine Option gewesen - er versteckte sich selbst Jahre nach dem Kriegsende in dem Dschungel Guams.
Invasion: Eine Armada von Amphibienpanzern nähert sich im Juli 1944 während der US-amerikanischen Invasion zur Rückeroberung der von japanischen Truppen besetzten Insel Guam der Küste des Eilands.
Rückkehr eines Helden: Shoichi Yokoi, ehemaliger Soldat der japanischen Armee, kehrte erst 1972 nach fast 30-jährigem Leben jenseits der Zivilisation in seine Heimat zurück - und erkannte sie kaum wieder. Zu rasant hatte sich das Japan seiner Erinnerungen in eine boomende, glitzernde Wirtschaftsnation verwandelt.
In einem Hawaii-Hemd, mit neuem Haarschnitt und frischrasiert posiert er am 5. Februar 1972 im Krankenhaus von Guam für die Fotografen. Seine Rückkehr verursachte einen riesigen Medienrummel - seinen konservativen Wertekanon zu Krieg und Ehre teilten jedoch längst nicht alle Japaner.
Kapitulation: Shoichi Yokoi war nicht der einzige japanische Soldat, der sich noch Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs im Dschungel versteckt hielt. Auch Hiroo Onoda war einer dieser sogenannten Holdouts.
Der Nachrichtenoffizier harrte bis 1974 auf der philippinischen Insel Lubang aus. In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg soll er in seinem verlängertem Privatkrieg sogar noch 39 Menschen getötet und 100 verletzt haben - das behaupten zumindest die Einwohner Lubangs.
Deshalb investierte die philippinische Regierung rund eine Million Dollar in die Suche des hartleibigen Soldaten. Doch das alles half nichts: Onoda kapitulierte erst, als die japanischen Behörden seinen ehemaligen Vorgesetzten ausfindig machten. Dieser flog am 9. März 1974 nach Lubang und befahl ihm, sich zu ergeben. Erst jetzt akzeptierte er.
Zu dieser Zeit trug er immer noch seine Uniform, sein Katana-Schwert, sein Gewehr und etwa 500 Schuss Munition und mehrere Handgranaten bei sich. Aufgrund der Umstände wurde der damals 52-Jährige nicht nur vom philippinischen Präsidenten Ferdinand Marcos begnadigt, er...
...wurde außerdem zum Star, der mit seiner Geschichte durch die USA tourte. Hier tanzt er am 20. Januar 1975 mit dem Playboy-Bunny Barbi im Playboy Club in Chicago.
Anders als er nach seiner Rückkehr anfangs behauptete, hatte Onoda schon lange von der Kapitulation der japanischen Armee gehört - durch ein gestohlenes Radiogerät war er gut über die aktuellen Entwicklungen informiert. Doch er hatte so sehr den Ehrenkodex der kaiserlichen Armee verinnerlicht, dass er nicht bereit war, aufzugeben.
Emotionales Wiedersehen: Am 8. Januar 1975 trifft der inzwischen 55-jährige Japaner Teruo Nakamura am Flughafen in Taipeh, Taiwan, zum ersten Mal seit mehr als 30 Jahren wieder auf seinen Sohn und seine Frau.
Kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs hatte sich Nakamura im indonesischen Dschungel versteckt und wurde erst nach drei Jahrzehnten entdeckt - Holdouts werden solche japanische Einzelkämpfer genannt, die entweder aus militärischem Ehrgefühl nicht kapitulieren wollten oder nichts vom Kriegsende wussten. Doch im Gegensatz zu anderen Holdouts wurde Nakamura nicht als Volksheld gefeiert. Dies lag besonders daran, dass er kein gebürtiger Japaner war, sondern im besetzten Taiwan zwangsrekrutiert worden war.
Aufgespürt wurde er am 18. Dezember 1974 durch einen Suchtrupp, nachdem er zufällig von einem Piloten gesichtet worden war. Der vierköpfige Suchtrupp der indonesischen Armee schwenkte die japanische Militärflagge und sang die japanische Nationalhymne. Daraufhin ergab sich ein hagerer, nackter und völlig verstörter Nakamura widerstandslos.
Mahnmal: Die Agat Bay auf Guam, aufgenommen circa 1995. Die Flaggen von Japan, der USA und Guam wehen über einer japanischen Flugabwehrgeschützstation - als Mahnmal zur Erinnerung an die Kämpfe um die Insel während des Zweiten Weltkriegs.