Nervig, schädlich, kriminell 40 Jahre Spam
Meldebutton: Gute Systeme lernen dazu - die meisten Mailprogramme und Plattformen verfügen heute über Möglichkeiten, Mails auszufiltern oder als Spam zu kennzeichnen, als Werbemüll also. Spam gab es bereits im Internetvorläufer Arpanet: 1978 verschickte Gary Thuerk Werbung für neue Computer. Seine E-Mail an 600 Adressaten bedeutete einen kleinen Urknall.
Historisches Werbemailing: Dies ist Gary Thuerks unverlangt versandtes Sonderangebot vom 3. Mai 1978. Die Adressliste umfasste fast 20 Prozent aller damaligen Netznutzer, die frühesten aller Early Adopters. Hier mittendrin: Doug Engelbart, der Erfinder der Computermaus und Mitentwickler grafischer Nutzerschnittstellen - einer der wichtigsten Pioniere der Computergeschichte.
Der Inhalt des Mailings war völlig profan: Thuerk informierte trocken-sachlich darüber, dass sein Arbeitgeber zwei neue Computermodelle in jeweils zwei Versionen im Angebot hatte. Er kassierte jede Menge Kritik dafür, weil die Statuten des Arpanet "commercial speech" verboten - aber Thuerks Arbeitgeber, die Firma DEC, verkaufte danach Computer für zwölf Millionen Dollar.
Selbst ein Pionier: Gary Thuerk war tief in das Projekt Arpanet eingebunden, den von der Pentagon-Agentur Darpa betriebenen Aufbau eines digitalen Netzwerks. Es wurde zum Grundstock des späteren Internets.
Thuerks heiße Ware: Das Unternehmen Digital Equipment Corporation fertigte Mainframe-Rechner mit Desktop-Schnittstellen. Das von Thuerk angepriesene DECSYSTEM-2020 verfügte über einen Arbeitsspeicher von satten 512 Kilowords - was immerhin rund 1,9 Megabyte entspricht. Das damalige Top-Modell 2060 war viermal so groß.
Der (wahrscheinliche) Spam-Namensgeber: Jay Furr war Usenet-Forenverwalter. Als seine Foren mit derart viel Müll geflutet wurden, dass keine Konversation mehr möglich war, erinnerte er sich an den "Spam"-Sketch von Monty Python. Da singen Winkinger derart laut "Spam, Spam, Spaaaam", dass es alle Gespräche überdeckt. Die Internetgemeinde nahm den Namen für das Phänomen freudig auf.
Dosenfleisch Spam: Seit 1937 füllte die Firma Hormel Food ihre Schweinefleisch-Pasten in Dosen. Das Produkt war bekannt - aber erst Monty Python und der Internet-Spam machten es weltberühmt. Erst haderte Hormel damit und klagte dagegen. Dann wurde Spam zur Kultmarke - und die Dose zum Merchandising-Artikel für Nerds. Im September 2001 eröffnete Hormel in Austin (Texas) ein Spam-Museum.
Laurence Canter, der Überzeugungsspammer: Mit seiner Frau Martha Siegel machte er Spam zum Geschäftsmodell. Nach zunächst guten Geschäften zahlte er einen hohen Preis: 1997 wurde dem Anwalt wegen seiner Internetgeschäfte die Zulassung entzogen, seine Spam-Firma ging bald darauf pleite. Canter arbeitet danach als Softwareentwickler.
Wallace "Spamford" Sanford: Der US-Unternehmer pries sich Ende der Neunziger selbst als "Spam-King" und hatte sich den Titel branchenüblich unredlich verdient - er galt als einer der größten Spammer der Welt und war stolz darauf. Seine Karriere endete, als ein Gericht Schadensersatz gegen ihn verhängte: 158,9 Millionen Dollar. Seitdem arbeiten Spammer dieser Größenordnung anonym.