Aussterbende Region Spanisch-Sibirien
Wenn als Freund nur ein Ball bleibt: Der elfjährige Juan Romero ist der einzige Junge im Dorf Selas, nahe der Gemeinde Molina de Aragon, Zentral-Spanien. Der Fotograf David Ramos hat die Vereinsamung in der Region in tristen Bildern festgehalten.
Dort ist eine Region in der Größe von Österreich entstanden, die vielerorts einer Wüste ähnelt. Sie leidet unter einem jahrzehntelangen Rückzug der Industrie und dem Schwund der Bevölkerung.
Wenn der elfjährige Juan und seine Mutter nach Anbruch der Dämmerung durch die Straßen gehen, begegnen sie kaum einem Menschen. Die Schule im Ort wurde bereits 1974 geschlossen.
Juan muss täglich 68 Kilometer mit dem Bus fahren, um in Molina de Aragon die Schule zu besuchen.
In der Region, etwa zwei Autostunden entfernt von Madrid, leben im Schnitt 1,63 Einwohner pro Quadratkilometer - weniger als in Sibirien (drei Einwohner pro Quadratkilometer).
Etwa 41 Prozent der Menschen dort sind älter als 65 Jahre, nur acht Prozent jünger als 15.
Die 54-jährige Martina Mateo backt noch täglich Brot in ihrer Backstube in Rillo de Gallo.
Wenige Menschen bedeuten auch wenige Kunden. Die 64-jährige Margarita schloss im Februar ihren Tante-Emma-Laden im Dorf Anquela del Ducado. 70 Jahre lang existierte das Geschäft.
Jobs für junge Menschen sind rar, die wirtschaftliche Krise im Land tut ihr Übriges. Der 21-jährige David Oter, ein arbeitsloser Elektriker, arbeitet neuerdings als Tierpräparator.
Menschen gehen, Häuser bleiben. Blick durch das Fenster eines leerstehenden Hauses in Selas.
Karte der Region: Die menschenleeren Orte liegen teilweise nur knapp zwei Stunden Autofahrt von Madrid entfernt.