Spanien Euphorie trifft Enttäuschung
Oh wie ist das schön! "Viva España", jubeln die spanischen Zeitungen.
Doch nicht die Arbeitsmarktreform eint die Spanier, sondern das 2:0 gegen Honduras bei der Fußball-Weltmeisterschaft.
Vielleicht kurbelt ein Sieg bei der Weltmeisterschaft die spanische Wirtschaft an - doch allein darauf kann Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero nicht setzen. Er hat per Dekret eine umfassende Reform des Arbeitsmarkts verabschiedet.
Sie musste nun auch vom Parlament bestätigt werden. Die sozialistische Partei PSOE regiert nach spanischer Tradition mit einer Minderheitsregierung, die von Fall zu Fall von mindestens einer der kleinen Parteien unterstützt wird. Die größte Oppositionspartei PP - hier Parteichef Mariano Rajoy - enthielt sich.
Der Direktor des Internationalen Währungsfonds, Dominique Strauss-Kahn, lobte jüngst das Krisenmanagement und beteuerte, die Maßnahmen seien "sehr wirkungsvoll" und in Zukunft von "enormer Nützlichkeit".
Die nun beschlossene Reform war überfällig - 20 Prozent der Spanier haben keinen Job, bei den Jugendlichen ist die Quote doppelt so hoch. Vor den Arbeitszentren bilden sich morgens lange Schlangen.
Die Gewerkschaften mobilisieren nun gegen die Reform - für September haben sie einen Generalstreik angekündigt. Bereits am 8. Juni protestierten Zehntausende gegen die Vorhaben der Regierung.