Spanier in Wunsiedel - DER SPIEGEL
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Spanier im Fichtelgebirge Das bayerische Experiment

Im Kampf gegen den Fachkräftemangel warb die bayerische Kleinstadt Wunsiedel Spanier an. Die Umsiedlung wurde genau geplant. Dennoch gibt es auf dem "Wunsiedler Weg" auch Enttäuschungen. Teilnehmer berichten.
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Stammtisch der Spanier in Wunsiedel: Jeden Freitagabend treffen sich die Neubayern mit alteingesessenen Spaniern im Goldenen Löwen. Es herrscht spanische Lebendigkeit, doch die Gesprächsthemen sind oft ernst.

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Zweiter Bürgermeister Roland Schöffel, 65: "Ich bin lebender Europäer", sagt er. Von ihm stammt die Idee, spanische Fachkräfte nach Wunsiedel zu holen - lange bevor die Kanzlerin dafür warb.

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Erster Bürgermeister Karl-Willi Beck, 58: Als Kind sprach Beck schlesisch, weil er von Flüchtlingen mitaufgezogen wurde. In seinem Amtszimmer weist ihn eine Urkunde als "Ehrenspätaussiedler" aus. "Mit unseren Vorkenntnissen hielten wir uns für reif, auch Spanier nach Wunsiedel zu holen", sagt Beck.

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Projekt "Wunsiedel: 10.000": Die bayerische Kleinstadt schrumpft zusehends - von einst 11.000 auf nun rund 9000 Einwohner. Die zwei Bürgermeister des Orts setzen auch deshalb Hoffnungen in die Zuwanderung aus Spanien. Ihr Ziel: bald wieder 10.000-Einwohner-Stadt zu sein.

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Rui Meireles Arregui, 35: Der Elektriker gehörte zur ersten Gruppe, die im September vergangenen Jahres kam. Er könne sich gut vorstellen, länger zu bleiben, sagt er. Was ihm besonders an Deutschland gefällt? "Frühmorgens mit der Arbeit beginnen, dafür aber auch pünktlich Feierabend machen."

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Bleibe für die Spanier: Die Gemeinde hat das Haus extra für die Neubürger hergerichtet. Für 170 Euro im Monat bekommen sie ein Zimmer.

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Gang im Haus der Spanier: An der Renovierung waren die Bürgermeister und ihre Frauen persönlich beteiligt. Den Spaniern wurden Namensschilder für die Zimmertüren gebastelt und Blumengirlanden an die Wände gemalt.

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David Caceres Gomez, 25: Der gelernte Jurist ist aus dem baskischen Vitoria auf eigene Faust in einen Nachbarort von Wunsiedel zum Arbeiten gekommen. Dort hörte er vom Haus der Spanier - und zog um. "Ich wollte eigentlich Rechtsanwalt werden. Aber momentan ist es unmöglich."

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David (links) und Angel Morales, 30: Die beiden haben sich zufällig in einer Wunsiedler Kneipe kennengelernt, inzwischen sind sie befreundet. Angel kam mit den anderen Spaniern aus Padrón - allerdings ohne Arbeitsvertrag. "Ich wollte nach Deutschland, um etwas Neues kennenzulernen." Mittlerweile arbeitet er als Elektriker.

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Carmen Gens Martinez, 42: Sie hatte weniger Glück. Sie hat ihren Job in einem Hotel schon wieder verloren haben - dabei hat sie 24 Jahre in der Schweiz gelebt und spricht fließend Deutsch. Seit Monaten schreibt Carmen nun Bewerbungen - bislang ohne Erfolg.

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Carmen, Rui und "Lotsin" Lidia Hüttel (Mitte): Lidias Eltern kamen schon in den sechziger Jahren aus Padrón nach Bayern - und wären selbst überglücklich gewesen, wenn ihnen einst jemand geholfen hätte, sagt sie.

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Anontio Sanchez, 46: Er gehörte zu jenen Spaniern, die in einem Autohaus arbeiteten, das inzwischen pleite ist. Seit März hat er eine neue Anstellung: Der 46-Jährige baut jetzt Karosserien für Luxusautos. "Ich habe es jetzt noch besser getroffen", findet er.

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Elektrounternehmer Bernd Birke: Er reiste mit einer kleinen Delegation aus Wunsiedel nach Padrón, um die Fachkräfte anzuwerben. "Ich bekomme hier keine Leute mehr."

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Pepita "Peppi" Kleinert mit ihrem Ehemann: Die Spanierin kam schon vor Jahrzehnten nach Wunsiedel. Sie hilft den Neuankömmlingen bei Behördengängen und hat ein offenes Ohr für ihre Belange. Dafür wird sie im Ort liebevoll "Mama" oder auch "Tante" genannt.

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Bürgermeister Beck, Schöffel: Vor Jahren traten sie im Wahlkampf noch gegeneinander an, inzwischen kämpfen sie für die gleiche Sache.

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Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?