SPD-Kandidatenkür 1998 - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

SPD-Kandidatenkür 1998 Spaltpilz an der Spitze

Wer stößt Kohl vom Thron? 1998 fiel die Entscheidung über den SPD-Kanzlerkandidaten, der den ewigen Unions-Kanzler beerben sollte. Beim Showdown behielt Gerhard Schröder die Nase vorn - aber mit der Niederlage Oskar Lafontaines begann auch die Spaltung der deutschen Linken.
1 / 9

Machtkampf in Mannheim: Der niedersächsische Ministerpräsident Gerhard Schröder (r.) bei seiner Rede am 16. November 1995 auf dem SPD-Parteitag in Mannheim. Noch-SPD-Chef Rudolf Scharping und die Ministerpräsidenten Johannes Rau und Oskar Lafontaine (v.l.n.r.) hören ihm von ihren Plätzen am Vorstandstisch aus zu. Wenig später ersetzten die Delegierten in einer Kampfabstimmung Parteichef Scharping durch Lafontaine. Seither kämpften Lafontaine und Schröder mit harten Bandagen um die SPD-Kanzlerkandidatur für de Bundestagswahl 1998.

Foto: Martin_Gerten/ picture-alliance / dpa
2 / 9

Moment des Triumphs: Nach seiner Wahl zum Bundeskanzler wird Gerhard Schröder am 27.10.1998 im Bundestag in Bonn vom SPD-Vorsitzenden Oskar Lafontaine (M) umarmt, links applaudiert Rudolf Scharping, vorne rechts klatschen Peter Struck und Anke Fuchs (verdeckt). Nur ein knappes halbes Jahr später Jahr warf Lafontaine als Finanzminister wie als SPD-Chef hin. Zum Jahrestag des historischen SPD-Wahlsiegs über Helmut Kohl erschien sein Buch "Das Herz schlägt links", in dem er schonungslos mit Schröder und der SPD abrechnete.

Foto: dpa
3 / 9

Das Herz schlägt links: Die Entscheidung für Gerhard Schröder und gegen Oskar Lafontaine als SPD-Kanzlerkandidat für die Bundestagswahl 1998 legte im März 1998 den Keim für die Spaltung der deutschen Linken. Nachdem Schröder ihn nach seinem Sieg bei der Bundestagswahl Ende September 1998 zunächst als Finanzminister eingebunden hatte, trat Lafontaine schon am 11. März 1999 als Minister wie als SPD-Chef zurück. Im Mai 2005 trat er aus der SPD aus und wurde als Spitzenkandidat der WASG im September 2005 in den Bundestag gewählt, mit Gregor Gysi führt er dort die Fraktion der Linkspartei, heute Die Linke.

Foto: Ingo Wagner/ dpa
4 / 9

Die SPD-"Troika" von 1994: Gerhard Schröder, Rudolf Scharping und Oskar Lafontaine auf einem SPD-Plakat aus dem Wahlkampf vor der Bundestagswahl am 16. Oktober 1994. Die SPD verlor und versank in Depression; ein Jahr später stürzte Lafontaine den führungsschwachen Parteichef Scharping durch eine Kampfabstimmung auf dem Mannheimer SPD-Parteitag.

Foto: dpa
5 / 9

Zäsur in Mannheim: Mit eingefrorenem Lächeln gratuliert Rudolf Scharping (l.) seinem Nachfolger Oskar Lafontaine (r.) am 16. November 1995 auf dem Parteitag in Mannheim. Unmittelbar zuvor hatte Lafontaine den unglücklich agierenden Scharping in einem wohlinszenierten Coup vom SPD-Vorsitz verdrängt. Damit sah sich Lafontaine auch als den natürlichen Kanzlerkandidaten der SPD für die Bundestagswahl 1998 - ein Anspruch, der ihm vom niedersächsischen Ministerpräsidenten Gerhard Schröder allerdings geschickt streitig gemacht wurde.

Foto: dpa
6 / 9

Der Kandidat: Mit einem klaren Sieg über den CDU-Kandidaten Christian Wulff bei der Landtagswahl in Niedersachsen vom 1. März 1998 sicherte sich Gerhard Schröder die SPD-Kanzlerkandidatur gegen den SPD-Vorsitzenden Oskar Lafontaine.

Foto: dpa
7 / 9

"Genosse der Bosse": Bundeskanzler Gerhard Schröder zündet sich während eines Interviews in seinem Arbeitszimmer im Bundeskanzleramt in Bonn am 26. Januar 1999 entspannt eine Zigarre an. Von Anfang an galt Schröder als der "Genosse der Bosse", was er durch seinen Habitus noch unterstrich. Sein innerparteilicher Widersacher (und damaliger Finanzminister) Oskar Lafontaine dagegen galt als Vertreter der traditionelle Sozialdemokratie und der Arbeitnehmerinteressen.

Foto: Marco Urban
8 / 9

Sieger und Verlierer: Der SPD-Bundestagsfraktionsvorsitzende Rudolf Scharping, der niedersächsische Ministerpräsident Gerhard Schröder und der saarländische Ministerpräsident und SPD-Vorsitzende Oskar Lafontaine (v.l.n.r.) am 19. Januar 1998 auf einer gemeinsamen Pressekonferenz in Bonn. Im Machtkampf der drei siegte schließlich Schröder - Lafontaine verließ die SPD und wechselte zur Linkspartei, Scharping wurde Präsident des Bundes Deutscher Radfahrer.

Foto: dpa
9 / 9

Männerfreundschaft: Gerhard Schröder (l.) und Oskar Lafontaine posieren mit Partnerinnen Doris Köpf und Christa Müller im August 1997 vor der Saarschleife in der Nähe von Mettlach für die Fotografen. Das Bild sollte Harmonie suggerieren, tatsächlich war das Verhältnis in dieser politischen Männerfreundschaft zum Zerreißen gespannt, die Inszenierung der Doppelspitze allzu durchsichtig.

Foto: dpa
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?