Spektakuläre Mauerfluchten - DER SPIEGEL
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Spektakuläre Mauerfluchten Kreativ und lebensgefährlich

Mit selbst gebauten Surfbrettern machen Karsten Klünder und Dirk Deckert sich im Herbst 1986 auf eine lebensgefährliche Reise von Hiddensee nach Dänemark - und werden auf der Ostsee getrennt. einestages erinnert an die außergewöhnlichsten Fluchtversuche aus der DDR.
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Lust auf Freiheit: Karsten Klünder liebte das Segeln, ob auf dem Boot oder dem Surfbrett. Klünders Revier war der Werbellinsee nördlich von Berlin. Doch im Herbst 1986 sollte er mitten auf der Ostsee den Wind im Haar spüren - bei einer spektakulären DDR-Flucht auf dem Surfbrett.

Foto: Karsten Klünder
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Zusammen in den Westen: In Dirk Deckert (links) hatte Klünder einen Verbündeten gefunden. Klünder war ein Segler wie er - und einer, der die Enge der DDR ebenfalls nicht mehr ertragen wollte. Zusammen besorgten sie sich Trockenanzüge und weitere Ausrüstung, aus Styropor und Bauplanen bastelten sie sich ihre Surfbretter nach Vorlagen aus einem westdeutschen Surfmagazin.

Foto: Karsten Klünder
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Flucht am Morgen: Am 24. November 1986 fuhren Deckert und Klünder mit ihren selbst gebastelten Brettern in Klünders weißem Trabi nach Ummanz auf Rügen. In der Morgendämmerung des nächsten Tages segelten sie nach Hiddensee, hetzten über die schmale Insel und stürzten sich in die freie Ostsee. Doch dann verlor Klünder seinen Freund aus den Augen.

Foto: Karsten Klünder
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Glücklich im Westen: 70 Kilometer weit surfte Karsten Klünder (links) über die stürmische Ostsee, bis er auf der dänischen Insel Møn landete. Dirk Deckert hatte er da schon seit Stunden nicht mehr gesehen und fürchtete um das Leben seines Freundes. Erst später trafen die beiden in einem Aufnahmelager in Gießen wieder aufeinander. Freunde sind die beiden geblieben, noch immer treffen sie sich regelmäßig.

Foto: Karsten Klünder
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Filmreife Flucht: Klünder und Deckert stellten mit ihrer Flucht einen Rekord auf. Sie waren die Einzigen, denen je die Flucht aus der DDR in den Westen auf einem Surfbrett gelang. Ihre Geschichte sendete der WDR 2011 in der Reihe "Faszination Freiheit - Spektakuläre Fluchtgeschichten". Hier spielen die Schauspieler Christoph Paulsen und Ole Wolsbeck den Beginn der Flucht szenisch nach.

Bild aus der WDR-Sendung "Faszination Freiheit - Spektakuläre Fluchtgeschichten".

Foto: WDR/Bodo_Müller/ picture-alliance / obs
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Not macht erfinderisch: Viele andere DDR-Flüchtlinge haben ähnliche Kreativität wie Klünder und Deckert an den Tag gelegt, um aus der DDR zu fliehen. Eine der spektakulärsten Erfindungen zur Flucht unter Wasser entwickelte der Ingenieurstudent Bernd Böttger. In einer sternenklaren Nacht im September 1968 ließ er sich einen halben Meter unter der Wasseroberfläche von seinem selbst gebauten Tauchscooter ziehen - angetrieben von einem Fahrrad-Hilfsmotor. Seine Reise ging 22 Kilometer weit, bis das dänische Feuerschiff "Gedser Rev" ihn auflas. Böttger war frei. Er entwickelte seine Erfindung zur Marktreife weiter. Doch nur vier Jahre nach seiner Flucht ertrank Böttger unter tragischen Umständen beim Tauchen mit Freunden vor der spanischen Küste.

Foto: Chris Hoffmann/ dpa
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Unter Wasser über die Grenze: Ulrich Kujat aus Thüringen baute in seiner Garage ein Ein-Mann-U-Boot. Geschützt vor den Augen der Grenzsoldaten war man darin natürlich, aber ein kleiner Fehler in der Konstruktion, und die Flucht im U-Boot wäre tödlich geendet. Mindestens so schwer wie der Bau war auch die Materialbeschaffung. Doch irgendwann ging ihm der Baustoff aus, das U-Boot verstaubte in seiner Garage - bis die Stasi schließlich das Boot entdeckte. Vier Jahre lang saß Kujat dafür im Gefängnis, ohne den Fluchtversuch überhaupt je gewagt zu haben.

Foto: Jens_Büttner/ picture-alliance / dpa
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In letzter Minute: Die Grenze war im Dezember 1961 noch nicht vollständig geschlossen, die Gleise auf der Hauptstrecke zwischen Hamburg und Berlin waren noch erhalten. Diese Gelegenheit nutzte Lokführer Harry Deterling und raste mit 80 Kilometern pro Stunde und 24 Menschen an Bord von Berlin in den Westen. Kurz darauf wurden die Gleise getrennt, aber Deterling blieb für viele ein Held. Zwei Jahre später wurde die spektakuläre Flucht mit Erik Schumann (Mitte) in der Rolle des Lokführers verfilmt.

Bild aus dem Film "Durchbruch Lok 234" von 1963.

Foto: ddp images
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Nähkunst für die Freiheit: Über Land war die Flucht kaum zu schaffen, über Wasser für ganze Familien zu schwierig - somit blieb nur die Luft. Aus 1000 Quadratmeter Stoff nähten die Familien Strelzyk und Wetzel einen Heißluftballon. Als sie im September 1979 Richtung Westdeutschland abhoben, waren sie die Ersten, die die Flucht durch die Luft wagten. Mit Erfolg: Schon 28 Minuten später landeten die vier Erwachsenen und vier Kinder wohlbehalten in Bayern.

Bild aus dem Film "Mit dem Wind nach Westen" von 1982.

Foto: ddp images
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Alle für einen: Zwei hatten es schon in den Westen geschafft, doch ihren Bruder Egbert wollten Ingo und Holger Bethke nicht in der DDR zurücklassen. Mit zwei Ultraleicht-Flugzeugen holten sie ihn am 26. Mai 1989 über die Mauer nach Westberlin - quasi vor der Nase der Grenzsoldaten. Die Flieger ließen die Brüder vor dem Reichstagsgebäude stehen und verschwanden. 24 Stunden lang rätselte die Republik, woher die Flugzeuge stammten, dann stellten sich die Brüder der Polizei.

Foto: DB/ picture-alliance / dpa
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Flucht im gelben Gummiboot: Oft sahen DDR-Flüchtlinge in dem Weg über die Ostsee die einzige Möglichkeit zu entkommen. In einem Schlauchboot wie diesem flüchtete 1988 an einem nasskalten Oktobertag die vierköpfige Familie Kostbade. Ganze 111 Kilometer paddelten sie in dem abenteuerlichen Fahrzeug von Kühlungsborn nach Fehmarn über die Ostsee.

Foto: Jens Büttner/ picture-alliance/ dpa/dpaweb
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Mit Panzerwagen und Schussverletzung: Wolfgang Engels war Sohn einer Beamtin bei der Stasi, er selbst hatte beim Grenzschutz der DDR gearbeitet. Doch dann wurde er in der Nähe der Mauer wegen eines mutmaßlichen Fluchtversuchs festgenommen. Die Anschuldigungen beruhten nur auf einem Missverständnis, doch das muss zu viel gewesen sein für den 19-Jährigen. Im April 1963 stahl er in Berlin-Friedrichsfelde einen Schützenpanzerwagen der Nationalen Volksarmee und raste in Treptow gegen die Berliner Mauer. Der Wagen blieb auf ostdeutscher Seite stecken. Verzweifelt versuchte Engels, sich über die Mauer in den Westen zu retten. Die Kugel eines DDR-Grenzpolizisten durchbohrte seine Lunge, schwer verletzt konnte er sich gerade noch über die Mauer ziehen. Engels überlebte.

Foto: dpa
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Tunnel 57: 35 junge West-Berliner buddelten ab April 1964 ein halbes Jahr lang einen 145 Meter langen Tunnel unter der Mauer hindurch, von der Bernauer Straße in West- bis zur Strelitzer Straße in Ost-Berlin. Eimerweise schaufelten sie Erde und Geröll an die Oberfläche, um schließlich 57 Menschen in die Freiheit zu holen. Doch nicht nur die Flüchtlinge, auch ihre Helfer hatten dabei ihr Leben riskiert.

Foto: von Keussler/ picture-alliance/ dpa
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Unbekannter Retter: Zwei Jahre vor dem Tunnel 57, im Jahr 1962, hatte die Stasi bereits kaltblütig versucht, einen ähnlichen Fluchttunnel zu sprengen - noch während die westdeutschen Fluchthelfer hindurchkrabbelten, um ihren ostdeutschen Freunden den Eingang zum Tunnel zu zeigen. Doch der Sprengsatz explodierte nicht, jemand hatte das Zündkabel durchgeschnitten. Die Stasi ermittelte eifrig auch in den eigenen Reihen. Gefunden wurde der Saboteur nie, der vier jungen Menschen das Leben rettete.

Foto: Boris Franzke
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Flugzeugentführung: Besonders verzweifelt muss Alexander Tiede gewesen sein, als er am 30. August 1978 versuchte, aus der DDR zu fliehen, indem er ein Flugzeug entführte - mit einer Spielzeugpistole. Der Flieger war auf dem Weg von Danzig nach Ost-Berlin, mit an Bord war eine Freundin Tiedes und ihre zwölfjährige Tochter. Kurz vor der Landung richtete Tiede die Pistole auf eine Stewardess und zwang den Piloten zur Landung in West-Berlin. Dort wurde Tiede zu neun Monaten Haft verurteilt, aber immerhin war er im Westen. An Bord der Maschine reisten übrigens noch 47 weitere DDR-Bürger. Sieben von ihnen nutzten die einmalige Gelegenheit und blieben auch gleich mit im Westen.

Foto: DB/ picture-alliance / dpa
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