Spektakuläre Zeitkapseln - DER SPIEGEL
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Spektakuläre Zeitkapseln Alltag von heute bewahrt für die Zukunft

Wie mögen sich die Menschen in ferner Zukunft den Alltag im 20. Jahrhundert vorstellen? US-Präsidenten, Industrielle und verschrobene Privatleute wollten dies nicht dem Zufall überlassen. Manche legten dafür riesige unterirdische Lager an, vergruben Bier-Ampullen, Bikinihöschen - oder ganze Bibliotheken.
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Die größte Zeitkapsel der Welt: Der Bau eben dieser war das Ziel von Harold Keith Davisson, Geschäftsmann aus Seward im US-Bundesstaat Nebraska. Um sein Leben sprichwörtlich begreifbar zu machen, legte er 1975 ein gewaltiges Lager in seinem Vorgarten an. Den erhofften Superlativ allerdings machte ihm die "Krypta der Zivilisation" in Atlanta streitig - weshalb Davisson noch eins draufsetzte und sein unterirdisches Bauwerk 1983 mit einer Pyramide krönte.

Was ist drin? Für seine Betongruft trug Davisson 5000 Alltagsgegenstände zusammen - vom Bikinihöschen bis zum brandneuen Chevy Vega. In die Pyramide stellte er noch ein zweites Auto, einen 1975er Datsun oder Toyota, so genau erinnert sich niemand. Aufgefüllt wurde die Konstruktion mit Paketen, die Nachbarn und Freunde für die Nachwelt gepackt hatten.

Wer soll's öffnen? Hinsichtlich der Empfänger hatte Davisson konkrete Vorstellungen: "Er wollte seine Enkel wissen lassen, wie sein Leben im Jahr 1975 aussah", so Davissons Tochter in einem Interview. Dazu hatte er allerdings noch persönlich Gelegenheit: Der Zeitkapselbauer wurde 91. Seine Tochter grübelte derweilen, wie sie sein Vermächtnis erfüllen und den Betonkoloss im Jahre 2025 - dann selbst bereits 77-jährig - öffnen könnte.

Das Foto wurde von Lloyd Sommerer zur Verfügung gestellt.

Foto: Lloyd Sommerer
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Reiskocher inklusive: Für die Weltausstellung in Osaka konzipierte Japan 1970 die bis dahin inhaltlich umfangreichste Zeitkapsel - und präsentierte neben den Errungenschaften auch die größten Fehler des 20. Jahrhunderts. Wesentlich mitgeprägt wurde die einmalige Sammlung von dem Co-Sponsor Panasonic.

Was ist drin? Die Inventarliste der Osaka-Kapsel zählt mehr als 2000 Alltagsgegenstände, darunter auch so ungewöhnliche Dinge wie...

Foto: Chris Gladis
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...ein seidenes Kondom, falsche Zähne, ein Glasauge, Kunstperlen und ein Origami-Lehrbuch, außerdem einen elektrischen Reiskocher, einen Mini-Fernseher sowie Langspielplatten. Neben den positiven Aspekten des wissenschaftlich-technischen Fortschritts, etwa in Gestalt der Apollo-Missionen oder der Möglichkeit von Herztransplantationen, enthält die Osaka-Kapsel auch Hinweise auf deren Schattenseiten, wie den Abwurf der Atombombe auf Hiroshima und eine Liste der bedrohten Tierarten.

Wer soll's öffnen? Adressiert ist die Hinterlassenschaft an die "Menschen in 5000 Jahren", wie dem Begleitschreiben eines Viertklässlers aus Tokio zu entnehmen ist. Erst im Jahre 6970 soll der im Erdreich versenkte Container wieder gehoben werden. Damit der Inhalt allerdings seinen Empfänger unbeschadet erreicht, wurde parallel dazu eine identische Kapsel vergraben, die zur Kontrolle alle 100 Jahre geöffnet werden soll.

Foto: Panasonic
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Stimmen aus der Vergangenheit: Mag sein, Alfred Clark machte sich ernsthaft Sorgen um die Musik, mag aber auch sein, der Chef der in London ansässigen Gramophone Company hatte einfach einen geschickten PR-Coup ersonnen: In einem kleinen Abstellraum im Kellergewölbe der Pariser Oper versiegelte eine Gruppe bärtiger Männer am Heiligen Abend des Jahres 1907 zwei urnenähnliche Metallbehälter.

Was ist drin? 24...

Foto: REUTERS
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...Grammophonplatten mit Auszügen unter anderem aus so bekannten Werken wie "Carmen" von Georges Bizet, "Rigoletto" von Giuseppe Verdi oder "Don Giovanni" von Wolfgang Amadeus Mozart, gesungen von namhaften Operngrößen in der Zeit um die Jahrhundertwende.

Wer soll's öffnen? Ihr Ablaufdatum hatte die Zeitkapsel im Jahr 2007 erreicht - und womöglich wären die Herren erstaunt darüber gewesen, dass auch hundert Jahre später noch "Carmen", "Rigoletto" und "Don Giovanni" auf den Spielplänen der Opernhäuser standen. Überraschender aber war die Entdeckung, die die Leitung der Pariser Oper bereits 1989 machte, als sie im Haus eine Klimaanlage installieren ließ und dazu auch in den Keller schaute: Die Metallbehälter waren geöffnet und leer. Weitsichtig aber hatte der Initiator des Projekts seinerzeit Kopien der Tonaufnahmen in der Nationalbibliothek hinterlegt. So konnten diese 2007 dennoch der Öffentlichkeit vorgestellt werden - historisch wertvoll immerhin insofern, als dass sie einen authentischen Eindruck von der Tonqualität um 1900 vermitteln.

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And the winner is... Zum 50. Jubiläum des Bundesstaates Oklahoma hatten die Stadtväter von Tulsa 1957 einen ganz besonderen Einfall: In der sicheren Annahme, dass sein Wert in den nächsten 50 Jahren massiv steigen würde, machten sie den Inhalt ihrer Zeitkapsel zum Hauptpreis eines Gewinnspiels, bei dem die Bürger raten durften, wie groß die Bevölkerung Tulsas im Jahr des 100-jährigen Bestehens sein würde.

Was war drin? Die Betongruft im Vorgarten des Tulsaer Gerichts enthielt einen nagelneuen weißgoldenen Plymouth Belvedere Sport Coupé, dem man vorsichtshalber...

Foto: AP
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...gleich auch noch 38 Liter Benzin und einen Kanister Motoröl beigestellt hatte - für den Fall, dass derartige Antriebsmittel 50 Jahre später nicht mehr üblich seien. Ferner eine Kiste Bier, ein Sparbuch mit einem 100-Dollar-Guthaben sowie eine Damenhandtasche samt klassischem Inhalt wie Haarnadeln, Regenüberzug, Kaugummis, Zigaretten, Kleingeld und ein Päckchen Beruhigungsmittel.

Wer sollte das bekommen? Die Bergung im Jahr 2007 fand planmäßig statt - jedoch ohne die erwartete Begeisterung. Denn in das Plymouth-Grab war längst Wasser eingedrungen, das den Oldtimer trotz Folienverpackung und Korrosionsschutz komplett hatte verrosten lassen. Gut erhalten geblieben war lediglich eine Zeitkapsel, die sich im Inneren des Wagens befand und eine US-Flagge sowie Briefe von Stadtbediensteten enthielt. Dem Gewinner des Tippspiels blieb der traurige Anblick erspart, er war bereits 1979 gestorben.

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Der Rolls-Royce unter den Zeitkapseln: So nannte die "Chicago Tribune" Thornwell Jacobs' ambitioniertes Projekt im Keller der Oglethorpe University in Atlanta und hatte damit sicher nicht übertrieben. Ganze fünf Jahre lang arbeitete der Uni-Präsident an einer allumfassenden Bestandsaufnahme der Zivilisation, bevor er seine "Krypta" im Jahre 1940 versiegelte.

Was ist drin? Die unterirdische Kammer, ein ehemaliges Schwimmbad, ist vom Boden bis zur Decke vollgestopft mit...

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...Artefakten der westlichen Kultur der dreißiger Jahre. Zudem soll die Krypta das gesammelte Wissen der vergangenen 6000 Jahre enthalten, wozu Jacobs alle maßgeblichen Bücher per Mikrofilm erfassen ließ, darunter auch die Bibel, den Koran, die Ilias und Dantes Inferno. Hinterlegt wurden zudem Fotos und Zeichnungen diverser Erfindungen, Filme von historischen Ereignissen, technischen Prozessen und Freizeitaktivitäten, genauso wie Bild- und Tonaufnahmen bekannter Persönlichkeiten - zuzüglich Projektoren und Lesegeräten, um das Material zu sichten.

Wer soll's finden? "Nicht vor dem 28. Mai 8113 öffnen" steht an der großen Stahltür, mit der die Krypta 1940 verschlossen worden war und über die an der Oglethorpe University nun die International Time Capsule Society wacht. Ihre wohl wichtigste und zugleich schwierigste Aufgabe: Sie muss dafür sorgen, dass die Krypta bis zum Ablaufdatum nicht in Vergessenheit gerät.

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Aufbruch in die Zukunft: Die Weltausstellung 1939 in New York würde wegweisend sein für die zukünftige amerikanische Lebensart - davon war die Westinghouse Electric Corporation überzeugt. Auf der Messe wollte sie deshalb mit einem Projekt vertreten sein, von dem die Welt noch reden würde: eine metallisch glänzende raketenförmige Zeitkapsel, 18 Meter tief versenkt im Boden des Flushing-Meadows-Parks.

Was ist drin? Durch ein Periskop konnten die Messebesucher die ins Erdreich eingelassene Cupal-Kapsel betrachten, wohingegen eine Kopie des Inhalts zu ebener Erde ausgestellt worden war. Die "Zeitbombe", so der ursprüngliche Arbeitstitel, enthielt unter anderem...

Das Video von der Weltausstellung können Sie hier sehen. 

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...Gebrauchsgegenstände wie Wecker, Dosenöffner, Brille, Lampe, Nagelfeile, Besteck, Baseball, Zahnbürste, Damenhut, Schmink-Set und Elektrorasierer. Stoffe und Materialien wie Plastik, Zement, Asbest, Baumwolle und Flachs fanden in dem zwei Meter langen Zylinder ebenso Platz wie zeitgenössische Kunst, Literatur, wissenschaftliche Erkenntnisse und nachrichtliche Ereignisse auf Mikrofilm.

Wer soll's öffnen? 5000 Jahre soll die Kapsel im Boden ruhen, bevor sie geborgen werden darf. So hatten es die Initiatoren in einem umfassenden Vermächtnis verfügt, überschrieben mit dem Titel: "The book of record of the time capsule of cupaloy, deemed capable of resisting the effects of time for five thousand years, preserving an account of universal achievements, embedded in the grounds of the New York World's fair, 1939". Das Buch enthält neben einer Standortbeschreibung mittels Längen- und Breitengrad auch eine Anleitung zum Bau eines Metalldetektors, mit dem die Kapsel aufgespürt werden könnte. Verbunden mit der Bitte, es bei Bedarf in neue Sprachen zu übersetzen, hinterlegten die Zeitkapselbauer Kopien des Buchs in rund 3000 Tempeln, Klöstern und Bibliotheken weltweit.

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Bescheidene Fortsetzung: Nach der spektakulären Zeitkapsel-Zündung auf der New Yorker Weltausstellung 1939 warteten die Veranstalter im Jahr 1964 an gleicher Stelle mit einem weiteren Projekt dieser Art auf. Wieder wurde ein rund zwei Meter langer Metallzylinder im Flushing-Meadows-Park versenkt.

Was ist drin? Die Kapsel aus dem Jahr 1964 war der Versuch, sowohl den wissenschaftlich-technischen Fortschritt als auch die kulturellen Veränderungen, die seit 1939 stattgefunden hatten, zu dokumentieren. Die Sammlung enthielt nunmehr...

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...eine Polaroid-Kamera, ein Transistor-Radio, Kreditkarten, gefriergetrocknete Lebensmittel, Kontaktlinsen, einen Bikini und eine Beatles-Platte. Mikrofilme informieren über den Stand der Technik in der Raumfahrt sowie die Nutzung von Atomenergie in den sechziger Jahren. Hinterlegt wurden außerdem die Sounds der Zeit: Aufnahmen von Geräuschen und Stimmen der vergangenen 25 Jahre.

Wer soll's öffnen? Um die Menschen der Zukunft ob der verschiedenen Kapseln nicht vollends zu verwirren, wurde das an rund 3000 Orten weltweit hinterlegte "Book Of Record" um den Hinweis auf die 1964er Kapsel ergänzt.

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Der Schrein der Witwe: US-Präsident Gerald Ford fiel 1976 die wenig spektakuläre Aufgabe zu, einen alten Schrank zu öffnen, der irgendwann in den vergangenen hundert Jahren von irgendwem einmal unter dem Treppengewölbe des Capitols abgestellt worden war.

Was war drin? Zum Vorschein kam ein Buch mit den Namen von rund 800.000 Staatsbediensteten aus dem Jahr 1876, zudem ein Teeservice, eine Uhr, in Gold und Perlmut eingefasste Stifte, ein silbernes Tintenfass und ein weiteres in rotes Leder eingebundenes Buch mit Unterschriften und Fotos.

Wer sollte das öffnen? Der mit einem stählernen Tresor gesicherte Schrank war ein Geschenk der New Yorker Verleger-Witwe Charles F. Deihm an den Kongress der Vereinigten Staaten von Amerika. Anlässlich der Hundertjahrfeier zur Unabhängigkeitserklärung hatte sie Bilder und Unterschriften führender Persönlichkeiten des 19. Jahrhunderts gesammelt und dem Staat als Zeitkapsel vermacht.

Das Foto zeigt den Kongressabgeordneten Bob Casey.

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Das Geheimnis der Goldmine: Eine richtige Verwendung für die ererbte stillgelegte Tropico-Goldmine in Rosamond, Kalifornien, hatten Glen Settle und seine Frau nicht - da kam ihnen die Idee von der Zeitkapsel gerade recht.

Was ist drin? Augenzeugen verglichen das Projekt mit einem gewaltigen Trödelmarkt. Wohl nicht zu unrecht, denn...

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...der Schacht beherbergt unter anderem ein Yamaha Motorrad, das Modell eines XB-70-Bombers, Papptrinkbecher, Lampen, Fernseher, Radiowecker, eine Waschmaschine, Schaufensterpuppen, Geschirr, einen Toaster, eine Angelausrüstung, ein Gewehr, einen Vogelkäfig, Vitaminpillen, Blumensamen und vieles mehr. Glen Settle gab denn auch unumwunden gegenüber der Lokalpresse zu: "Alles, was wir loswerden wollten, räumten wir in die Zeitkapsel."

Wer soll's öffnen? Anlass für die skurrile Sammlung im Jahr 1966 war die Hundertjahrfeier von Kern County, und wenn alles gut läuft, müssen sich weder Glen Settle und seine Frau noch ihre Nachkommen Gedanken um das versiegelte Familienerbstück und den Trödelkram darin machen. Denn geöffnet werden soll der "Tropico Time Tunnel" erst zur Tausendjahrfeier von Kern County im Jahre 2866.

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Das Rätsel der Schriftrollen: Offenbar angeregt von der Hinterlassenschaft der New Yorker Verleger-Witwe Charles F. Deihm wollte US-Präsident Gerald Ford während der Feierlichkeiten zum 200. Jahrestag der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung seinerseits der Nachwelt eine Zeitkapsel überlassen.

Was ist drin? Vergraben werden sollten dazu die Unterschriften von mehreren Millionen US-Bürgern, die mit ihrer Signaturen auf historischen Schriftrollen ihr Bekenntnis zur amerikanischen Unabhängigkeit und den Prinzipien der Gründerväter bekräftigt hatten. Doch es kam...

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...ganz anders: Denn an ihrem Bestimmungsort in Valley Forge in Pennsylvania kamen die während einer monatelangen Planwagenparade im ganzen Land eingesammelten Schriftrollen nie an. Kurz vor dem Festakt am 4. Juli waren sie spurlos verschwunden.

Wer könnte sie finden? Gesucht wird nach den Schriftrollen nunmehr seit 35 Jahren. Medienberichten zufolge waren sie zuletzt gesehen worden, als man sie in Valley Forge in Kisten verpackte und auf einen Lastwagen lud. Von dort wurden sie wahrscheinlich gestohlen. Da es bislang keine Belege dafür gibt, dass sie vernichtet wurden, besteht Hoffnung, dass sie noch rechtzeitig zum 300-jährigen Staatsjubiläum wieder auftauchen und ihre Mission als Botschaft an die Nachwelt erfüllen.

Foto: AP
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Intergalaktische Flaschenpost: Zur Erforschung des äußeren Planetensystems brachte die Nasa im September 1977 ihr Raumsonde Voyager 1 an den Start. An Bord: eine Zeitkapsel mit außergewöhnlicher Mission.

Was ist drin? Zusammen mit ihrer Sonde schickte die US-Raumfahrtbehörde eine Art Schallplatte ins All. Darauf sind...

Foto: NASA
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...Grüße von Erdenbewohnern in 55 Sprachen, Musik aus verschiedenen Kulturen und Epochen sowie natürliche und künstliche Alltagsgeräusche etwa von Wind und Donner, Werkzeugen und Autos. Auf der aus Kupfer bestehenden und zum Schutz mit Gold überzogenen Datenplatte wurden zudem Fotos gespeichert. Eine identische Kopie der Platte reiste an Bord der Schwestersonde Voyager 2, die einen halben Monat zuvor auf eine andere Flugbahn gebracht worden war.

Wer soll's öffnen? Die Entwickler der Zeitkapsel gehen davon aus, dass eine außerirdische Zivilisation mit technischem Know-how in der Lage sein wird, die Daten zu dekodieren. Zu diesem Zweck befindet sich auf dem Cover eine Gebrauchsanweisung, die erklären soll, wie die Aufzeichnungen abgespielt werden können. Hinsichtlich des Auffindens der Zeitkapsel durch eine fremde Spezies rechnen die Forscher allerdings in Zeiträumen von mehreren Tausend Jahren. Die Lebensdauer der Datenplatte veranschlagten sie dementsprechend: Sie soll angeblich rund 500 Millionen Jahren überstehen.

Foto: AFP
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Das Riesen-Helium: Diese imposante Edelstahlkonstruktion in Amarillo, Texas, wurde anlässlich des 100. Jahrestages der Entdeckung des chemischen Elements Helium errichtet. Die rund zwölf Meter hohe Nachbildung des Atoms symbolisiert die Stadt als größte amerikanische Lagerstätte des Edelgases und enthält vier Zeitkapseln, die an das Leben im Jahr 1968 erinnern sollen.

Was ist drin? Neben Büchern und Dokumenten befindet sich in einer der Kapseln ein mit vier Prozent verzinstes Sparbuch mit einem Zehn-Dollar-Guthaben bei der Oklahoma City Bank.

Wer soll's finden? Nach dem Willen der Erbauer - eine Initiative der Helium-Industrie - sollen die Kapseln nach 25, 50, 100 beziehungsweise 1000 Jahren geöffnet werden. Das Bank-Guthaben würde derjenige bekommen, der die letzte Kapsel öffnet: im Jahre 2968, wenn die Summe - vorausgesetzt Bank und Währung existieren dann noch - auf über eine Milliarde angewachsen sein dürfte.

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Das Geisterhaus: Mit dem Entwurf der Verpackung seiner Zeitkapsel hielt sich der französische Multimillionär Louis Mantin nicht lange auf. Den Job übertrug er seinem Architekten René Moreau. Das Ergebnis: Eine repräsentative schlossartige Villa in Moulins, die nach dem Tod Mantins im Jahre 1905 versiegelt wurde.

Was ist drin? Der Franzose hatte in seinem Testament verfügt, dass das Haus für genau 100 Jahre unberührt bleiben sollte - mit allem, was sich zum Zeitpunkt seines Ablebens darin befand. Und das war eine Menge, denn...

Foto: Jérôme Mondière
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...Mantin war ein exzentrischer Sammler - etwa von ausgestopften Vögeln, steinzeitlichen Öllampen und mittelalterlichen Vorhängeschlössern.

Wer sollte die Villa öffnen? Für den Zeitpunkt, da die 100 Jahre vergangen wären, hatte Mantin die Stadt damit beauftragt, aus seiner Villa ein Museum zu machen, das für jedermann einen authentischen Eindruck vom Leben zu Beginn des 20. Jahrhunderts vermitteln würde. Die Stadt allerdings benötigte noch bis Ende 2010, um dem letzten Willen seines Bürgers und Museumsstifters nachzukommen, der verlangt hatte, das Anwesen zuvor samt Inhalt zu restaurieren.

Foto: Jérôme Mondière
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Kapsel digital: 2006 hatte das Internetunternehmen Yahoo seine Nutzer aufgefordert, zukünftigen Generationen ein digitales Vermächtnis zu hinterlassen.

Was ist drin? 30 Tage lang sammelte das Unternehmen Fotos, Kommentare, Videos und Audioaufnahmen seiner User. Firmenangaben zufolge kamen dabei mehr als 70.000 Dateien aus aller Welt zusammen. Das Datenpaket sollte der Smithsonian Institution in Washington übergeben werden. Eine Kopie dessen wollte Yahoo an einem geheim gehaltenen Ort vergraben.

Wer soll's finden? Ausgegraben werden sollen die Aufnahmen zum nächsten Firmenjubiläum - doch damit nicht genug, denn die Yahoo-Botschaft richtete sich keineswegs nur an Erdlinge: Per Laser wurde der Inhalt Ende Oktober 2006 auch ins All gesendet.

Foto: AP
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?