Pelziger Mitbewohner Christian der Löwe
Löwengedeck: Im November 1969 entdeckten die zwei Australier John Rendall und Anthony Bourke einen Löwenwelpen in der Tierabteilung des legendären Londoner Kaufhauses Harrods. Sie verliebten sich sofort in das Tier, kauften es für 275 britische Pfund, tauften es Christian - und zogen es mitten in London groß. Der Versuch gelang, war aber eine Gratwanderung, denn die beiden Erzieher wollten die Raubkatze nicht domestizieren, durften ihr aber auch nicht das Gefühl vermitteln, ihr körperlich unterlegen zu sein.
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Sie tragen Pelz: Anthony Bourke, links, und John Rendall spazieren mit Christian 1970 auf der mondänen King's Road im Londoner Stadtteil Chelsea.
Medienstar: Ein Löwe, der inmitten des noblen Londoner Stadtteils Chelsea aufwächst? Das ließ auch die nüchternsten Briten nicht kalt, und so wurde Christian schon in jungen Jahren eine kleine Berühmtheit. Er "modelte" beim Foto-Shooting für das Magazin "Vanity Fair", posierte für eine britische Airline oder trat in einer BBC-Radioshow auf. Sein Leben und seine spätere Auswilderung nach Afrika wurde in einer Filmdokumentation festgehalten. Vor wenigen Jahren wurde Christian sogar zu einem Internet-Sternchen, als alte Videoaufnahmen von ihm auftauchten - und bei YouTube millionenfach angeklickt wurden.
Löwe in der Pubertät: Christian wuchs rasant und nahm binnen zweier Monate von 15 auf 38 Kilogramm zu. Mit etwa zehn Monaten fing seine Mähne an zu wachsen und langsam wurde er auch zu groß für ein Leben in einem Haus - und wohl auch zu gefährlich. Nach acht Monaten wurde er schließlich im August 1970 von England nach Kenia geflogen, wo er auf seine Auswilderung vorbereitet werden sollte.
Familienfoto: Anthony Bourke und John Rendall schmusen mit Christian auf der Treppe im Haus des Kiefermöbelgeschäfts "Sophistocat" - der Lieblingsplatz des Londoner Stadtlöwen.
Lebendiges Ausstellungsstück: Löwenwelpe Christian schlief im Keller des Londoner Antikmöbelladens "Sophistocat" und wurde jeden Morgen von seinen beiden Betreuern geweckt. Tagsüber konnte er nach oben in die Geschäftsräume - und durfte mitunter sogar auf den teuren Kiefernmöbeln herumtollen. Einige Kunden erschraken bei seinem Anblick; doch viele kamen auch nur in das Geschäft, um einmal einen zahmen Löwen hautnah zu erleben.
Zahme Raubkatze: Christian habe eine "wundervoll ruhige Natur" und einen "großartigen Sinn für Humor", schwärmt John Rendall über sein Löwenbaby, das er und sein Freund "Ace" Bourke im Dezember 1969 mit nach Hause nahmen. Der Welpe zeigte sich von Anfang sehr zutraulich, "ein echter großer Teddybär", erinnert sich Rendall.
Löwenspielplatz: In dem 3000 Quadratmeter großen Garten einer Kirchengemeinde in Chelsea konnte sich der heranwachsende Löwe austoben - hier beim Fußballspielen mit John Rendall. "Sobald Christian beim Spielen zu wild wurde, hörten wir sofort auf", erklärt der Ziehvater.
Gieriger Essenspartner: Christian beim Lunch mit dem Model Emma Breeze in einem Restaurant an der King's Road. Normalerweise bekam der Löwe rohes Fleisch, Knochenmehl, Eier und manchmal einen ungehäuteten Hasen zu futtern.
Into the Wild: Der britische Naturforscher und Wildhüter George Adamson, der bereits einmal eine Löwin erfolgreich ausgewildert hatte, kümmerte sich auch um Christian, als dieser für das Londoner Stadtleben zu groß geworden war. Im August 1970 wird Christian nach Kenia geflogen und zu Adamson nach Kora, 450 Kilometer nordöstlich von Nairobi, gebracht. Dort wird er auf ein Leben in der Wildnis vorbereitet.
Der Film "Frei geboren - Die Königin der Wildnis" (englischer Titel: "Born free") von 1966 erzählt die wahre Geschichte der Löwin Elsa, die als Welpe von dem Wildpfleger- und Naturforscher-Ehepaar George und Joy Adamson großgezogen wird. Gespielt werden die beiden Naturschützer von Bill Travers und Virginia McKenna, hier in einer Strandszene. Elsa wird...
...erfolgreich in Kenia ausgewildert - hier mit ihrem dreifachen Nachwuchs - und auch der Kinofilm wurde zu einem großen Erfolg.