Spielzeug-Havarie - DER SPIEGEL
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Müll im Meer Treibgut und Turnschuhe

Badeentchen über Bord: 1992 stürzte im Nordpazifik ein Container mit 28.800 Plastikspielzeugen in den Pazifik. Seitdem treibt diese Schwimmtierflotte über die Weltmeere, liefert Forschern wertvolle Daten - und fährt Karussell im größten Müllstrudel der Welt.
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Forschung mit Plastikspielzeug: Neben gelben Badeenten landeten auch rote Biber, grüne Frösche und blaue Schildkröten im Pazifik. Der US-Ozeanograf Curtis Ebbesmeyer behielt das bunte Plastikgetier im Auge, protokollierte seine Odyssee auf den Weltmeeren. Er versuchte mithilfe der Daten, mehr über die großen Oberflächenströmungen zu erfahren - und möglichst exakte Vorhersagen über die nun zwei Jahrzehnte währende Reise der Plastiktiere zu treffen.

Foto: Dave Ingraham
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Landung in der Ishikawa-Präfektur: Rund 300 in China hergestellte Fernsehgeräte wurden am Strand der japanischen Stadt Shiomachi, nordwestlich von Tokio, angespült. Das örtliche Maritime Safety Office vermutete, dass die Crew eines Containerschiffes, das in dem Karibikstaat St. Vincent und die Grenadinen registriert ist, die Apparate über Bord geworfen hatte, um die Gebühren für Müllbeseitigung im Hafen zu sparen.

Foto: AP
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Bananen-Republik: Tausende Stauden unreifer Bananen waren im November 2007 an den Strand der holländischen Insel Terschelling gespült worden. Auf dem Weg nach Hamburg geriet der Frachter "Duncan Island" in einen schweren Sturm - acht mit den Südfrüchten gefüllte Container wurden in die Fluten gerissen.

Foto: AP
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WCs mit Meeresspülung: In der Nacht zum 2. April 1980 war die "Jolanda" mit einer Ladung Container, die unter anderem Sanitärkeramik und Whisky enthielten, auf das Shark Reef im Roten Meer aufgelaufen. Das Wrack des Schiffes, das rund hundert Meter tiefer liegt, sowie die Unterwasser-Müllhalde sind beliebte Spots für Taucher.

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Friedhof der Sportschuhe: Am 10. Februar 2006 wurden am Strand bei Oosterend auf der niederländischen Insel Terschelling Tausende Tennisschuhe angespült. Auch Barbiepuppen, Aluminiumkoffer, Regenmäntel und Fleischstücke kamen an Land. Die Waren stammten von dem Frachtschiff "Mondriaan", das bei stürmischen Wetter 58 Container verloren hatte.

Foto: AP
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Viel Holz! 2009 verlor das russische Containerschiff "Sinegorsk" im Ärmelkanal 1500 Tonnen des Baustoffs. Die Bretterladung des Frachters war bei schwerem Seegang etwa 23 Kilometer vor der südostenglischen Küste in East Sussex über Bord gegangen und unter anderem in Ramsgate (Bild) angespült worden.

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Grenzenloses Müllbecken: Nach Angaben des United Nations Environment Programme (Unep) landen jährlich rund 6,4 Millionen Tonnen Abfall in den Ozeanen, und pro Quadratkilometer sind mitunter bis zu 18.000 Plastikpartikel nachweisbar.

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Sammlerglück: Im 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts wurden Schwimmbojen noch aus Glas hergestellt. Besonders in der Fischerei-Nation Japan hatte die Produktion eine große Tradition, bis auch hier Glas nach und nach durch Kunststoff ersetzt wurde. Bis heute werden jedoch immer noch etliche der längst ausgedienten Glasbojen angeschwemmt (wie hier auf Hawaii). Besonders die alten Kugeln aus Japan sind begehrte Sammlerobjekte.

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Einzelgänger: 1990 verlor der Frachter "Hansa Carrier" rund tausend Seemeilen südlich von Alaska 61.820 Nike-Turnschuhe. Monatelang schwammen die Marken-Sneaker übers Meer, Hunderte landeten an der Pazifikküste der USA.

Die Reise dieses Exemplars endete jedoch erst in der Nähe der Antarktis im Südatlantik auf einer Insel, die zu Südgeorgien und den Südlichen Sandwichinseln gehört. Einige Modelle trieben gar bis nach Japan.

2002 kam es zu einer zweiten Nike-Schwemme, als 33.000 Schuhe über Bord gingen. Solche Unfälle dienen Meeresforschern wie Curtis Ebbesmeyer als Experimentierfeld für die Berechnung der Oberflächenströmungen der Meere.

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Abgedreht: Der Hurrikan "Earl" spülte in der Nacht zum 3. September 2010 Reifen an den Strand von Atlantic Beach im US-Bundesstaat North Carolina. Die ausrangierten Pneus waren einst auf dem Meeresboden versenkt worden und sollten als künstliche Riffe Fischen und anderen Meeresbewohnern neuen Lebensraum geben. Bei dem schweren Sturm hatten sich die Gummiräder aus ihren Halterungen gelöst.

Foto: AP
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Jäger des Treibguts: Der US-Meeresforscher Curtis Ebbesmeyer mit einem Nike-Turnschuh, einem Markierungspfahl und einem Gummiball - Gegenstände, die er am Strand gefunden hat.

Als ein Frachter 1990 Zehntausende Nike-Schuhe verlor, kam der inzwischen pensionierte Ozeanograf auf eine ungewöhnliche Idee: Warum sollte er das Unglück nicht als Einladung für ein, wie er sagt, "riesiges wissenschaftliches Experiment" nutzen? Nachdem die ersten Schuhe angeschwemmt worden waren und Ebbesmeyer den Ort und den Zeitpunkt der Havarie recherchiert hatte, rekonstruierte er mit einem speziellen Computerprogramm die Route der Sneakers - und machte Vorhersagen für den weiteren Weg der Schuh-Flotille. Seitdem hat der Amerikaner seine Methode an etlichen anderen Treibgütern getestet und ein Buch zu dem Thema verfasst.

Foto: AP
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Havarie: Jedes Jahr verlieren Frachter bei stürmischer See rund 10.000 Container. Viele von ihnen öffnen sich und geben mitunter große Mengen an ungewöhnlichem Treibgut frei - Eishockeyhandschuhe, Zahnbürsten, Badeentchen, Golfbälle, Bierdosen oder Lego-Figürchen.

Der panamaische Frachter "MSC Chitra" (Bild), der im August 2010 vor dem Hafen von Mumbai mit einem anderen Schiff kollidiert war, verlor rund 300 Container.

Foto: AP
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Auf der Pirsch: Strandgutsammler gibt es schon seit Mitte des 19. Jahrhunderts - damals waren es jedoch meist Seeleute in Übersee, die den Müll aus dem Meer recycelten. Diese recht fein gekleideten Männer aus Brighton gingen auf die Suche nach wertvollen Gegenständen, die 1936 ans Land gespült worden waren.

Der US-Meersforscher Curtis Ebbesmeyer verfügt über ein weltweites Netzwerk an Strandsuchern, die ihm ungewöhnliche Funde melden. Anschließend versucht der Amerikaner mit einem speziellen Computerprogramm, die Route des Treibguts zu rekonstruieren - und vorherzusagen, wann und wo weiteres Treibgut zu erwarten ist.

Foto: Getty Images
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Strandjäger: Im Winter 2007 kamen Besucher scharenweise im beschaulichen Branscombe, einem 500-Seelen-Ort an der englischen Küste, angereist. Der Grund: Die Ladung des havarierten Frachters "MSC Napoli" wurde dort angespült. Windeln aus Arabien, Schuhe aus Zypern, Parfum und Wein aus Frankreich sowie leere französische Barriquefässer lagen am Strand verstreut - Einheimische und Touristen bedienten sich gleichermaßen an der kostenlosen Ware.

Insgesamt hatte die "MSC Napoli" 2394 Container geladen, mindestens 200 gingen verloren. Nach britischem Gesetz gehört Strandgut dem Finder.

Foto: REUTERS
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Liegenlassen! In Deutschland hingegen ist es verboten, Strandgüter, die von havarierten Schiffen stammen, mitzunehmen. Bei Nichtbeachtung drohen Geldstrafen - und sogar Gefängnis.

Plastikteller aus der Ladung eines über Bord gegangenen Containers Januar 2007 am Strand vor Büsum.

Foto: dapd
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Entsorgt: 2004 nahm die Umweltorganisation Beachwatch 250 Strände in Großbritannien unter die Lupe und versuchte, die Quellen des Meeresmülls ausfindig zu machen. Das Ergebnis: Der meiste Unrat an den Küsten stammt von Strandbesuchern. Nur 2,3 Prozent des Abfalls ist dagegen auf Havarien von Containerschiffen zurückzuführen. Diese alte Autobatterie strandete 2005 im schottischen Prestwick.

Foto: Getty Images
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See-Pferdchen: Ein Freiwilliger der Umweltschutzorganisation "Save Our Beach" hilft mit, den Strand der kalifornischen Stadt Seal Beach von Schrott zu befreien. Ein heftiger Sturm hatte vor zwei Jahren Unmengen an Unrat an die Küste gespült. Woher das illustre Plastik-Pferd stammt, ist nicht bekannt.

Foto: AP
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Verhedderungsgefahr: Berge von ausgedienten Fischernetzen und -seilen sowie Korbreusen sammelten Umweltschützer 2008 im Rahmen einer Strandsäuberungsaktion auf St. Paul Island, Alaska, zusammen. In dem Fischerei-Müll können sich Robben und Seebären verfangen und so leidvoll verenden.

Foto: AP
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Angespült: Bunte Bojen und Glasflaschen am Strand von Laysan, einem kleinen, unbewohnten Eiland, das zu den Nordwestlichen Hawaii-Inseln gehört. Zwischen den US-Bundesstaaten Hawaii und Kalifornien hat sich in den vergangenen Jahrzehnten knapp unter der Meeresoberfläche ein gigantischer Müllstrudel entwickelt. Da sich der Abfallwirbel in internationalem Seegebiet befindet, fühlt sich keine Regierung zuständig, das Wasser zu reinigen.

Foto: AP
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Gefährliche Fundstücke: Feuerzeuge, Lockenwickler, Wäscheklammern, Spielzeugfiguren - allerlei Plastikmüll hat diese Albatross-Mutter am Strand und im Meer für ihr Nest auf Leeward Islands, Hawaii, zusammengesucht. Viele Seevögel verwechseln die Kunststoffteilchen mit Nahrung und geben sie ihrem Nachwuchs zu füttern.

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Verschmutzt: Achtlos weggeworfener Müll, hier am Strand von Ibiza, kann Tieren den Tod bringen. Mehr als eine Million Seevögel sterben jährlich, nachdem sie Abfall gefressen haben. Entweder erstickten sie an dem Plastikfraß oder verhungerten, weil ihre Mägen verstopft waren.

Foto: Getty Images
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Vogelsterben: Fressen Seevögel die im Meer schwimmenden und am Strand liegenden Plastikteile, können die Kunststoffpartikel ihren Verdauungstrakt verstopfen - und die Vögel verenden qualvoll. Dieses Albatross-Küken war an dem Plastikmüll, mit dem ihn seine Eltern gefüttert hatten, gestorben.

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Ausuferndes Problem: Dieser Strand in der philippinischen Hauptstadt Manila gleicht einer Müllhalde. Das Foto entstand im September 2008, als rund 400.000 Freiwillige zu einem internationalen "Beach Clean-up" zusammengekommen waren, um Küstenabschnitte und Riffe von Abfall zu befreien.

Foto: AP
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Gestrandet: Am 5. Oktober 2011 lief das Containerschiff "Rena" nur 22 Kilometer vor Tauranga auf ein Riff. 360 Tonnen Schweröl liefen ins Meer, Zigtausende Vögel und Fische verendeten - es war die folgenschwerste Umweltkatastrophe in der Geschichte Neuseelands. Der liberianische Frachter hatte Holz, Milchpulver, Fleisch und Fisch geladen. Dieser von Bord gerutschte Container und sein Inhalt, Fleischpasteten, landeten am 13. Oktober am Strand von Tauranga.

Foto: Getty Images
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Enten auf hoher See: 28.800 quietschgelbe Badeenten und andere Plastikspielzeuge plumpsten 1992 in den Nordpazifik, nachdem am 10. Januar das chinesische Frachtschiff "Tokio Express" während eines schweren Sturms einige Container verloren hatte. Noch heute treiben die über Bord gegangenen Plastiktierchen über die Ozeane - und werden hie und da an Land gespült.

Das Bild zeigt die "Teilnehmer", gelbe und rote Gummientchen, des "Charity Duck Race" 2002 auf dem Fluss in Kuala Lumpur.

Foto: AP
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