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Spionage Verrat mit Todesfolge

Bloß ein seltsamer Zufall - oder mehr? Vor seinem tödlichen Schuss auf den Studenten Benno Ohnesorg hatte der Polizist und Stasi-Agent Karl-Heinz Kurras einen Überläufer verraten, der später in bulgarischer Haft starb. Sein Name: Bernd Ohnesorge. Von Sven Röbel, Michael Sontheimer und Peter Wensierski
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Herzensbrecher: Bernd Ohnesorge hatte mit 22 Jahren wegen familärer Probleme versucht, von der Bundesrepublik in die DDR überzuwechseln. Die Stasi warb ihn bei dieser Gelegenheit als IM "Urban" an; Ohnesorge sollte Material "über die Grenzsicherung von Westberliner Seite" liefern und mutmaßliche Schleuser ausspionieren. Bald offenbarte Ohnesorge sich jedoch westlichen Geheimdiensten und zog sich als "Verräter" den Zorn der Stasi zu.

Foto: Stefan Appelius
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Jugendfoto: Das Bild zeigt Bernd Ohnesorge als jungen Mann. Ohnesorge hatte für das Ministerium für Staatssicherheit spioniert, dies aber im Januar 1967 dem britischen Geheimdienst gestanden. 1984 wurde er in Bulgarien als Spion der CIA verhaftet und in einem geheimen Militärprozess zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt. Dre Jahre später soll er sich in einem bulgarischen Gefängnis selbst verbrannt haben.

Foto: Stefan Appelius/Archiv Stefan Appelius
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Kriminalobermeister Karl-Heinz Kurras: Von Fotografen umringt zeigt sich der Polizist im November 1967 vor Prozessbeginn im Landgericht Berlin. Er hatte während der Proteste gegen den Schah-Besuch in Berlin im Juni 1967 den Studenten Benno Ohnesorg erschossen. Kurras stand da bereits seit 1955 in den Diensten des DDR-Ministeriums für Staatssicherheit und trägt möglicherweise auch eine Mitverantwortung für den Tod des "desertierten MfS-Angehörigen" Bernd Ohnesorge, der 1987 unter ungeklärten Umständen in einem bulgarischen Gefängnis starb.

Foto: dpa
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Reisepass von Bernd Ohnesorge: Mit diesem Pass reiste Bernd Ohnesorge am 6. April 1984 von Berlin-Schönefeld in die damalige Volksrepublik Bulgarien - mittlerweile als CIA-Agent. Im August 1984 offenbarte er sich allerdings dem bulgarischen Geheimdienst und wurde zu 15 Jahren Zuchthaus in der bulgarischen Haftanstalt Stara Zagora verurteilt, wo er im Dezember 1987 unter mysteriösen Umständen starb.

Foto: Stefan Appelius/Archiv Stefan Appelius
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Verhandlung gegen Kurras: Der Berliner Polizist Karl-Heinz Kurras - hier während seiner Verhandlung wegen des tödlichen Schusses auf Benno Ohnesorg am 3. November 1967 im Gerichtssaal - lieferte dem MfS belastende Informationen über den Agenten Bernd Ohnesorge, die ihm offenbar Jahre später zum Verhängnis wurden. Auch Ohnesorgs Schwester wurde von der Stasi verhaftet.

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Kurras' Personenbeschreibung: "Forsche Erscheinung, bestimmtes Auftreten, etwas eckiger Gang", bescheinigt das MfS seinem Agenten, dem West-Berliner Polizisten Karl-Heinz Kurras, in dieser "Personenbeschreibung".

Foto: BStU
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Kurras vor Gericht: Am 3. November 1967 wurde vor der 14. Großen Strafkammer des Berliner Landgerichts gegen den Polizisten Karl-Heinz Kurras verhandelt. Der Prozess endete mit einem Freispruch für den Angeklagten. Seine MfS-Tätigkeit wurde erst 2009 durch einen Zufall bekannt.

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?