Spionage Mit List und Lippenstift
Im Namen der Südstaaten: Die Kaufmanns- und Farmerstochter Isabella - genannt Belle Boyd - wurde noch als Teenagerin zur Spionin im amerikanischen Bürgerkrieg. Für die Südstaaten schmuggelte die junge Frau aus Virginia Nachrichten, Waffen oder Munition. Nach dem Krieg versuchte sie sich als Schauspielerin, veröffentlichte ihre Memoiren und starb mit nur 56 Jahren an einem Herzinfarkt. Bild von 1862.
Inbegriff der Agentin: Sie ist die wohl berühmteste Spionin der Geschichte. Die Holländerin Margaretha Zelle, besser bekannt als Mata Hari (Foto etwa von 1905), becircte Anfang des 20. Jahrhunderts halb Europa als Nackttänzerin. Als ihr Erfolg abebbte, begann sie im Ersten Weltkrieg für die Deutschen, später für Frankreich zu spionieren, lieferte aber kaum nützliche Informationen. 1917 wurde sie von einem französischen Kriegsgericht zum Tode verurteilt und hingerichtet.
Hüllenlos: Bei ihren berühmt-berüchtigten Auftritten entledigte sich Mata Hari (Foto von 1906) fast all ihrer Kleider. Passend zu ihren exotischen Tänzen verbreitete sie zeitweilig die Geschichte, sie stamme von einer indischen Tempeltänzerin ab.
Der Mythos im Film: Die Geschichte von Mata Hari inspirierte auch Filmemacher - obwohl sie als Spionin wenig erfolgreich war. 1984 spielte Sylvia Kristel die Tänzerin und Spionin in "Mata Hari". Vor ihr hatte bereits Greta Garbo die Agentin verkörpert.
Kalter Krieg: Die Amerikanerin Ethel Rosenberg und ihr Mann Julius wurden im Sommer 1950 wegen des Verdachts der Atomspionage verhaftet. Sie wurden beschuldigt, der Sowjetunion geheime Informationen geliefert zu haben, mit deren Hilfe das kommunistische Land eine eigene Bombe hatte bauen können. Deren Zündung 1949 hatte die Welt in Schock versetzt. Das Bild zeigt Ethel Rosenberg am 18. Juli 1950 beim Abwasch in ihrem New Yorker Apartment.
"Schlimmer als Mord": 1951 wurde das Ehepaar Rosenberg zum Tode verurteilt. Der Richter hielt ihr Vergehen für schlimmer als Mord, denn sie hätten den Verlauf der Geschichte zum Nachteil Amerikas verändert. 1953 wurden die Rosenbergs auf dem elektrischen Stuhl hingerichtet. In den Neunzigern behauptete der russische Ex-Agent Alexander Feklisov gegenüber der "Washington Post", Ethel Rosenberg sei gar keine Spionin gewesen und grundlos gestorben. Tatsächlich war es wohl ihr Mann, der Informationen, wenn auch nur von geringem Wert, lieferte. Das Foto zeigt Ethel Rosenberg und ihren Mann Julius auf dem Weg ins Gefängnis am 29. März 1951.
Sonjas Rapport: Die Deutsche Ursula Kuczynski wurde 1926 Mitglied der KPD und begann 1930 in China für die Sowjetunion zu spionieren. Später wurde "Sonja", so ihr Deckname, auch in England, Polen und der Schweiz tätig. 1950 ging sie mit ihrem Mann und ihren drei Kindern in die DDR, wo sie sich später als Ruth Werner der Schriftstellerei widmete. Ihre Autobiografie "Sonjas Rapport" wurde in den Siebzigern ein Bestseller im ostdeutschen Staat.
Ruth Werner: Das Archivbild vom 5. November 1982 zeigt die Ex-Spionin und Schriftstellerin, die 1990 von Gregor Gysi in den Ältestenrat der PDS berufen wurde. Zehn Jahre später starb sie im Alter von 93 Jahren.
Christine Granville: Die Polin adeliger Abstammung arbeitete im Zweiten Weltkrieg als Spionin für die Briten und unterstützte den Widerstand gegen Hitler. Die Furchtlosigkeit der hübschen jungen Frau ist legendär: Als Christine Granville eines Tages in den Alpen deutschen Soldaten gegenüberstand, soll sie mit scharfen Handgranaten gedroht haben, woraufhin die Deutschen sie ziehen ließen. Die weibliche Hauptfigur im James-Bond-Film "Casino Royale", Vesper Lynd, soll nach Christines Vorbild entstanden sein. Das Foto stammt aus den fünfziger Jahren.
Edith Cavell: Die englische Krankenschwester Edith Cavell half während des Ersten Weltkriegs britischen und belgischen Soldaten, das von den Deutschen besetzte Belgien zu verlassen. 1915 wurde sie enttarnt. Im anschließenden Prozess konnte ihr zwar keine Spionage nachgewiesen werden, wegen Hochverrats wurde sie trotzdem zum Tode verurteilt. Im Oktober 1915 starb sie durch ein deutsches Erschießungskommando. Die Hinrichtung löste eine Welle der Entrüstung aus. In Großbritannien gilt die Spionin als Nationalheldin. Das Foto zeigt Cavell 1903 vor dem Shoreditch Krankenhaus mit einem Kind.
Elizabeth T. Bentley: In den dreißiger und vierziger Jahren spionierte die Amerikanerin, die selbst Mitglied der kommunistischen Partei der USA war, für die Sowjetunion. Später offenbarte sie sich dem FBI und nannte die Namen weiterer Agenten. Das Bild zeigt Bentley 1948 bei der Aussage vor dem sogenannten Ausschuss für unamerikanische Umtriebe.
Schreibtischtäterin: Die US-Amerikanerin Elizebeth Friedman (undatierte Aufnahme) arbeitete ab dem Ersten Weltkrieg als Kryptoanalytikerin, erstellte und knackte Geheimcodes. Ihre Kenntnisse waren nicht nur militärisch, sondern auch wirtschaftlich bedeutsam. Während der Zeit der Prohibition entschlüsselte die studierte Literaturwissenschaftlerin die geheimen Funksprüche von Schiffen, die Alkohol schmuggelten.
Johanna Brandt: Während des Burenkrieges in Südafrika (1899-1902) kämpfte die Burin Johanna Brandt gegen die Briten. Sie ließ der niederländischen Exilregierung in Holland Nachrichten zukommen, die sie in Walnüssen versteckte oder in Taschenfutter einnähte. Auf ihrer Farm verbarg sie burische Widerstandskämpfer. Später bekam die Pfarrersfrau sieben Kinder. Das Foto stammt aus einem Buch, das 1913 veröffentlicht wurde.
Louise de Bettignies: Die Französin Louise de Bettignies (undatierte Aufnahme) erhielt im Ersten Weltkrieg den Decknamen Alice Dubois und baute für die Briten ein Spionagenetzwerk im besetzten Frankreich auf, um Informationen über die Deutschen zu sammeln. Sie schaffte es, wichtige Daten, zum Beispiel zu Munitionslagern, zusammenzutragen, wurde aber schließlich gefasst. Im September 1918, nur knappe sechs Wochen vor dem Waffenstillstand, starb die körperlich geschwächte Louise nach einer Operation im Gefängnis.
Die "Katze": Im Zweiten Weltkrieg half die nur 1,52 Meter große Mathilde-Lily Carré einem polnischen Offizier mit dem Aufbau eines Agentenrings, der gegen die Deutschen Besatzer spionieren sollte. Als die Tätigkeit aufflog, kooperierte die Spionin, genannt die "Katze", um ihre Haut zu retten, mit den Nazis. Mit Hilfe eines britischen Agenten floh sie jedoch noch während des Krieges nach England und lieferte Informationen über die Aktivitäten der deutschen Besatzer. Trotzdem wurde sie von den Franzosen als Verräterin angeklagt und zum Tode verurteilt. Die Strafe wurde schließlich zu lebenslanger Haft umgewandelt. Das Foto zeigt Carré bei ihrem Prozess in Paris am 4. Januar 1949.
Melita Norwood: 1999 wurde die 87-jährige Britin als ehemalige Spionin der Sowjetunion enttarnt. Jahrzehntelang hatte sie als Sekretärin einer Forschungsgemeinschaft, die ab Mitte der vierziger Jahre am Programm zur Entwicklung einer Atombombe beteiligt war, Kopien und Fotos gemacht und nach Moskau übermittelt. Später spielte sie die Tätigkeit herunter: Die Spionage sei kein bedeutender Teil ihres Lebens gewesen, mit der Wäsche, dem Einkauf und dem Kind habe sie ganz andere Sorgen gehabt.
Virginia Hall: Die Amerikanerin, die unter anderem an der Sorbonne in Paris studiert hatte, koordinierte und unterstützte im Auftrag Großbritanniens und den USA den Widerstand gegen die Nazis, vor allem in Frankreich. Dafür erhielt sie am 27. November 1945 unter anderem das "Distinguished Service Cross", den zweithöchsten Orden der Vereinigten Staaten. 1948 wurde Virginia Hall eine der ersten CIA-Agentinnen.
Yoshiko Kawashima: Die wohl berühmteste Spionin der Japaner, Yoshiko Kawashima (undatierte Aufnahme), hatte aufgrund ihrer Zugehörigkeit zur chinesischen Königsfamilie Zugang zum letzten Kaiser von China, Pu Yi. In den dreißiger Jahren sollte der Monarch zum Kaiser der Provinz Mandschukuo und damit zur Marionette der Japaner gemacht werden. Der aber weigerte sich zunächst. Doch die exzentrische Yoshiko, die Frauen wie Männer liebte und sich gern androgyn gab, war listig. Sie legte heimlich giftige Schlangen ins royale Bett und Bomben in einen Früchtekorb, um Pu Yi davon zu überzeugen, er sei in Gefahr. 1934 gab er schließlich nach und wurde Kaiser von Mandschukuo.