Geheimdienste im Kalten Krieg Paranoia und Atomwaffen
Der Spion, der den Kalten Krieg brachte: Am 5. September 1945 lief Igor Gusenko (links), der als Chiffrierexperte für die sowjetische Botschaft in Kanada arbeitete, zum Westen über - mit 109 gestohlenen Geheimdokumenten, die den USA erstmals offenbarten, dass sie von zahlreichen sowjetischen "Schläfer"-Agenten infiltriert worden seien. Mit Hilfe dieser Agenten wollte Stalin unter anderem versuchen, das Atomwaffenmonopol der USA zu brechen. Gusenkos brisante Enthüllungen gelten als einer der Initialfunken des Kalten Krieges. Den Überläufer selbst machten sie für den Rest seiner Tage zum Verfolgten: Jährlich musste er Wohnort und Identität wechseln, Interviews gab er - wie hier am 29. April 1954 mit dem Journalisten Saul Pett - nur noch mit einer Kapuze vermummt.
Alan Nunn May: Entweder war er Idealist - oder der wohl am schlechtesten bezahlte Spion der Welt. Atomphysiker Allan Nunn May (undatiertes Foto) arbeitete seit 1943 im kanadischen Ottawa für das US-Nuklearwaffenprogramm. Der überzeugte Kommunist lieferte der UdSSR unter dem Codenamen "Alek" Informationen über die Hiroshima-Bombe und sogar eine kleine Menge des Urans U-235. 1946 wurde er durch den Überläufer Igor Gusenko enttarnt und dann zu zehn Jahren Haft verurteilt. Er sei überzeugt gewesen, sagte May, dass kein Land ein Monopol auf Massenvernichtungswaffen haben dürfe - und nahm damit die Logik der gegenseitigen Abschreckung vorweg. Um Geld sei es ihm nie gegangen, behauptete der Wissenschaftler. Er habe 200 Dollar bekommen - und die sofort verbrannt.
Geheimwaffe Regenschirm: Am 7. September 1978 wartete der bulgarische Regimekritiker Georgij Markow in London auf seinen Bus, als er plötzlich einen Stich im Bein verspürte. Er sah einen Mann mit Regenschirm davoneilen. Kurz danach bekam er hohes Fieber, vier Tage später war er tot. Erst bei der Obduktion entdeckten Ärzte eine winzige Kapsel, die das Gift Rizin verströmte. Heute weiß man, dass die Kapsel durch einen speziellen Gasdruck-Mechanismus an der Spitze des Schirms in die Haut des Dissidenten geschossen wurde. Der Mörder wurde nie gefasst, die Spuren führten jedoch zum KGB. Das Bild zeigt einen Nachbau des Regenschirms und ist im International Spy Museum in Washington zu besichtigen.
Verhängnisvoller Absturz: Am 1. Mai 1960 wurde der CIA-Spionagepilot Francis Gary Powers während eines Spionagefluges über sowjetischem Territorium abgeschossen. Die US-Regierung ging davon aus, Powers habe wie befohlen den Selbstzerstörungsmechanismus seiner Lockheed L-2 ausgelöst und Selbstmord per Giftkapsel begangen. Sie beschloss, die Öffentlichkeit über diesen Rückschlag für den US-Geheimdienst hinwegzutäuschen,...
...indem sie gezielt Falschinformationen streute: Am 6. Mai präsentierte die Nasa der Presse gefälschte "Beweisfotos" von einer mit Nasa-Logo versehenen Lockheed L-2 mit gefälschter Seriennummer, die angeblich Powers' Dienstflugzeug sei. Damit sollte die offizielle Version des Absturzes untermauert werden, der zu Folge Powers nicht auf einem Spionageflug gewesen sei, sondern im Auftrag der Nasa während eines Wettererkundungsfluges abgestürzt und dabei ums Leben gekommen sei. Die US-Regierung ahnte noch nicht, dass Powers überlebt hatte und war daher völlig überrumpelt, als...
...die Sowjets nur einen Tag später den Gegenbeweis präsentierten: Bilder des gefangengenommenen Piloten Powers und seiner aus dem Wrack geborgenen Spionageausrüstung sowie ein Geständnis des Piloten, dass er im Auftrag des US-Geheimdienstes gehandelt habe. Die daraus entstehende Kontroverse zwischen Washington und Moskau sprengte den nur kurze Zeit später anberaumten Friedensgipfel zwischen US-Präsident Eisenhower und UdSSR-Regierungschef Chruschtschow in Paris. Das Bild zeigt die während seines Gerichtsprozesses 1960 in der UdSSR präsentierten Überreste seiner geborgenen Spionageausrüstung.
Stepan Bandera: Der ukrainische Nationalist wurde 1959 von Bogdan Staschinski im Auftrag des KGB ermordet - mit einer speziellen Pistole, die Blausäuredampf zerstäubte und so einen sofortigen Herzstillstand auslöste, der wie ein Herzversagen aussah. Mörder Staschinski war jedoch nicht so perfekt wie seine Waffe: Er verliebte sich in eine überzeugte Antikommunistin, bekam Gewissensbisse - und lief 1961 in die Bundesrepublik über.
Rudolf Iwanowitsch Abel: Er war der Top-Agent der Sowjetunion in den fünfziger Jahren - und wurde später von seiner Heimat als Volksheld verehrt. Rudolf Iwanowitsch Abel hatte unter der Tarnidentität des kurzsichtigen, grauhaarigen Fotografen Emil Goldfus neun Jahre für die UdSSR spioniert und einen ganzen Ring an Agenten geleitet. Dabei war der wahre Emil Goldfus schon als Säugling gestorben. Letztlich entlarvte sich der Meisterspion selbst: Ein Silberdollar, den er einem Zeitungsjungen zerstreut in die Hand drückte, brachte den FBI auf seine Spur. Die Münze besaß einen Hohlraum, groß genug, um dort ein Stück Mikrofilm zu verbergen. 1957 wurde der KGB-Oberst zu 30 Jahren Zuchthaus verurteilt - doch schon 1962 wurde Abel in Potsdam gegen den US-Spion Gary Powers ausgetauscht.
Florierender Agentenhandel: Insgesamt dreimal kam es auf der Glienicker Brücke zu einem Agentenaustausch. 1962 wechselten der Spitzenspion Rudolf Iwanowitsch Abel und der bei einem Aufklärungsflug über der Sowjetunion abgeschossene Francis Gary Powers die Seiten. Vier hochrangige Ost-Spitzel gegen 25 CIA-Späher wurden am 11. Juni 1985 auf der Brücke ausgetauscht - es war der größte Agentendeal des Kalten Krieges. Genau acht Monate später kam beim letzten Austausch (Foto) unter anderem der sowjetische Bürgerrechtskämpfer Anatolij Schtscharanski frei.
William King Harvey: Der CIA-Agent wurde für seine Rolle in der "Operation Mongoose", mit der Fidel Castro gestürzt werden sollte, als Amerikas James Bond bekannt. Harveys Karriere begann 1940 beim FBI, wurde dort nach sieben Jahren gefeuert - und machte daraufhin eine steile Karriere bei der CIA. Unter seinem Kommando buddelte die CIA Mitte der fünfziger Jahre in West-Berlin einen Stollen in Richtung Osten und zapfte ein Nachrichtenkabel der Sowjets an. Bis 1956 konnten die Westagenten gut 50.000 Magnetspulen mit Geheimgesprächen aufnehmen. Doch der scheinbare Coup entpuppte sich als Pyrrhussieg: Denn durch einen britischen Doppelagenten hatte der KGB die ganze Zeit von der Operation gewusst - und eifrig falsche Informationen übermittelt.
Robert Philip Hanssen: Bei der Arbeit hatte er einen seltsamen Spitznamen - Totengräber. Robert Philip Hanssen trug immer schwarze Anzüge, er wollte auf keinen Fall auffallen. Das gelang ihm fast ein Vierteljahrhundert, doch 2001 flog der hochrangige FBI-Mitarbeiter dann doch auf: Der damals 56-Jährige hatte auch nach Ende des Kalten Krieges sensible Daten an Moskau verraten. Schon mit 14 Jahren hatte er die Memoiren des berühmten britischen Doppelagenten Harold "Kim" Philby gelesen und war offenbar so fasziniert, dass er selbst zum Spion wurde. Die USA reagierten empört auf den Fall Hanssen und wiesen mehrere russische Diplomaten aus. Ähnlich drastisch hatte zuletzt 1986 US-Präsident Ronald Reagan reagiert - doch das war noch mitten im Kalten Krieg.
Erträgliches Nebeneinkommen: Seine Spionagedienste für Moskau ließ sich FBI-Mitarbeiter Robert Philip Hanssen fürstlich vergüten. Er erhielt umgerechnet etwa 1,5 Millionen Euro in Diamanten und Geld, hatte sogar ein Konto bei einer russischen Bank. Doch seinen Reichtum ließ er sich nicht anmerken - nicht einmal seine Frau ahnte etwas von seinem Doppelleben. Das FBI-Foto vom 20. Februar 2001 zeigt ein Geldpaket von 50.000 Dollar, das russische Agenten für Hanssen hinterlegt hatten. Das Geld war in einem Park in der Nähe der Stadt Vienna im US-Bundesstaat Virginia vergraben worden.