Spionage im Kalten Krieg Als die CIA ihren Tunnel-Coup verpatzte
Aufbruch: Berlin war in den fünfziger Jahren der heißeste Schauplatz des Kalten Krieges. In der "Ewigen Stadt der Spione", wie der Romanautor John le Carré sie nannte, wimmelte es von Agenten. Bis zum Bau der Mauer musste - wer ins Feindesgebiet wollte - einfach nur die Bahn nehmen.
Kontrollpunkt in der Friedrichstraße: Vor dem Mauerbau im August 1961 bestand dieser Grenzübergang zwischen Ost- und Westberlin lediglich aus einem Hinweisschild und einem kleinen Wachhäuschen, wie die Aufnahme vom März 1959 zeigt. Der später hier eingerichtete Kontrollpunkt ging als "Checkpoint Charlie" in die Geschichte der geteilten Stadt ein.
Vertretung der Sowjets in der DDR: Die sowjetische Botschaft in Ost-Berlin an der Straße Unter den Linden in den fünfziger Jahren. Der Geheimdienst der Großmacht hatte sich zu dieser Zeit in der geteilten Stadt längst eingerichtet. Dank Doppelagenten wusste der KGB gut über westliche Geheimdienste bescheid.
Nachrichten und Informationen: Zivilisten und Militärs studieren eine Anschlagtafel im sowjetischen Sperrgebiet in Karlshorst im September 1949. In diesem Teil Ostberlins war die Dienststelle der sowjetischen Administration. Von hier ging auch ein amtliches Fernmeldekabel zur Deutschland-Zentrale der Roten Armee in Wünsdorf bei Zossen, das die CIA in einer großangelegten Aktion mit dem Namen "Operation Gold" anzapfte.
William King Harvey: Der später für seine Rolle in der "Operation Mongoose" als Amerikas James Bond bekannt gewordene Agent hatte seine Karriere 1940 beim FBI begonnen. 1947 wechselte er zur gerade erst gegründeten CIA und wurde in den fünfziger Jahren deren Stationschef in Berlin. Er leitete die "Operation Gold" von US-Seite.
J. Edgar Hoover: Ein Foto des FBI-Chefs aus dem Jahr 1945. Hoover stand der US-Bundespolizei von 1924 bis 1972 vor. Die Gründung des amerikanischen Auslandsnachrichtendienstes CIA im Jahr 1947 war ihm ein Dorn im Auge. Nachdem Hoover seinen Mitarbeiter William King Harvey gefeuert hatte, wurde dieser von der CIA freudig aufgenommen.
George Blake: Der in Rotterdam geborene George Blake war während des Zweiten Weltkriegs im niederländischen Widerstand aktiv gewesen und hatte zugleich für verdeckte Operationen der Briten gearbeitet. Nach dem Krieg ging er für den MI6 nach Osteuropa, wo er Agenten für die Briten anwarb. Blake war dabei, als sich im Frühjahr 1953 leitende britische und amerikanische Geheimdienstler zu einer Konferenz in London trafen, um die ersten Pläne für ihre Abhöraktion "Operation Gold" zu entwerfen. Was die anderen Anwesenden nicht wussten: Blake arbeitete auch für den KGB.
Präsentation für die Presse: Rechtzeitig vorab hatte der amtierende Militärkommandant des sowjetischen Sektors von Berlin, Oberst Kozjuba, auf einer Pressekonferenz bekannt gegeben, dass man am 22. April 1956 eine amerikanische Abhörzentrale aufdecken werde - und so konnten am 24. April 1956 in- und ausländische Journalisten die Anzapfstelle begutachten.
Signatur im Bundesarchiv: Bild 183-37695-0020
Im nicht ganz geheimen Tunnel: Ein sowjetischer Soldat begutachtet im April 1956 den Spionagetunnel der CIA. Elf Monate und elf Tage lang hatte der amerikanische Geheimdienst hier Telefonate der Russen mit angehört. Was die CIA nicht wusste: Durch einen Doppelagenten waren die Sowjets von Anfang an in die Aktion eingeweiht.
Stasi-General Markus Wolf: Der Ex-Spionagechef der DDR aufgenommen im Februar 1998. Er war im April 1956 einer der Ersten gewesen, die in den gerade freigelegten Abhörschacht der CIA kletterten. Dass der KGB von Anfang an über die Anlage informiert gewesen war und die Entdeckung keinesfalls zufällig erfolgte, wusste Wolf damals allerdings nicht.
Überflüssige Informationsmasse: Sowjetische Offizielle begutachten im April 1956 die CIA-Abhöranlage unter Berlin. Da sie von Anfang an davon wussten, dass der Feind mithört, lieferten sie über diese Leitung in erster Linie unwichtige Informationen. Neben zahllosen Telefonaten fingen die Amerikaner Telexbotschaften im Umfang von über tausend Meter Lochstreifen auf, von denen ein großer Teil zudem verschlüsselt war. In London wurde ein Auswertungsbüro für bis zu 317 Spezialisten geschaffen, in Washington ein weiteres für 350 Beamte.
Unnütze Informationsquelle: Der amerikanische Spionagetunnel nach seiner "Entdeckung" durch den KGB. Der sowjetische Geheimdienst hatte die Enttarnung der Anlage als Zufallsfund inszeniert, um ihren Doppelagenten nicht zu gefährden. Nebenbei schafften es die Sowjets, die CIA noch über zwei Jahre mit der Entschlüsselung und Interpretation des abgehörten Materials zu beschäftigen - darunter so spannende Botschaften wie die Verabredung des KGB-Oberen in Berlin, Jewgennij Petrowitsch Pitowranow, zu einer Wildsauhatz mit Nachtsichtgeräten.
Erstaunen und Bewunderung: Ein kleiner Sieg blieb der düpierten CIA nach der Enttarnung ihres Spionagetunnels im April 1956 - ein unentdecktes Mikrofon blieb in Betrieb und übertrug am Tag der Offenlegung O-Töne aus dem Osten. Jedenfalls bis zum Nachmittag.
Tunnel-Präsentation: Der im April 1956 vom KGB entdeckte Spionagetunnel der CIA lag in sechs Metern Tiefe und ging auf einer Breite von 1,80 Metern etwa 400 Meter in den Osten. Bei der Pressekonferenz im Tunnel wurde den erstaunten Journalisten dann auch ein Pappschild präsentiert, das, wie sich später herausstellte, der CIA-Stationschef höchstselbst beschriftet haben soll: "Sie treten jetzt in die amerikanischen Sektor hinein", stand darauf in drolligem Deutsch zu lesen.
Schaulustige: Neugierig begutachteten auch die Ostberliner Anfang Mai 1956 den Fund des KGB unter ihrer Stadt. Der Erdhaufen im Hintergrund kennzeichnet die Stelle, an der ein Zugang zum CIA-Tunnel ausgegraben worden war.