Spionage im Zweiten Weltkrieg - DER SPIEGEL
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Spionage im Zweiten Weltkrieg Stalins Mann in der Gestapo

Bislang geheim gehaltene Akten der russischen Auslandsaufklärung offenbaren, wie der Gestapo-Beamte Willi Lehmann Moskau mit brisanten Informationen aus dem Hitler-Reich versorgte. Die Leichtfertigkeit der Sowjets kostete ihn am Ende jedoch das Leben.
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Willi Lehmann: Es war weniger politische Überzeugung, die aus dem Gestapo-Beamten einen Doppelagenten für den sowjetischen Geheimdienst machte. Tatsächlich hatte er eine Geliebte, die er durch ein zweites Gehalt aushalten konnte. Zudem pflegte er ein zuweilen teures Hobby - Pferdewetten.

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Himmler und Heydrich: SS-Reichsführer Heinrich Himmler (l.) mit seinem Berater, dem Chef der Sicherheitspolizei Reinhard Heydrich in Wien kurz nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich im Jahr 1938. Im Mai 1934, bereits kurz nachdem Himmler Heydrich als Leiter der preußischen Gestapo eingesetzt hatte, war Moskau bereits über den gesamten Aufbau der Gestapo informiert. Ihr Top-Spion innerhalb der Organisation, Willi Lehmann, hatte natürlich auch die Heydrich-Personalie gleich weitergeleitet.

Foto: AP
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Kim Philby: Der Verbindungsmann der Briten zu den US-Geheimdiensten 1955 bei einer Pressekonferenz. Philby bildete zusammen mit Donald MacLean und Guy Burgess den harten Kern der "Cambridge Five", der fünf Doppelagenten, die für Moskau arbeiteten. Philby war im Sommer 1934 von Arnold Deutsch angeworben worden. Dass Deutsch nicht von der Gestapo gefasst wurde, lag auch daran, dass Willi Lehmann, der zu dieser Zeit in der Abteilung gegen kommunistischen Spionage arbeitete, die Sowjets immer wieder über Fahndungspläne unterrichtete und so mehreren Spionen die Flucht ermöglichte.

Foto: Getty Images
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Ernst Röhm in Hamburg: Hoch zu Pferde nimmt SA-Stabschef Ernst Röhm kurz vor seiner Ermordung einen Aufmarsch von SA, SS und NSKK-Einheiten im Hamburger Stadtpark ab. Er und mindestens 83 weitere vermeintliche Hitler-Gegner werden in der "Nacht der langen Messer", dem sogenannten Röhm-Putsch, verhaftet und erschossen. Willi Lehmann bei der Durchführung der Aktion. Er war mittlerweile - nach Ermunterung seiner sowjetischen Vorgesetzten - der SS und NSDAP beigetreten und in der Gestapo als diszipliniert, fleißig und freundlich aufgefallen.

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Lucie Jane Booker: Die amerikanische Studentin, eine überzeugte Linke, wird 1938 Willi Lehmanns Verbindungsperson nach Moskau. Regelmäßig übergibt der Berliner Gestapo-Mann "Frau Lucie" Dokumente zum Fotografieren.

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Nach Vertragsabschluss: Die Unterzeichnung des Hitler-Stalin-Pakts, wie der Deutsch-Sowjetische Nichtangriffspakt bald genannt wurde, fand am 23. August 1939 in Moskau in Anwesenheit Stalins statt. Hitler weilte unterdessen auf dem Obersalzberg und ließ sich nach der Unterzeichnung von Joachim von Ribbentrop telefonisch unterrichten. Über die wirklichen Absichten des "Führers", der derweil längst seinen Vormarsch auf Moskau plante, machte sich der sowjetische Geheimdienst bereits vier Monate zuvor keine Illusionen. Ihr Spion in der Berliner Gestapo, Willi Lehmann, hatte den Russen bereits wichtige Dokumente darüber zukommen lassen.

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Vormarsch deutscher Panzer: Im November 1941 waren längst deutsche Panzer (hier nahe der russischen Stadt Matrenino) in Richtung Moskau unterwegs. Dass mit dem "Unternehmen Barbarossa" gegen den zuvor geschlossenen Nichtangriffspakt verstoßen wurde, war Hitler gleichgültig. Dokumente, dass dieser Angriff kurz bevor stünde, wurden über Willi Lehmann zwar frühzeitig nach Moskau weitergeleitet, doch Stalin vertraute der Quelle nicht und glaubte nicht an einen deutschen Angriff.

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Teodor Gladkow: Der Moskauer Sachbuchautor hat bislang unbekannte Dokumente über den Gestapo-Beamten Willi Lehmann, der auch für den sowjetischen Geheimdienst arbeitete, aus dem Archiv des russischen Auslandsgeheimdienstes zusammengetragen und plant ein Buch überLehmann. Für Gladkow war der Deutsche ein Agent, den "nicht nur materielle Motive" getrieben hätten. Der Mann sei auch Romantiker gewesen, der "Sympathie für Russland, unabhängig von dessen System", gezeigt habe.

Foto: Yevgeny Kondakov
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Josef Stalin: Der Generalsekretär der Kommunistischen Partei der Sowjetunion um 1942.

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Berija und Jeschow: Die Staatsterroristen: Berija wird im Text erwähnt. Ebenso die Säuberungen unter Jeschow (36-38 Chef des NKWD)

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Genrich Grigorjewitsch Jagoda: Genrich Jagoda war Chef der sowjetischen Geheimpolizei NKWD von 1934 bis 1936 und verantwortete die ersten Moskauer Schauprozesse. Er gehörte offenbar auch zu den Arbeitgebern von Stalins Mann in der Gestapo.

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?