Bilanz von Sport-Events Teure Stadien ohne Nutzen
Protestierende in Belem (am Montag): Hunderttausende Brasilianer gehen seit Tagen auf die Straße. Ihre Wut richtet sich gegen das ganze politische System - entzündet haben sich die Demonstrationen jedoch an den hohen Kosten für die Fußball-WM im kommenden Jahr.
Nationalstadion in Brasília: 275 Millionen Dollar sollte der Neubau kosten, am Ende musste mehr als 480 Millionen Dollar investiert werden. Nach der WM 2014 wird solch ein großes Stadion in der Hauptstadt wohl nicht mehr gebraucht - Brasília hat keinen Erstliga-Fußballclub.
Maracanã-Stadion in Rio de Janeiro: Der Umbau des berühmten Stadions kostete den Staat mit rund 500 Millionen Dollar das Doppelte dessen, was veranschlagt war.
Nutzlos: Für die Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika bestanden der Weltfußballverband Fifa und die Regierung auf ein neues Stadion in Kapstadt, Kostenpunkt: 536 Millionen Dollar. Seitdem steht die Arena weitgehend ungenutzt herum, der Unterhalt verschlingt weitere vier bis fünf Millionen Dollar im Jahr.
Auch in Durban wurde ein neues Stadion mit rund 50.000 Plätzen errichtet, für 380 Millionen Dollar. Nun steht es weitgehend leer. In unmittelbarer Nähe steht übrigens das Stadion des lokalen Rugby-Clubs, durchaus modern und schuldenfrei.
Stadion von Lemberg in der Ukraine: Zur Europameisterschaft 2012 ließ sich der Staat das neue Stadion 300 Millionen Euro kosten. Heute spielt nicht einmal der Erstliga-Club der Stadt in dem Rund weit außerhalb der Stadtgrenzen - er bevorzugt sein eigenes, zentral gelegenes Stadion.
Weitere 400 Millionen Euro flossen in die massive Erweiterung des Flughafens von Lemberg. Im Schnitt landen dort am Tag acht Maschinen.
Bei der Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland gab es keine vergleichbar eklatante Fehlinvestition - das Zentralstadion in Leipzig war die einzige Sportstätte, die für das Turnier aufwendig modernisiert wurde, obwohl die Auslastung danach absehbar gering war. Die Stadt beherbergte auch in den folgenden Jahren keinen Erst- oder Zweitligaclub.
Auch die Zugewinne bei Wirtschaftswachstum und Arbeitsplätzen fielen bei der WM 2006 weit geringer aus als prognostiziert. Dafür verbesserte das Image Deutschlands enorm - und das "Sommermärchen" - hier die Fanmeile in Berlin - machte die Deutschen nachweislich glücklicher.