Nachkriegsdeutschland Robert Mulka in Hamburg
Robert Mulka gärtnert: Wann und unter welchen Umständen genau dieses Foto - nur eines einer ganzen Serie - entstand, ist unsicher. Es zeigt den ehemaligen stellvertretenden Kommandanten des KZ Auschwitz, Robert Mulka als Hobbygärtner. Wahrscheinlich wurde es nach der Haftentlassung des zu 14 Jahren verurteilten SS-Mannes gemacht und sollte demonstrieren, dass der angeblich Schwerkranke durchaus noch zu körperlicher Arbeit im eigenen Garten in der Lage war. Zu diesem Zeitpunkt wohnte Mulka nicht mehr in der Isestraße, sondern in der - noch feineren - Gellertstraße, direkt an der Hamburger Außenalster.
Der Hamburger Isemarkt: Unter dem hundert Jahre alten Hochbahn-Viadukt der Isestraße findet zweimal wöchentlich einer der schönsten Wochenmärkte Hamburgs statt. Vor der NS-Zeit nannte der Volksmund die Hochbahnbrücke spöttisch "Juden-Regenschirm", weil das Viertel ein Zentrum jüdischen Lebens in der Hansestadt war.
Neue Stolpersteine: Dreizehn "Stolpersteine" für unter den Nazis ermordete Hausbewohner lagen bereits vor der Isestrasse 61 in Hamburg, im Herbst 2007 kamen zwei weitere dazu. In Hamburg wurden bis Ende 2007 insgesamt 2000 Stolpersteine verlegt - alleine 135 davon in der Isestraße im Stadtteil Harvestehude.
Mulkas Wohnung: In dieser Wohnung im Hochparterre rechts des Hauses Isestrasse 127 in Hamburg-Harvestehude war während des Krieges der Hamburger Exportkaufmann, SS-Offizier und zeitweilige stellvertretende Kommandeur des KZ Auschwitz, Robert Mulka, gemeldet. Im Frankfurter Auschwitz-Prozess wurde Mulka 1963 zu 14 Jahren Haft verurteilt.
SS-Obersturmführer Mulka: Die Waffen-SS machte Mulka ohne Umschweife zum Offizier - die Wehrmacht hatte das abgelehnt, da er in den Zwanzigern wegen Hehlerei eine Haftstrafe abgesessen hatte. Die Strafe versuchte Mulka nach 1933 als politisches Urteil gegen einen überzeugten Nationalsozialisten darzustellen.
Gaststätte in der Wendlohstraße: Das Haus in der Wendlohstraße 28 im Hamburger Stadtteil Niendorf, in dem Robert Mulka vor seinem Umzug in die vornehme Isestraße wohnte, exisitiert nicht mehr. Schräg gegenüber steht aber noch eine Gaststätte, in der auch der spätere stellvertretende Auschwitz-Kommandant Gast gewesen sein könnte.
Gebäude in der Wendlohstraße: An der Stelle des Hauses Wendlohstraße 28 in Hamburg-Niendorf, in dem bis etwa 1939 Robert Mulka wohnte, stehen inzwischen Mehrfamilien-Mietshäuser.
Tor des Vernichtungslagers Birkenau: Das Tor des ehemaligen Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau aus der Perspektive bei Einfahrt in das Lager im Jahr 2001. Hier an der Rampe stand 1942/43 der Hamburger Kaufmann Robert Mulka in einem Mantel mit weißem Pelzkragen und schickte die Ankömmlinge ins Gas.
Mulka in SS-Uniform: Mulka meldete sich 1941 freiwilig zur SS, nachdem die Wehrmacht ihn wegen einer Vorstrafe nicht als Offizier hatte übernehmen wollen. Er war für kurze Zeit Ausbilder an einer Pionierschule, bevor er im April 1942 Kompanieführer eines "Wachsturmbanns" im KZ Auschwitz wurde. Im März 1943 stieg er zum Adjudanten des Auschwitz-Kommandanten Rudol Höß und zum stellvertretenden Lagerleiter auf.
Befreiung von Auschwitz: Gefangene bei der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz durch die Rote Armee am 27. Januar 1945. Etwa 7000 der im Lager Inhaftierten, darunter rund 600 Kinder, waren zu diesem Zeitpunkt noch am Leben.
Ole von Beust verlegt Stolpersteine: Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust verlegte im Juni 2006 im mecklenburgischen Lübtheen (Kreis Ludwigslust) Stolpersteine für vier Geschwister seines jüdischen Großvaters, die von den Nazis ermordet oder in den Tod getrieben wurden. An der Feier nahm auch von Beusts Großcousin Helmuth Wolff teil, dessen Großeltern in der Hamburger Isestrasse wohnten und die 1942 angesichts ihrer bevorstehenden Deportation den Freitod wählten, ebenso wie Wolffs Mutter und ihr Lebensgefährte.
Mulkas Polizeifoto: Robert Mulka, 1943 stellvertretender Kommandant des Vernichtungslagers Auschwitz, auf erkennungsdienstlichen Aufnahmen der Hamburger Polizei von 1962. Mulka war aufgeflogen, nachdem sein Sohn bei den Olympischen Spielen 1960 in Rom eine Medaille im Segeln gewann und ein Holocaust-Überlebender beim Namen Mulka stutzig geworden war.
Robert Mulka: Erkennungsdienstliche Aufnahme der Hamburger Polizei des ehemaligen Adjutanten von Auschwitz-Kommandant Rudolf Höß.
Beginn des Auschwitz-Prozesses: Vor dem Frankfurter Schwurgericht wurde ab Dezember 1963 gegen 22 ehemalige Angehörige des SS-Wachpersonals im Konzentrationslager Auschwitz verhandelt. Einer der Angeklagten war der Hamburger Kaufmann Robert Mulka.
Angeklagter Mulka: Im Frankfurter "Auschwitz-Prozess", der offiziell als Strafverfahren "gegen Mulka und andere" lief, stritt der ehemalige stellvertretende Lagerkommandant jede Mitschuld ab. Als ihm Dokumente vorgelegt wurden, die seine Unterschrift trugen - etwa eine Order für die Beschaffung von Zyklon B - geriet seine Verteidigung jedoch ins Wanken.
Beweisstück: Gut leserlich die Unterschrift "Mulka" unter dieser Fahrgenehmigung für einen Pkw von "Au." (Auschwitz) nach "Litzmannstadt" (Lodz) "zwecks Besichtigung der Versuchsstation für Feldöfen Aktion Reinhard". Hinter dem Codenamen "Aktion Reinhard" verbarg sich die systematische Ermordung von über zwei Millionen Juden und 50.000 Roma im besetzten Polen in den Vernichtungslagern Belzec, Sobibor und Treblinka.
Bomben über Birkenau: Luftaufnahme des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau vom 13. September 1944. Zu diesem Zeitpunkt war Robert Mulka schon nicht mehr Vize-Kommandant des KZ, sondern in seiner Heimatstadt Hamburg mit der Beseitigung von Bombenschäden betraut.