Stalin, Hitler, Saddam: Echt oder falsch? - DER SPIEGEL
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Monty, Hitler, Saddam Echt oder falsch?

Doppelgänger waren für Diktatoren, Generäle und Politiker Schutzschilde in geheimer Mission. Nur wenige Doubles lüfteten ihr Geheimnis.
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Aus der Loge des Bolschoi-Theaters oder von der Tribüne auf dem Lenin-Mausoleums grüßte mitunter ein Mann, der nur so aussah wie Josef Stalin. Mehr als 50 Jahre hatte Felix Dadajew (links) das Geheimnis für sich behalten müssen.

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Ist er es oder ist er es nicht? Der sowjetische Diktator Josef Stalin - hier am 12. Oktober 1945 auf dem Roten Platz in Moskau - fürchtete, Opfer eines Attentats zu werden. Sein Geheimdienst traf Vorkehrungen: Nicht überall, wo man Stalin sah, war er es auch wirklich selbst. Einer der Männer, die vorübergehend in seine Rolle schlüpften, war ...

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... der Tänzer und Schauspieler Felix Dadajew. Wie der sowjetische Staatsführer stammte er aus der Kaukasusregion und war schon als Jugendlicher wegen seiner Ähnlichkeit zu Stalin gehänselt worden. Dadajew war mehr als 40 Jahre jünger als sein Vorbild und kam trotzdem als Double zum Einsatz.

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Bevor der wahre Führer der Sowjetunion 1953 starb, konnte er in seinen letzten Lebensjahren gesundheitsbedingt nicht mehr allzu oft und lange in der Öffentlichkeit auftreten. Der wachsende Personenkult um Stalin fand seinen Ausdruck etwa in der allgegenwärtigen Ausstellung übergroßer Porträts.

Foto: ullstein bild
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Dazu zählte auch seine Rolle bei der Konferenz von Teheran Ende November 1943, als die alliierten Hitler-Gegner über ihren Umgang mit Deutschland berieten. Der Mann, der sich damals mit US-Präsident Franklin D. Roosevelt (Mitte) und dem britischen Premier Winston Churchill (rechts) traf, war Dadajew zufolge aber tatsächlich Stalin. Dadajews Auftrag lautete dabei lediglich: in Moskau ins Auto steigen und zum Flughafen fahren.

Foto: Keystone/ Getty Images
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Mit seinem Sieg über das deutsche Afrikakorps bei El Alamein in Ägypten beendete General Bernard Montgomery, Kommandeur der britischen 8. Armee, 1942 den Vormarsch von Generalfeldmarschall Erwin Rommel auf den Suezkanal. Auch der erfolgreiche wie populäre britische Heerführer hatte ein Double.

Foto: AP
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Meyrick Edward Clifton James vertrat den General allerdings nicht als Heerführer in der Schlacht, sondern bei einer Finte, die sich der britische Geheimdienst für die deutschen Kollegen ausgedacht hatte. Trainiert als Schauspieler und gekleidet wie Montgomery landete der gebürtige Australier James im Mai 1944 auf Gibraltar.

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Das Doppelgänger-Manöver sollte davon ablenken, dass der echte General Montgomery zu genau dieser Zeit mit den Vorbereitungen für die Landung der Alliierten in der Normandie befasst war. Inwieweit die Täuschung tatsächlich Einfluss auf den Kriegsverlauf hatte, ist umstritten.

Foto: imago
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Großen Einfluss hatte sie auf jeden Fall auf die Karriere des mäßig bekannten Schauspielers Clifton James. Nach Bekanntwerden der Geheimdienst-Posse wurde sie in den Fünfzigerjahren nach einer Autobiografie von James unter dem Titel "I Was Monty's Double" verfilmt - mit James in der Haupt- und Doppelrolle: als er selbst (rechts) wie auch als Montgomery.

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Der Hitler-Stellvertreter Rudolf Heß starb 1987 im alliierten Kriegsverbrechergefängnis in Berlin-Spandau. Noch viele Jahre später behauptete eine Gruppe englischer Verschwörungstheoretiker, es sei gar nicht der echte Heß gewesen, der Insasse (hier eine Aufnahme von 1986) ein englischer Geheimagent.

Foto: ullstein bild
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Diesen Behauptungen zufolge war der echte Heß ein Jahr nach seiner Landung am 10. Mai 1941 in Schottland, wo er sich mit einem Fallschirm aus seiner Messerschmitt 110 (Foto) abgesetzt hatte, bei einem Flugzeugabsturz in Wales ums Leben gekommen. Ähnliche Spekulationen hatte es bereits in den Siebzigerjahren gegeben, die immerhin zu einer parlamentarischen Anfrage an die damalige Staatsministerin Hildegard Hamm-Brücher führten. Ein britischer Militärarzt hatte angegeben, Heß sei auf dem Weg nach Schottland ausgetauscht worden. Bei dem Mann, der im Gefängnis sitze, seien...

Foto: AP
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...keine Schussnarben zu entdecken, wie sie Heß (hier auf einem Foto von 1935) infolge einer Verwundung im Ersten Weltkrieg hätte haben müssen. Den Nachweis, dass in Schottland ein anderer als der echte Heß absprang, blieb der Mediziner allerdings schuldig, wie der SPIEGEL 1979 berichtete.

Foto: AFP
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Ganz anders als echte Doubles verhalten sich gemeinhin selbstinszenierte Doppelgänger. Sie möchten als solche erkannt und ob ihrer Ähnlichkeit bewundert werden. Dieser Mann zum Beispiel erregte am 20. Juni 1935 in Nizza Aufmerksamkeit, als er in Hitler-Aufmachung zusammen mit Leibwächtern das Casino besuchte und anschließend die Promenade des Anglais entlanglief. Fünf Jahre später wäre ein solcher Auftritt wohl kaum noch denkbar gewesen, Mitte der Dreißigerjahre aber waren Hitler-Parodien im Ausland noch beliebt. Überliefert ist zu diesem Bild weder der Name des Fotografen noch der des Hitler-Darstellers. Der echte Hitler weilte an diesen Tag nicht in Frankreich und besuchte - so viel ist bekannt - tags darauf das "Reichs-Bach-Festkonzert" im Leipziger Gewandhaus.

Foto: imago
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Echt oder falsch? Die Frage kam wieder auf, als die Rote Armee im April 1945 Berlin einnahm und Stalin die Nachricht erreichte, dass Hitler tot sei. Er wollte den Leichnam. Doch der "Führer" hatte seinem Gegner nicht einmal tot in die Hände fallen wollen und deshalb seinen Vertrauten befohlen, ihn nach seinem Selbstmord zu verbrennen. Auf dem Gelände der Reichskanzlei stieß der Suchtrupp dann tatsächlich auf einen Leichnam, der Hitler ähnlich sah. Die Identifizierung...

Foto: Keystone/ Getty Images
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...brachte allerdings nicht das erhoffte Ergebnis. In der Folge wurde über ein Double gemutmaßt. Bei der Aufnahme handelte es sich wohl aber um einen makabren Scherz: Rotarmisten ließen sich mit einer als Hitler zurechtgemachten Leiche fotografieren. Die echte Leiche war, auf Hitlers eigenen Wunsch, verbrannt und somit nicht mehr vorzeigbar. 

Foto: SPIEGEL TV
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Wohl deshalb hielten sich nach Kriegsende so lange Gerüchte, Hitler sei gar nicht tot, sondern aus Deutschland geflohen. Schon nach der Landung der Alliierten in der Normandie 1944 hatten die Amerikaner befürchtet, Hitler könnte sich ob der aussichtslosen Kriegslage absetzen. Der US-Geheimdienst Office of Strategic Services (OSS) beauftragte den New Yorker Maskenbildner Eddie Senz, mögliche Varianten für spätere Steckbriefe zu entwerfen. Wegen der massiven Gerüchte, Hitler sei noch am Leben, ging das FBI ab Mai 1945 unzähligen Hinweisen nach - freilich ohne fündig zu werden.

Foto: US National Archives
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Der irakische Diktator Saddam Hussein lasse sich bei öffentlichen Auftritten von mindestens drei Doppelgängern vertreten, berichtete das ZDF im September 2002 unter Berufung auf den Homburger Rechtsmediziner Dieter Buhmann, der mehrere Hundert Archiv-Bilder ausgewertet hatte. 

Foto: INA/ AFP
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Dem französischen Fotografen Antoine Gyori gelang diese Aufnahme eines Doubles, das an Stelle des echten Staatschefs und obersten Militärs die Truppen in Bagdad besuchte. Wann genau die Aufnahme entstand, dazu macht die Bildagentur keine Angaben.

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Einem Bericht des österreichischen Magazins "Format" (heute: "Trend") zufolge könnte seinerzeit auch der österreichische Rechtspopulist Jörn Haider bei seinem umstrittenen Besuch beim irakischen Diktator Saddam Hussein im Februar 2002 einem Doppelgänger aufgesessen  sein. Das Foto verbreitete die staatliche irakischen Nachrichtenagentur Ina. Rechtsmediziner Buhmann kam zu dem Schluss, dass die mit Haider abgebildete Person nicht mit Saddam Hussein identisch sei.

Foto: Getty Images
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Saddam Hussein selbst war offenbar seit 1998 kaum mehr öffentlich aufgetreten. "Aus Sicherheitsgründen" sei die Idee mit den Doppelgängern geboren worden, sagte der ehemalige irakische Geheimdienstchef Wafiq Al Samarae dem ZDF, "weil Saddam Hussein sich damals so viel bewegte, viel reiste und auch oft Kontakt mit der Bevölkerung hatte". Um ihn vor Attentaten zu schützen, brauchte er ein Double.

Foto: imago/ ZUMA/ Keystone
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Zweifel an der Identität, verbunden mit der Frage, ob Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt überhaupt noch lebte, kamen verstärkt im März 2003 mit Beginn des Irakkriegs auf. Eine Bildagentur stellte zwei Porträts nebeneinander, die laut irakischem Fernsehen angeblich jeweils Präsident Saddam Hussein zeigten - und zwar links am 20. März wenige Stunden nach Beginn des US-Bombardements auf Bagdad und rechts am 18. März.

Foto: Iraqi TV/Getty Images 185906/ dpa
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Dass Saddam Hussein mehrere Double hatte, berichtete auch der Mann, der angeblich selbst höchst offiziell als Doppelgänger tätig war - und zwar für Saddam Husseins Sohns Udai Hussein, hier 1998 vor einem Porträt seines Vaters in Bagdad.

Foto: Karim Sahib/ dpa
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Der irakische Ex-Offizier Latif Yahia war nach dem Zweiten Golfkrieg 1991 nach Österreich geflohen und veröffentlichte 2003 im Münchner Goldmann-Verlag eine Autobiografie mit dem Titel: "Ich war Saddams Sohn. Als Doppelgänger im Dienst des irakischen Diktators Hussein". Die Aufnahme zeigt Yahia 1995 in London. Der Exilant gab an, dass er sich ...

Foto: JOHNNY EGGITT/ AFP
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... einer Kieferoperation unterziehen musste, um wie Udai auszusehen. Dieses undatierte Foto zeigt ihn in Uniform als Husseins Sohn.

Foto: HO/FILE/ AFP
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Latif Yahia, der aussah wie Udai Hussein, trat im Februar 2003 in der ARD-Sendung "Boulevard Bio" mit Alfred Biolek auf und berichtete von brutalen Verbrechen Udais, deren Zeuge er angeblich wurde.

Foto: WDR/ Horst Galuschka
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Im Juli 2003 meldeten die US-Truppen im Irak den Tod von Saddams ältesten Sohn Udai Hussein - hier eine undatierte Aufnahme. Seine Leiche war zusammen mit der seines Bruders Kussei nach einem Feuergefecht in einem Haus in Mossul entdeckt worden. Frühere Regimegrößen sowie DNS-Tests hätten die Identität bestätigt, hieß es. Um weiteren Zweifeln in der irakischen Bevölkerung entgegenzutreten, veröffentlichte das US-Militär Fotos der Toten.

Foto: AFP PHOTO/ AFP
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1993 entstand in einer Sauna dieses Foto. Der Mann auf dem Bild war der bekannte Film- und TV-Star Alexander Skorochod, der zum Scherz 1993 als Doppelgänger des russischen Präsidenten Boris Jelzin auftrat. Ein Spaß, der wenige Jahre später nicht mehr möglich war.

Foto: Jewgenij Kondakow
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Denn angesichts Jelzins angeschlagener Gesundheit häuften sich Berichte über seinen Alkoholkonsum. Politische Gegner vertraten die Ansicht, Boris Jelzin, hier bei einem Rockkonzert 1996, sei nicht mehr in der Lage, das Land zu führen, und streuten das Gerücht, er setze für öffentliche Auftritte Doubles ein. Bewiesen wurde das nie. Sein eigenes Pressebüro hatte zu einer gewissen Verwirrung beigetragen: Es veröffentlichte am 14. Juli 1995 ein Foto, das Jelzin angeblich frisch nach einer Herzoperation zeigte. Journalisten kam die Aufnahme bekannt vor - und Jelzins Büro musste schließlich einräumen, dass das Bild schon älter war.

Foto: VIKTOR KOROTAYEV/ Reuters
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