Start der Paralympics Klassen-Kampf
Gut zwei Wochen nach Ende der Olympischen Spiele beginnen in Rio de Janeiro die Paralympics. In 23 Sportarten fallen 528 Entscheidungen.
Aufgrund der unterschiedlichen Behinderungen der Sportler werden in vielen Disziplinen mehrere Finals ausgetragen. Beispiel 100-Meter-Lauf: Während bei den Olympischen Spielen nur ein Männer-Endlauf mit Sieger Usain Bolt stattfand, sind es bei den Paralympics 16 100-Meter-Finals.
Der Grund dafür ist die Klassifizierung der Athleten nach dem Grad ihrer Behinderung. Wie zum Beispiel in Kampfsportarten mit ihren verschiedenen Gewichtsklassen, wird auch im Behindertensport sortiert, wer gegeneinander antreten kann, ohne große Nachteile zu haben.
Insgesamt gibt es im paralympischen Sport zehn Behinderungsarten, etwa Beeinträchtigungen der Muskelleistung, der Beweglichkeit, Sehbehinderung oder Amputation/Fehlbildung von Gliedmaßen.
Leverkusens Irmgard Bensusan startet zum Beispiel über die 100 Meter in der Klasse T44. Darunter fallen zum Beispiel einseitig Unterschenkelamputierte oder Athleten, die unter Vorfußverlust leiden.
Bei Mannschaftsportarten wie dem Rollstuhlbasketball spielen Athleten mit unterschiedlicher Behinderung in einem Team. Bis auf wenige Ausnahmen entspricht das Regelwerk im Rollstuhlbasketball dem des "Fußgänger-Basketballs".
Die Zusammensetzung erfolgt nach Punkten: Je schwerer die Behinderung, desto kleiner die Punktzahl. Beim Rollstuhl-Rugby dürfen die Spieler auf dem Feld acht Punkte nicht überschreiten. Körperkontakt ist nicht erlaubt, mit dem Rollstuhl geht es umso rabiater zu.
Beim Fußball wird mit fünf oder sieben Spielern pro Mannschaft gespielt. Bei der Fünfer-Variante stammen die Feldspieler aus drei verschiedenen Sehbehinderungsklassen. Das funktioniert, weil der Ball bei Bewegungen Geräusche macht, sodass den Athleten eine Orientierungsmöglichkeit geboten wird. Bei der Siebener-Variante sind Athleten mit Gehschwierigkeiten und cerebralen Kinderlähmungen startberechtigt.
Bei Olympia sucht man es vergeblich: Goalball. Hierbei handelt es sich um eine schnelle Sportart, die von Blinden und Sehbehinderten betrieben wird. Wegen der Chancengleichheit tragen alle eine Dunkelbrille. Das Ziel: Den Klingelball ins gegnerische Tor rollen. Dabei werden Geschwindigkeiten von etwa 80 km/h erreicht.
Das Rollstuhltennis wird nach den internationalen Regeln gespielt - mit einer Ausnahme: der "Zwei-Aufsprung-Regel". Der erste Aufsprung muss im Feld, der zweite darf auch außerhalb erfolgen.
Beim Fechten werden die Rollstühle am Boden fixiert. Dennoch haben die Sportler einen großen Bewegungsradius mit dem Oberkörper. Gestartet wird in den Klassen A und B, die B-Athleten sind stärker eingeschränkt.
Das deutsche Team ist mit 155 Sportlern in Rio vertreten, viele davon dürfen auf eine Medaille hoffen. Etwa Weitsprung-Weltrekordler Markus Rehm, der bei der Eröffnungsfeier die deutsche Fahne tragen wird. Der 28-Jährige verlor seinen rechten Unterschenkel als 14-Jähriger beim Wakeboarden.
Marianne Buggenhagen ist eine der erfolgreichsten Sportlerinnen Deutschlands. Die 62-Jährige tritt in Rio de Janeiro bereits zum siebten Mal bei den Paralympics an. Ihre Bilanz: Neunmal Gold, dazu je zweimal Silber und Bronze.
Sportschützin Manuela Schmermund geht in ihre fünften Paralympics. 2004 in Athen gewann sie Gold, 2008 und 2012 jeweils Silber.
Heinrich Popow ist eine Paralympics-Legende. Der Sprinter und Weitspringer will seine vierten und letzten Spiele mit Gold krönen. Wegen eines Knochentumors musste Popows Bein amputiert werden, als er neun Jahre alt war.