Stasi-Akten Doppeltes Spiel des schnelles Zeichners
Urlaub mit Freunden: Im März 1978 verbrachte Gero Hilliger, links, einen gemeinsamen Skiurlaub in Österreich mit mehreren, mit ihm befreundeten Fluchthelfern. Während dieser Reise beschaffte er sich - wenn man den Akten glaubt - das Adressbuch seines Freundes Peter Jahn. In Hilligers Stasi-Akten heißt es dazu: "Alle Eintragungen in das Adressbuch von Peter Jahn sowie die Abschrift eines Briefes und die Kopie eines Bildes eines schleusungswilligen DDR-Bürgers wurden vom IM überbracht." Hilliger hat stets bestritten, für die Staatssicherheit gearbeitet zu haben.
"IMB Brunnen": Mit dem Foto von circa 1977 war der Schnellzeichner Gero Hilliger beim Staatssicherheitsdienst der DDR unter dem Decknamen "IMB Brunnen" registriert. "IMB" steht dabei für "Inoffizieller Mitarbeiter Beobachtung". Diese Mitarbeiter der Stasi wurden unter anderem im nichtsozialistischen Ausland zur Beobachtung von Personen oder Objekten eingesetzt. Die Akte des "Brunnen" umfasst insgesamt mehr als 1000 Seiten - Hilliger nennt seine Akte "getürkt".
Journalist Naumann: Der Berliner Journalist Lutz-Peter Naumann enttarnte 1994 den mutmaßlichen Stasi-Spitzel Gernot Hilliger. Naumann soll selbst von Hilliger denunziert worden sein. In Naumanns Büro im Axel-Springer-Haus hatte viele Jahre ein DDR-kritisches Plakat des Künstlers gehangen - im Bild oben links. Naumann starb 1996. Die Aufnahme zeigt ihn circa 1980.
DDR-Kritik: Seit Mitte der siebziger Jahre machte sich Gero Hilliger in West-Berlin als Zeichner für die Junge Union einen Namen. Er entwarf zahlreiche DDR-kritische Plakate und galt als militanter Gegner des SED-Regimes. Das Bild zeigt ein Plakat von 1977.
Wahlkampf-Karikaturist: Mit dieser Zeichnung kam Gernot "Gero" Hilliger im Bundestagswahlkampf 1980 bundesweit in die Schlagzeilen, nachdem das Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL die Polemik nachgedruckt hatte. Der Zeichner Hilliger soll zu diesem Zeitpunkt bereits für den Staatssicherheitsdienst der DDR gearbeitet und für seine Dienste sogar schon eine erste Auszeichnung erhalten haben. Hilliger bezeichnete seine mehr als 1000 Seiten dicke Akte später als "getürkt".
"Freund Adolf": Der Leiter der MfS-Kreisdienststelle Fürstenwalde, Adolf Storch, führte den "IMB Brunnen", der - glaubt man den Akten - Gernot Hilliger war. Hilliger hat das stets bestritten, vor Gericht erklärte der Zeichner, er habe mit dem Oberstleutnant, seinem "Freund Adolf", rein privat zusammengearbeitet. Die Aufnahme zeigt Storch circa 1980 in Fürstenwalde.
"Freund Conny": Von 1987 bis 1989 wurde der "IMB" Brunnen direkt aus dem Stasi-Hauptquartier in Ost-Berlin geführt. Sein Führungsoffizier war jetzt Oberstleutnant Konrad Berger aus der Zentralen Koordinierungsgruppe, ZKG, Abteilung 5. Gernot Hilliger, der stets bestritt, für die Staatssicherheit gearbeitet zu haben, nannte Berger einen "Freund". Stasi-Mann Berger hat nach Aktenlage hohe Summen an den Spitzel ausgezahlt, zuletzt noch drei Wochen nach dem Fall der Mauer.
Anerkennung von oben: In den Akten des "IMB Brunnen" findet sich auch eine Urkunde über die Verleihung einer wichtigen Medaille an "Gernot Hilliger". Am 8. Februar 1985 wurde ihm demnach von Erich Mielke die "Verdienstmedaille der Nationalen Volksarmee in Gold" verliehen - "als Zeichen hervorragender Verdienste bei der Unterstützung des Ministeriums für Staatssicherheit". In den letzten Jahren seiner Spitzeltätigkeit soll der "IMB Brunnen" vor allem mit harter D-Mark für seine Dienste belohnt worden sein. Hilliger erklärte jedoch immer, er habe der Stasi weder berichtet, noch Geld oder Medaillen erhalten. Seine Stasi-Akten seien "getürkt" und das Verfahren gegen ihn eine "Rufmord-Kampagne", erklärte er in Interviews.
Dieter Dombrowski: Der heutige Generalsekretär der Brandenburgischen CDU als Landesvorsitzender der Jungen Union in Berlin, mit russischen Komsomolzen circa 1985 bei einer Kranzniederlegung am Sowjetischen Ehrenmal in West-Berlin. Dombrowski und seine Frau sollen von Hilliger über Jahre hinweg bespitzelt worden sein.
Franz Uhle-Wettler: Auch der konservative Bundeswehr-Generalleutnant Franz Uhle-Wettler (l.) wurde laut Aktenlage vom "IMB Brunnen" bespitzelt. Das Bild zeigt den General 1987 bei seiner Verabschiedung, rechts Gernot Hilliger.
General im Visier: In den letzten Jahren seiner Tätigkeit als Informeller Mitarbeiter des Staatssicherheitsdienstes der DDR soll sich Hilliger, rechts im Bild, auf die Tätigkeit der "Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte" und das Umfeld seines Freundes Wulf Rothenbächer verlagert haben. Laut Aktenlage geriet auch Generalleutnant Dr. Franz Uhle-Wettler ins Visier des "IMB Brunnen". Die Aufnahme stammt von 1987.
Kay Mierendorff: Jahrelang versuchte der Staatssicherheitsdienst der DDR, den Aufenthaltsort des Fluchthelfers Kay Mierendorff herauszufinden, auf den der ostdeutsche Geheimdienst 1982 einen Sprengstoffanschlag verübte. Auch Hilliger soll an der Suche beteiligt gewesen sein - das geht zumindest aus der Akte des "IMB Brunnen" bei der BStU hervor. Der Spitzel meldete demnach seinem Führungsoffizier schon lange vor dem Fall der Mauer, dass Mierendorff in die USA emigriert war. Das Foto entstand 1990 bei einem Besuch Hilligers, links, bei Mierendorff in Naples, Florida.
Wulf Rothenbächer: Der Facharzt Dr. Wulf Rothenbächer zählte in der Bundesrepublik in den siebziger und achtziger Jahren zu den namhaftesten Gegnern des SED-Staates. Rothenbächer war viele Jahre mit Hilliger, links, eng befreundet. 1998 erfuhr er, dass er jahrelang bespitzelt worden war. Rothenbächer kennt die Akten des "IMB Brunnen" genau, er sagt: "Alle mir bekannten Fakten sprechen gegen Gero Hilliger." Dieser allerdings bestreitet, für die Staatssicherheit gearbeitet zu haben.
Hilliger mit Luftgewehr: Gero Hilliger 1981 beim Luftgewehrschießen im Garten von Wulf Rothenbächer in Altendiez.
Kundschafter: Über Jahre hinweg spionierte der "IMB Brunnen" die "Internationale Gesellschaft für Menschenrechte", kurz IGfM, aus. Das Foto entstand am 3. Juli 1983 bei einer Solidaritätsaktion für den sowjetischen Dissidenten Andrei Sacharow in Berlin und zeigt Hilliger mit dem IGfM-Generalsekretär Agrusow, den Hilliger später dafür eingesetzt haben soll, den Berliner Junge-Union-Vorsitzenden Dieter Dombrowski zu Fall zu bringen.
Zeichner: Ausriss aus einer Zeichnung, die vermutlich vom "IMB Brunnen" für den Staatssicherheitsdienst der DDR angefertigt wurde. Das Dokument befindet sich in Hilligers Stasi-Akte und stammt etwa aus dem Jahr 1980.
Politischer Künstler im Westen: Mitte der siebziger Jahre machte sich Gernot alias "Gero" Hilliger als DDR-kritischer Künstler einen Namen. Jahrelang fertigte er politische Plakate für die Junge Union in West-Berlin an. Das hier abgebildete Plakat stammt von 1976.
Eberhard Diepgen: Über Jahre hinweg soll Gero Hilliger immer wieder auch Internas aus dem Umfeld von Eberhard Diepgen und der "Betonfraktion" in die DDR geliefert haben. Auf diesem Wege erfuhr man in der DDR beispielsweise, dass Diepgen 1989 - nach dem Wahldesaster der CDU - auf keinen Fall mit Momper habe koalieren wollen. Das Bild zeigt Diepgen auf einem Wahlplakat der CDU, etwa 1985.