Stasi-Debatte in Polen - DER SPIEGEL
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Stasi-Debatte in Polen Die Hölle der Akten

War Polens Ex-Präsident Lech Walesa ein Spitzel der kommunistischen Staatssicherheit? Ein neues Buch entfacht schon vor Erscheinen einmal mehr die Debatte über den Solidarnosc-Gründer und Nobelpreisträger - und offenbart die tiefe Spaltung der Polen über den Umgang mit dem unappetitlichen Erbe des Kommunismus.
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Nelken und die Flagge: Arbeiterführer Lech Walesa, Mitbegründer der unabhängiogen Gewerkschaft "Solidarnosc", spricht am 26. Augtust 1980 zu streikenden Arbeitern in Danzig (Gdansk).

Foto: PETER KNOPP/ AP
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Walesa spricht zu Arbeitern: Streikführer Lech Walesa (2.v.l.) spricht 1980 zu den Arbeitern der Lenin-Werft in Danzig. Links neben ihm steht Pfarrer Henryk Jankowski.

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Arbeiteraufstand in Stettin und Danzig: Panzer rollen am 18 Dezember 1970 durch Danzigs Straßen, nachdem Werftarbeiter wegen massiver Preiserhöhungen in den Streik getreten waren. Nach offiziellen Angaben kamen bei den Unruhen 45 Menschen ums Leben.

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Arbeiter-Star: Lech Walesa spricht am 26. August 1980 in Danzig zu streikenden Arbeitern. Unter den "21 Forderungen" der Demonstranten waren die Zulassung freier Gewerkschaften, die Abschaffung der Zensur und die Freilassung politischer Gefangener.

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Auf Händen tragen: Am 30. August 1980, einen Tag vor der Unterzeichnung des Abkommens mit der Regierung, tragen Arbeiter den Streikführer Lech Walesa auf ihren Schultern zur Lenin-Werft in Danzig. Walesa wurde zur Symbolfigur des Sieges der Solidarnosc über die kommunistische Regierung - umso schmerzhafter sind bis heute Vorwürfe, Walesa habe 1970 zeitweise Berichte an die polnische Staatssicherheit geliefert und Geld dafür auch erhalten. Walesa bestreitet das entschieden, die Dokumente geben bisher keine belastbare Auskunft - Kritiker sagen, weil Walesa die Akten in seiner Zeit als Staatspräsident säuberte.

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Danziger Abkommen: Vize-Ministerpräsident Mieczyslaw Jagielski (l.) und der Vorsitzende des überbetrieblichen Streikkomitees, Lech Walesa (M.), am 31. August 1980 bei der Unterzeichnung des Danziger Abkommens. Die Streikwelle in Polen, die am 1. Juli durch eine indirekte Erhöhung der Fleischpreise begann, wurde am 31. August durch eine Übereinkunft zwischen dem Streikkomitee in Stettin und der dort verhandelnden Regierungskommission beendet. Es enthielt die Garantie des Streikrechts, die Gründung einer unabhängigen Gewerkschaft, soziale Verbesserungen und die Freilassung politischer Häftlinge.

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Fester Blick: Ein Portrait des polnischen Arbeiterführers Lech Walesa aus der Zeit der ersten Verhandlungen mit der Regierung im August 1980. Seit dem historischen Kompromiss mit der polnischen KP am "Runden Tisch" 1989 halten sich Gerüchte, Walesa habe 1970 als Informant "Bolek" für die Staatssicherheit Berichte geliefert. Stichhaltige Beweise sind dafür bisher nicht vorgelegt worden.

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Wahlkampf in Warschau: Wahlplakate in Warschau mit dem Porträt Lech Walesas während des Präsidentschaftswahlkampfes 1995 - in dem Amtsinhaber Walesa gegen den Postkommunistsne Alexander Kwa?niewski unterlag. Die Politik des "dicken Schlussstrichs", des Abschließens mit der Vergangenheit ohne Aufarbeitung, galt als Bedingung für den historischen Kompromiss mit den Kommunisten, erregt aber bis heute vor allem nationalkonservative Polen, die eine Abrechnung mit den Trägern des alten Regime wünschen.

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Der Papst und der Präsident: Der polnische Präsident Lech Walesa (r.) küsst am 08. Juni 1991 in Warschau die Hand von Papst Johannes Paul II. Im gleichen Jahr bracht die ersten freien Wahlen in Polen eine nationalkonservative Regierung an die Macht, die die Abrechnung mit alten Funktionsträgern auf ihre Fahnen geschrieben hatte. Sie legte im Frühjahr 1992 eine Liste mit 66 Namen von angeblichen Zuträgern der Staatssicherheit vor, auf der auch der Außenminister, der Parlamentspräsident und Staatschef Walesa aufgeführt wurden. Wenige später musste die Regierung zurücktreten, die "Lustration" war gescheitert - bis heute ein Trauma für die antikommunistische Rechte Polens.

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