Stasi-Haftklinik - DER SPIEGEL
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Stasi-Haftklinik Der Feind auf dem OP-Tisch

Ärzte blieben anonym, Kranke wurden gegen Geständnisse operiert: Statt zu heilen, dienten die Mediziner im Berliner Haftkrankenhaus der Stasi als Verhörgehilfen. Ein neues Buch beleuchtet die Geschichte der geheimsten Klinik der DDR - und zeigt, wie nah Therapie und Terror beieinander lagen.
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Untersuchungszimmer: Zwar verfügte das Haftkrankenhaus über moderne medizinische Geräte, doch kein einziger Raum entsprach den geltenden Arbeits- und Gesundheitsschutzbestimmungen, wie eine Überprüfung in den sechziger Jahren ergab. Auch die hygienischen Zustände ließen zu wünschen übrig: Aus den Notizen einer MfS-Krankenschwester geht hervor, dass in dem Gebäude Ratten gesichtet wurden.

Foto: dapd
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Operationssaal: Mehr als 3000 Häftlinge wurden zwischen 1960 und 1989 stationär im Stasi-Haftkrankenhaus in Berlin-Hohenschönhausen behandelt.

Foto: dpa
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Badezimmer: Einmal pro Woche war es den Häftlingen von Hohenschönhausen gestattet zu baden. Jeweils zwei Wachleute begleiteten sie dann auf dem Weg zu den Nasszellen. Durften die Gefangenen die Sanitäranlagen selbständig nutzen, musste das Personal "insbesondere auf Fluchtmöglichkeiten sowie suicidbegünstigende Gegenstände und Situationen" achten, wie es in einer Fachschularbeit für Wachsoldaten des Haftkrankenhauses hieß. In diesem Raum nahmen die Häftlinge medizinische Bäder.

Foto: REUTERS
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Hell und freundlich: Das Büro des Gefängnisdirektors verfügte über eine Schrankwand, gepolsterte Sitzmöbel und eine farbenfrohe Tapete - und bot damit einen deutlichen Kontrast zu den kargen Zellen. Zur Eröffnung der Gedenkstätte 1994 auf dem Gelände der Haftanstalt war das Arbeitszimmer wieder hergerichtet worden.

Foto: Gedenkstätte Hohenschönhausen
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Totale Isolation: Die sogenannten Beruhigungsverwahrräume im Kellertrakt des Stasi-Untersuchungsgefängnisses waren mit schallisolierendem Gummi verkleidet. Auf dem Betonboden lag eine Strohmatte. Möbelstücke oder eine Toilette gab es in den "Gummizellen" nicht. Die Insassen mussten ihre Notdurft in einen Kübel verrichten.

Foto: Gedenkstätte Hohenschönhausen
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Massiv gesichert: Der Zellengang der MfS-Untersuchungshaftanstalt in Berlin-Hohenschönhausen

Foto: Gedenkstätte Hohenschönhausen
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Blick durch die Tür: Die Krankenzimmer waren ebenso spärlich möbliert wie die Zellen in der Haftanstalt. Außer den Betten gab es nur einen kleinen Tisch und zwei Stühle. Die schweren Türen, die die "Verwahrräume" der Klinik verriegelten, waren baugleich, inklusive Spion und Essensklappe.

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Röntgenraum: Die verschiedenen Behandlungszimmer des Haftkrankenhauses sind heute noch in der Gedenkstätte in Berlin-Hohenschönhausen zu besichten.

Foto: dpa
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Bereit zur Vorführung: Die Aufgabe der Stasi-Mediziner bestand in erster Linie darin, Gefangenen prozessfähig zu machen. Die Aufnahme zeigt das Vernehmungszimmer eines Haftrichters.

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"Ganoven und Gangster" - wie der erste Leiter des Haftkrankenhauses, Dr. Wolfgang Dorr, seine Patienten nannte - wurden noch kurz vor der Operation verhört.

Das Bild zeigt die Waschplätze eines OP-Saals in dem ehemaligen Gefängnishospital.

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Krankenzelle: Bevor in der Klinik Waschbecken installiert wurden, standen den kranken Häftlingen nur Waschschüsseln zur Verfügung. Das Wasser mussten sie sowohl zum Zähneputzen als auch zum Waschen verwenden. Dennoch wurde es nur einmal täglich gewechselt.

Foto: dapd
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Akribische Buchführung: Das medizinische Personal war dazu angehalten, alle Informationen über die behandelten Häftlinge schriftlich festzuhalten. Eine aktuelle Aufnahme durfte in den Haftakten nicht fehlen - hier das Registrierungszimmer im Untersuchungsgefängnis.

Foto: REUTERS
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Düstere Atmosphäre: Die vergitterten Glasbausteinfenster der Krankenzimmer spendeten nur wenig Licht. Allerdings gab es einen Lichtschalter im Raum - im Unterschied zu den Zellen in der Haftanstalt. Dort wurde zuweilen auch mit Schlafentzug gearbeitet, um die Häftlinge gefügig zu machen: Alle 15 Minuten schalteten die Wärter in der Nacht die grelle Neonbeleuchtung der Zelle an und kurz darauf wieder aus.

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Anonym blieben im Haftkrankenhaus sowohl die Patienten, die nur als Nummern registriert waren, als auch die Ärzte, deren Namen die Stasi bewusst vor den Häftlingen geheimhielt.

Ein Untersuchungszimmer im Krankenhaustrakt des Stasi-Gefängnisses Berlin-Hohenschönhausen.

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Strengste Überwachung: Eine Alarmleuchte in einem Korridor im sanierten ehemaligen Haftkrankenhaus. In den siebziger Jahren war in dem Gefängnis-Hospital ein teures umfangreiches Sicherungssystem installiert worden - denn selbst den Schwerstkranken traute die Stasi kriminelle Handlungen wie Geiselnahmen zu.

Foto: dapd
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Unterirdisch: Eine rekonstruierte Zelle des Stasi-Gefängnisses aus den fünfziger Jahren. Die Gefangenen waren damals zunächst in einem Keller untergebracht, den das Ministerium für Staatssicherheit 1951 von der sowjetischen Geheimpolizei übernommen hatte.

Foto: ? Arnd Wiegmann / Reuters/ REUTERS
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Blick gen Westen: Das Haftkrankenhaus mit den Freiganghöfe in einer MfS-Aufnahme von 1988. Auf dem Gelände der Untersuchungshaftanstalt in Hohenschönhausen befindet sich heute eine Gedenkstätte.

Foto: BStU
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Haft-Hospital: Außenansicht des ehemaligen Krankenhauses im Gefängniskomplex Berlin-Hohenschönhausen.

Foto: Gedenkstätte Hohenschönhausen
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