Stasi-Hörspiel - DER SPIEGEL
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Stasi-Hörspiel "Hoffentlich läuft das Tonband. Sie Anfänger!"

Klicken, Knacken, Knistern und alle Farben der Niedertracht - ein Hörspielduo hat aus Original-Tonbändern der Stasi eine außergewöhnliche Collage gestaltet. Wie vertragen sich Verhörmitschnitte und Elektrosounds?
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Per Anruf Denunziation: Die Telefonnummer der Stasi war nicht geheim, sondern stand im Ost-Berliner Telefonbuch. Hier riefen Deutsche aus Ost und West an, um ihre Bekannten oder Freunde zu verraten. Anrufe wie dieser wurden auf Tonband festgehalten: "Das ist eine kleine Rechnung, die offengeblieben ist, weil der mich sehr gepiesackt hat." Zwei Hörspielautoren haben aus den Original-Mitschnitten eine außergewöhnliche Toncollage gestaltet.

Foto: imago images/Jürgen Ritter
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Das Leben der Anderen: Abhören im Schichtdienst in einem verborgenen "Dienstobjekt" nahe Ost-Berlin - bei einprogrammierten Telefonnummern sprangen die Bänder automatisch an.

Foto: BStU/ MfS
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Geheime Stasi-Zentrale in Ost-Berlin: Von hier aus leitete Geheimdienstchef Erich Mielke die Überwachung von rund 16 Millionen DDR-Bürgern, 1989 waren für die Staatssicherheit knapp 100.000 hauptamtliche und 189.000 inoffizielle Mitarbeiter tätig. Zum Vergleich: Bei rund 83 Millionen Einwohnern beschäftigte der Bundesnachrichtendienst BND in seiner neugebauten Berliner Zentrale 2017 knapp 4000 festangestellte Mitarbeiter, der Verfassungsschutz rund 3000.

Foto: ullstein bild/ Willmann
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Technik auf Weltniveau - zumindest damals, oft vorbei an Embargo-Bestimmungen aus dem Westen beschafft. Hier sind es Ost-Berliner Stasi-Büroräume mit Abhör- und Nachrichtentechnik des Typs "TURBAN S". Mitunter meldeten sich auch Anrufer, die schlicht Stasi-Leitungen blockieren wollten. Als "Telefonterrormensch" bezeichnete sich einer selbst und verhöhnte den Stasi-Mann beim Anruf: "Hoffentlich läuft das Tonband. Sie Anfänger!"

Foto: BStU/ MfS
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Immer diese Staatsfeinde! Von früh bis spät mitschneiden, was sich da beim Bürger so zusammenbraut. Hier die Stützpunkte "Quelle 1" und "Quelle 2" im "Zentralobjekt Wuhlheide" im Süden Ost-Berlins. Das Foto zeigt einen automatischen Aufnahmeplatz "TA 10 B und TA 500", EDV-Speicher und Bearbeitungsgerät, um 1979.

Foto: BStU/ MfS
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Griffbereiter Fehlerkatalog: Die Computerprogramme und Betriebssysteme ärgerten allerdings auch schon die Stasi-Mitarbeiter, denn sie funktionierten nicht fehlerfrei. Stasi-Chef Erich Mielke war kein Freund der elektronischen Datenerfassung, er verlangte die Arbeitsergebnisse am liebsten analog - auf Papier. Die elektronischen Daten der Stasi wurden nach einem Beschluss des Runden Tischs 1990 vernichtet.

Foto: BStU/ MfS
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Erfahrenes Duo: Der Autor Andreas Ammer (rechts) und der Musiker FM Einheit haben aus den Original-Tonbändern das Hörbuch "Sie sprechen mit der Stasi" gestaltet. Sie arbeiten bereits seit einem Vierteljahrhundert zusammen. Das Foto zeigt sie im Oktober 2017: Ammer und Einheit hatten die "Symphonie der Sirenen" rekonstruiert, im tschechischen Brünn aufgeführt und daraus ein Hörspiel gemacht. Die 1922 uraufgeführte Symphonie war das wohl lauteste Musikstück der Geschichte, mit Lokomotiven, Schiffen, Alarmsirenen, mehreren Chören.

Foto: AP/ Vaclav Salek
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Technik, die woanders fehlte: Ein Dienstraum mit Nachrichtentechnik der Stützpunkte "Quelle 1" Rhinow und "Quelle 2" im "Zentralobjekt Wuhlheide"

Foto: BStU/ MfS
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Am Ende kamen die Demonstranten: Mitschnitte bis zum Untergang - selbst die Losungen der Demonstranten vor einem Stasi-Gebäude wurden noch auf Tonband gesprochen und sind auf der CD zu hören: Was steht da? 'Der Feind steht im eigenen Land. Wendehälse vor Gericht!' Der Zug setzt sich in Bewegung vor unser Tor. Unmittelbar vor der Tür des Dienstobjektes wird gefilmt. Ein Transparent: Lieber Schnitzel statt Spitzel!

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Im Herzen der Finsternis: Im Januar 1990 besetzten DDR-Bürger das Allerheiligste der Stasi in Berlin-Lichtenberg. Hier schauen Volkspolizisten zu, als Bürger durch das Tor der Stasi-Zentrale in der Normannenstrasse strömen...

Foto: imago images/ Rolf Zöllner
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...und vor dem Eingang eine symbolische Mauer mit Kerzen errichten.

Foto: DPA/ Wolfgang Kumm
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Bis zum bitteren Ende hielten die Chronisten der DDR-Geheimpolizei die Ereignisse fest und sprachen auf Band, was sie vor den Fenstern sahen und welche Losungen auf den Transparenten der Demonstranten standen.

Foto: AP/ Jockel Fink
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Von der Wand auf den Fußboden: So kann's kommen - der langjährige DDR-Staats- und SED-Parteichef Erich Honecker als Fußabtreter bei der Begehung der Stasi-Zentrale am 15. Januar 1990 in der Ost-Berliner Normannenstraße.

Foto: Jockel Fink / AP
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Spiel mit dem Zeichen der Macht: Junge Demonstranten in der Stasi-Zentrale. Das Ministerium für Staatssicherheit (MfS), wie die DDR-Geheimpolizei offiziell hieß, hatte sich im November 1989 noch schnell in "Amt für nationale Sicherheit" umbenannt, um weiterarbeiten zu können. Doch Tausende Bürger stürmten seit Anfang Dezember die Dienstgebäude in vielen DDR-Städten.

Foto: Peter Kneffel / dpa
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Alternative Speisekarte: Die Demonstranten stoppten die Aktenvernichtung, außer bei der Hauptverwaltung Aufklärung (HVA). Sie wollten wissen, was hinter den Kulissen der Macht in der DDR wirklich passiert war - und welchen Einfluss der Geheimdienst auf ihr eigenes Leben gehabt hatte.

Foto: imago images/ Rolf Zöllner
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Als der Volkszorn die Schnüffler traf: So buchstabierten Demonstranten in der Normannenstraße 1990 Stasi.

Foto: imago images/ Sepp Spiegl
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Kampf um die Stasi-Akten: Bärbel Bohley (2. von links) und andere Oppositionelle besetzten im September 1990 die ehemalige Stasi-Zentrale in Ost-Berlin, denn mit der unmittelbar bevorstehenden deutschen Einheit sollten die Akten des DDR-Geheimdienstes vernichtet werden. Darin waren sich viele alte Ost-Politiker der DDR-Volkskammer mit etlichen West-Politikern der Bundesrepublik einig. Und ehemalige, noch nicht enttarnte inoffizielle Mitarbeiter in den Medien machten Stimmung dafür.

Foto: imago images/ Werner Schulze
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Meine Akte gehört mir: Erfolgreich wurde im September 1990 verhindert, dass die Stasi-Akten vernichtet oder unzugänglich wurden. Jeder kann seitdem Einblicke in seine persönliche Akte nehmen, sofern vorhanden. Und Wissenschaftler und Journalisten können die Mechanismen einer deutschen sozialistischen Diktatur beschreiben. Befürchtungen, es könne zu Racheakten und Selbstjustiz kommen, erwiesen sich als falsch.

Foto: DPA/ Hartmut Reiche
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