Aufblasbare Turnschuhe ...und andere Kindheitsträume
Viel Freund, viel Air: Wer Anfang der Neunziger mit den falschen Schuhen auf den Pausenhof kam, stand schon mit einem Bein in der Mülltonne. Für uns zwölfjährige Flaumbärte waren coole Treter ein Muss. Und zu coolen Schuhen gehörte mehr als nur Sohle und Schaft. Sie brauchten ein Gimmick.
Schuld war die Marke Nike, deren Schuhe kleine Fenster in den Sohlen hatten. Dahinter war: Nichts. Das Nichts hieß aber nicht Nichts, sondern Air. An den Nike-Air-Fensterchen drückten wir uns die Nasen platt. Das schmale Taschengeld reichte aber höchstens für Sandalen.
Zum Glück wusste Oma um die Bedeutung von Gimmick-Schuhen. So kam ich in den Besitz von Schlappen der Marke Reebok Pump. An der Lasche der knöchelhohen Dinger war ein Knopf, mit dem man Luft in den Schaft pumpte. Und ich pumpte, bis meine Kameraden vor Neid platzten.
Seltsame Tage waren das damals auf dem Pausenhof - als man noch Mädels damit beeindruckte, dass man Pumps trug.
Von Christoph Stockburger
Kleckern, nicht klotzen: Es war im Sommer 1981. Mein älterer Cousin und ich spielten am Meer. Das heißt: Er spielte, und ich schaute neidisch zu. Er hatte nämlich gerade zum sechsten Geburtstag einen waschechten Fisher-Price-Bagger bekommen. Die Schaufel ließ sich bewegen wie bei einem echten Bagger! Aber natürlich ließ mich mein Cousin nicht mitmachen, als er damit den halben Strand umpflügte.
Also wünschte ich mir zum Unverständnis meiner Eltern zu Weihnachten sehnlichst ein Fisher-Price-Baustellenfahrzeug. Und sie hatten Erbarmen: Unterm Baum stand ein nagelneuer Fisher-Price-Betonmischer! Über einen kleinen, weißen Tank ließ sich dem Sand in der Trommel Wasser zuführen - und erzeugte 1a Kleckermatsch.
Ich konnte es kaum abwarten, ihn meinem Cousin vorzuführen - doch im Winter war es unmöglich, die Sandkiste zu beackern. Erst nach schier endlosen Monaten konnte ich ihm im Sommer meinen Laster präsentieren und war überglücklich, endlich mitspielen zu dürfen. Doch ich wurde nur müde belächelt - schließlich hatte er die neuesten Matchbox-Autos dabei.
Von Nadine Helms
Trendmesser Andre hatte es: Das Rambo-Messer. Ich hatte nur Legosteine. Ich wusste zwar weder, wer Rambo war, noch war ich ein großer Fan von Küchenbesteck. Doch als Andre das Messer zückte, spielte das keine Rolle mehr.
Es war phantastisch: Es hatte fiese Zacken an der Rückseite und einen Kompass am Griff, der sich abschrauben ließ. Im Schaft versteckt: Ein "Seil" (eigentlich eher ein Bändchen), ein Schleifstein und Streichhölzer. Mit diesem Wunder-Werkzeug hätte man die Welt erobern können. Und ich hatte nur das verdammte Lego.
Tagelang versuchte ich, eines zu bekommen, doch vergebens: Andre wollte nicht tauschen und in den Läden unseres Vororts war das Schmuckstück nicht erhältlich. Wäre ich heute ein anderer, wenn ich das Rambo-Messer besessen hätte? Vielleicht wäre ich mutiger geworden und hätte mehr Zeit im Wald verbracht. Wahrscheinlich hätte ich mir aber nur wehgetan.
Von Benjamin Knaack
Geliebter Schrotthaufen: Wenn man Luke Skywalker glaubt, dann sah das Lieblingsspielzeug meiner noch immer andauernden Kindheit aus "wie ein Haufen Schrott". Trotzdem schaffte der Millenium Falke den berüchtigten Kessel-Run in weniger als 12 Parsec. Keine Ahnung, was das bedeutet, da muss man Han-Solo fragen. Bei mir ist der legendäre Frachter aus "Krieg der Sterne" nie geflogen. Dafür war das Teil aus Plastik einfach zu klobig - und ich zu klein.
Nichtsdestotrotz habe ich Anfang der achtziger Jahre stundenlang mit dem Raumschiff und den entsprechenden Action-Figuren gespielt. Die Sturmtruppen suchten an Bord vergeblich nach den Rebellen (Der Dank gebührt dem Geheimfach!), Chewbacca reparierte den Hyperantrieb, Prinzessin Lea machte Liebe mit einem Plastikmännchen, das komischerweise mir sehr ähnlich sah. Ab und zu verirrte sich sogar die Playmobil-Kavallerie an Bord. Die Nachbarskinder waren oft Zeuge dieser wunderbaren Szenen, die es beim "Krieg der Sterne" leider nie so zu sehen gab. Shame on you, George Lucas!
Irgendwann verschwand der Millenium Falke auf Nimmerwiedersehen in den Untiefen einer weit entfernten Galaxie. Vielleicht landete das sperrige Teil auch nur im Keller. Schade drum.
Von Denis Krick
Ausritt im Wandregal: Ich war zwölf und hatte eigentlich nur einen Herzenswunsch: ein eigenes Pferd. Alle Argumente meiner Eltern zu Zeit-, Geld- und Platzproblemen trafen bei mir auf taube Ohren. Leider hatten sie aber das letzte Wort. Und leider musste ich schnell einsehen, dass ein Pferd meine eigenen finanziellen Mittel bei weitem sprengte.
Immerhin: Zu Weihnachten bekam ich von meinen Großeltern dieses Steiff-Pony, das ich Fienchen taufte - nach dem Spitznamen meines Pflegeponys im Reitstall, das ganz ähnlich aussah, wie ich fand.
Im Laufe der Zeit stellte Fienchen sich sogar als sehr viel praktischer heraus als ein echtes Pferd. Ich konnte sie nicht nur viel einfacher in den Urlaub mitnehmen, sondern auch ins Regal stellen, wenn ich nicht mit ihr ausreiten wollte. Und als zwei Jahre später mein Interesse an Pferden abflaute, musste Fienchen nicht ins Tierheim - sondern kam schön säuberlich verpackt in einer Kiste auf den Dachboden. Aber ganz trennen konnte ich mich nie von ihr.
Von Gesche Sager
Radschlag: Wie alle Kinder in meinem Alter wollte ich unbedingt ein BMX-Rad. Natürlich wegen "E.T.". Als die Kinder im Film mit ihren schutzblechlosen Rädern (und außerirdischer Hilfe) durch die Luft flogen, erwachte in mir eine unstillbare Sehnsucht. Die zunächst damit befriedigt wurde, dass ich mein Kinderrad von Schutzblechen und Gepäckträger befreite und den Rahmen ansprühte.
Doch das Glück war auf meiner Seite: Ich bekam ein BMX 2000. In Silbermetallic, mit roten Kunststoffpolstern an Rahmen und Lenker. Die tollen Tricks aus den Filmen brachte ich damit aber kaum zustande. Es war aus Stahl und entsprechend schwer. Ein "Männchen", ein angehobenes Vorderrad, war nur für Sekunden mit viel Schwung möglich, ein "Weibchen" - ein angehobenes Hinterrad - nur mit abrupter Vollbremsung mit der Vorderradbremse.
Dieser Umstand bescherte mir noch im gleichen Jahr große Schmerzen: Ich hatte mir von einem Klassenkameraden sein viel leichteres BMX-Rad mit Kunststofffelgen ausgeliehen und versuchte damit, bergab radelnd, auf die gleiche Weise ein "Weibchen" zu machen - hinten hüpfen, vorne Vollbremsung. Das gelang so gut, dass ich in hohem Bogen über den Lenker flog und schließlich unter dem Fahrrad auf dem Asphalt zu liegen kam, mit gebrochenem Unterarm. Mein nächstes Fahrrad wurde dann ein Rennrad.
Von Christian Stöcker
Ins Farbnäpfchen getreten: Manchmal war es in der Schule extrem wichtig, einen Vogel zu haben. Beim Tuschkasten zum Beispiel. Da musste es ein Pelikan sein. Mit allen anderen Tuschkästen blieb man blass.
Diese Erfahrung musste ich jedenfalls machen, als ich einem Freund beim Geburtstag ("Bitte Turnschuhe und gute Laune mitbringen") einen No-Name-Tuschkasten überreichte. Wenig später packte er den Pelikan von einer anderen Klassenkameradin aus. Wer zuerst kommt, malt zuerst, dachte ich. Da er meinen ja zuerst bekommen hatte, musste sie sich jetzt wohl um ein Ersatzgeschenk bemühen.
Von wegen: Ob ich meinen umtauschen könnte, fragte er mich, der andere sei schließlich ein Pelikan. Seit diesem Tag hege ich ein gesundes Misstrauen zu Marken. Mein Freund hat übrigens kein Ersatzgeschenk bekommen. Den Tuschkasten habe ich dann benutzt. Die Farben kamen mir allerdings wirklich nicht so schön vor wie die der Konkurrenz.
Von Mike Glindmeier
Eine Frau sieht rot Zum 5. Geburtstag bekam ich es: Mein Puky-Rad. In Knallrot. Und mit lästigen Stützrädern, die quietschten. Die ersten Fahrveruche im Flur hinterließen bleibende Spuren an den Wänden - vom Lenker. Trotzdem waren alle begeistert.
Meine beste Freundin Lilly, die ein Stockwerk tiefer wohnte, sollte drei Wochen später auch eins bekommen. Damit war unsere Unzertrennlichkeit besiegelt. Es war wie Blutsschwesternschaft - nur mit Rädern. Zum Glück konnte man die peinlichen Stützräder abnehmen, was ich auch ziemlich schnell tat. Bald schon probten ich und Lilly synchronisierte Kunststücke ein, rhythmisch untermalt von unserem Klingeln.
Doch dann ging ein Kunststück schief: Ich trainierte Schnellfahren auf dem Asphaltberg im Park. Aber als ich ihn hinunterraste, machte mir die Beschleunigung der Pedale plötzlich Angst. Ich kam ins Schlingern, stürzte - und meine Finger klemmten sich zwischen Lenker und Asphalt. Es folgten fünf Stunden OP und vier Wochen, gefühlte zwei Jahre, mit Gips und Schmerzmittel-Alpträumen. Wenn ich mir heute meinen Mittelfinger mit dem Knick im Nagel anschaue, muss ich immer noch an mein Puky-Rad denken. In Knallrot.
Von Mareile Mack
Krrr, krrr, krrrrr. Klick. Zisssschhhhh ...So klang es, wenn ich als Kind im Wohnzimmer das Auto startete und losfuhr. Als ich acht war, lebte und atmete ich für genau zwei Dinge: Die Fernsehserie "Ein Colt für alle Fälle" und meine Darda-Bahn.
Alle meine Freunde wollten lieber eine Carrera-Bahn. Sie fanden es cooler, ihre Rennwagen per Strom zu beschleunigen. Für mich war das nichts. Zu technisch. Zu viele Fehlerquellen. Mal führte die Schiene keinen Strom, dann waren Streckenelemente verbogen, mal klemmte der Stromabnehmer vom Auto.
Ich bevorzugte die Einfachheit der Darda-Aufziehautos, die unkaputtbaren Plastikschienen, die sich zu Phantasiestrecken zusammenstecken ließen und sich Looping um Looping durchs Wohnzimmer schraubten. Außerdem funktionierten die Aufziehkarren auch Off-Schiene und hielten einen Sprung vom Küchentisch locker aus. Von all dem konnten Carrera-Piloten nur träumen.
Carrera war eben was für die Allesimmerrichtigmacher. Aber Darda war Colt Seavers. Zissssccccchhhhhhhhhhhhh!
Von Benjamin Maack
Der rote Blitz Ende der Achtziger bekam ich meinen ersten eigenen Geländewagen: Ein Buggy, Modell "Jet Hopper", lag unterm Weihnachtsbaum, und ich bekam mich kaum ein vor Freude. Doch schon die Jungfernfahrt endete mit einem Totalschaden: Nach wenigen Minuten verlor ich die Kontrolle, das Gefährt schleuderte frontal gegen den Bordstein. Die Vorderradaufhängung war gebrochen, und mein Herz gleich mit.
Also trug ich am nächsten Werktag den demolierten Buggy im Karton zum Händler. Und tischte ihm eine herzerweichende Geschichte auf, wie ich den Wagen bekommen hätte, er sich aber einfach nicht lenken ließ. Zum Glück hatte der Verkäufer alle Hände voll zu tun. Er machte sich nicht die Mühe, in den Karton zu sehen. Er sagte nur: "Ah, das Problem kennen wir. Nimm dir einfach einen neuen". Wie ein Blitz hatte ich den neuen Wagen unterm Arm - und war auch schon wieder aus dem Laden verschwunden.
Meine Freunde und ich hatten wahnsinnigen Spaß mit dem zweiten roten Flitzer - bis nach einigen Monaten auch er wegen eines Schadens aus dem Verkehr gezogen werden musste.
Von Roman Büttner
Maschinenpädagogik: Manchmal ist es ein Fluch, Pädagogen in der Familie zu haben. Der Großvater, der Vater, die Mutter, die Tante - alle Lehrer. Und trotzdem versuchte ich alle Jahre wieder kurz vor Weihnachten, ihr Herz zu erweichen. Ausgerechnet mit einem Wesen, das nichts Menschliches an sich hatte: einem 30 Zentimeter großen, schwarzen Spielzeugroboter.
Ich glaube, es war ein Modell der Firma Dickie. Bei einem Freund hatte ich gesehen: Er blinkte und lief und konnte scheppernde Sätze sagen ("Komm, spiel mit mir, piu, piu, piu!"). Und in meinen Träumen konnte er noch viel mehr: Fliegen, sich verwandeln, sich unsichtbar machen.
Zwei oder drei Jahre klebte ich ein kleines Bild von ihm ganz oben auf meine Weihnachtswunschliste. Da Heiligabend gleichzeitig mein Geburtstag ist, rechnete ich mir gleich eine doppelte Chance aus. Vergebens. Jedes Mal gab es pädagogisch wertvolle Geschenke wie das "Spiel des Jahres".
Ein paar Jahre später wiederholte sich dieses Spielchen noch einmal. Da hieß mein neuer Traumroboter C-64. Dieses Mal hatte ich Glück - ich bekam ihn tatsächlich! Laufen konnte er aber leider nicht.
Von Christoph Gunkel
Blaues Wunder: Ich war groß, stark und Klassenbester. Er war klein, dünn und nahm Nachhilfe in Mathe. Und Deutsch. Und Chemie. Die Rollen waren eigentlich klar verteilt damals, 1987, zwischen den beiden Elfjährigen Christian und Jörn. Dann änderte sich schlagartig alles: Jörn kam mit einer Jeans in die Klasse. Einer West-Jeans.
In der DDR, wo diese Geschichte spielt, war es für ein durchschnittliches Kind schwer, durch Kleidung aufzufallen. Im Rückblick bezweifle ich sogar, dass überhaupt jemand den Drang hatte, aufzufallen. Aber Jörn wollte - und er konnte. Seine Jeans passte perfekt, war weit, hellblau, stone-washed und an den Hosenbeinen mit braunem Leder abgesetzt. Ost-Jeans waren nur hellblau.
"Ist übrigens eine echte Witboy", sagte Jörn und guckte sehr bedeutend.
Es ist meine früheste Erinnerung an das Gefühl Neid. Als ich an dem Tag nach Hause kam, fragte ich meine Mutter nach dieser Jeans. "Es ist eine echte Witboy", sagte ich. Sie zuckte nur mit den Schultern. Ich flehte, aber es half nichts. Auf meine erste West-Jeans musste ich noch weitere drei Jahre warten. Es war eine Levis. Witboy waren da schon wieder out.
Von Christian Gödecke
Dieselmotor für die Hosentasche: Er war klobig, grau - und total toll. Wenn man auf Play drückte, den großen Knopf richtig mit dem Finger reindrückte, dann ertönten Green Day oder die Ärzte. Natürlich spulte man meist zu weit oder nicht weit genug, aber dabei surrte es leise und beruhigend. Und ich wusste: Mein Walkman, der arbeitet. So verlässlich wie ein Dieselmotor. Er gehörte nicht zu der Sorte, die sich in Kassettenbändern verheddert. Und nie brauchte ich ein Ladegerät für den Akku mitzuschleppen.
Eigentlich war ich zufrieden, damals mit zwölf. Bis zu der Klassenfahrt, auf der drei Leute plötzlich einen Discman hatten. Flacher, runder, irgendwie spaciger. Und sie spielten CDs ab, die viel cooler waren als jede Kassette. Klar war ich neidisch. Aber nur, bis wir die Autobahn verließen. Meinen Walkman musste ich nämlich auf der Landstraße nicht in der Hand halten wie ein rohes Ei, damit die Ärzte nicht stotterten.
Und zum nächsten Geburtstag bekam ich einen silbernen Walkman mit blauer Neoprenhülle. Flach, eckig und auch irgendwie spacig.
Von Heike Sonnberger
Erleuchtung: Die Demütigung fing Mitte der neunziger Jahre an, im Winter, immer auf dem Schulweg. Durch die Dunkelheit begannen von Morgen zu Morgen immer mehr Blinklichter über die Gehwege zu huschen.
Schuld war der neueste Schrei aus den USA: Unter meinen Mitschülern waren plötzlich "LA Lights" total angesagt - Turnschuhe mit LED-Leuchten in den Sohlen. Sie funktionierten so simpel wie faszinierend: Beim Auftreten leuchteten die Sohlen unter der Ferse auf - und mit ihnen meine Augen. Denn die Treter waren ideal, um auf dem Schulhof Eindruck zu schinden: Knallbunte Turnschuhe statt spießiger Rohleder-Latschen, ein sagenhaft hoher Preis - und dann dieses Blinken an den Fersen.
Mir leuchtete ein: Wer "Lights" trug, war total cool. Leider blieb ich uncool: Mein Taschengeld reichte für die Leuchtsohlen-Schuhe einfach nicht aus.
Von Peter Maxwill
Durchbruch in der Schule: Dennis hatte den langweiligen Klassiker in Blau, Jasmin lediglich das Konkurrenzmodell in Grün und Oliver, der Arme, den gebrauchten - mit Tintenklecksen gesprenkelten - seines Bruders. Nur meiner war original, neu und mädchentraumhaft rosa: mein Amigo-Ranzen.
Zu meinem sechsten Geburtstag im Juni 1988, pünktlich zur Einschulung, stand er auf dem Gabentisch, ein rechteckiger Kasten, so groß wie unser Fernseher damals. Zum ersten Mal hatte mir meine Mutter einen Markenwunsch erfüllt meistens musste ich die ollen Sachen meiner fünf Geschwister auftragen.
Zwei glückliche Schuljahre erlebte ich mit meinem Amigo-Ranzen. Er brachte mir den Spitznamen "Rosatörtchen" ein, diente mir als Schutzschild bei Attacken böser Jungs und als Schlitten für spontane Rutschpartien im Winter. Und meine Mutter konnte mich guten Gewissens mit einer ach so rückenfreundlichen Tasche mit Reflektoren der höchsten Sicherheitsstufe auf den Schulweg schicken. Unwichtig dagegen, dass der gefüllte Ranzen sieben Kilo wog, ein Drittel meines damaligen Körpergewichts.
Alle Beteiligten waren glücklich, bis zu dem Tag, als sich vor der ganzen Klasse mein Ranzeninhalt samt vergammelter Schulbrote, die unter den schweren Büchern ihr lauschiges Plätzchen gefunden hatten, ausbreitete: Der Boden meines "Rosatörtchens" war durchgebrochen. Einige Klassenkameraden kicherten, die Lehrerin stand ratlos und ich mit hochrotem Kopf da. Von diesem Moment hatte es sich für mich ausamigot.
Von Philine Gebhardt
Am Puls der Zeit: Ende der Achtziger war man nur mit Swatch am Arm so richtig cool. Genau zur gleichen Zeit war ich so richtig uncool. An meinem Gymnasium herrschte ein unerbittlicher Klassenkampf: Internatsschüler aus der Großstadt gegen die Fahrschüler aus den umliegenden Dörfern. Jahre später traf ich eine Mitschülerin, die vergessen hatte, zu welcher Gruppe ich damals gehörte. Sie erinnerte sich, diese Landkinder seien ihr "degeneriert, fast behindert" vorgekommen. Einer der "Behinderten" war ich.
Die Internatler, in neueste Streetwear gekleidet, ließen uns unsere Unterlegenheit spüren: Etwa, indem sie auf dem Schulhof Kleingeld auf den Boden warfen und sich totlachten, wenn wir uns danach bückten. Natürlich war das unhaltbar - ich musste unbedingt irgendwie in dieser erbarmungslosen Hackordnung aufsteigen. Und so ersann ich einen Plan, in dem die unfassbar grellbunte Swatch "Rush for Heaven" eine Hauptrolle spielte - auch, wenn am Ende alles ganz anders lief als geplant...
Von Danny Kringiel
Rockstartraum in Rosa: Es war Liebe auf den ersten Blick. Damals, 1986. Sie stand im Schaufenster unseres Dorfladens und ich MUSSTE sie einfach haben: die Rockstar-Barbie! The one and only! Sie hatte eine blonde Wallemähne und ein Mikro in der Hand. Ihren genauen Namen weiß ich nicht mehr, aber sie sollte tanzen können. So stand es jedenfalls auf dem Karton.
Ich war damals elf und barbietechnisch weit hinter meinen Freundinnen hinterher. Bisher hatte ich lediglich die Herzchen-Ballkleid-Barbie abstauben können. Aber die war nur was für kleine Mädchen. Rockstar-Barbie, die war cool! Die musste her.
Wochenlang nervte ich meine Mutter. Mit Erfolg! Weihnachten kam und unter dem Baum lag ein länglicher Karton, der verdächtig nach Barbie aussah. Doch was war das??? Eine Aerobic-Barbie. Voll peinlich! Die ging gar nicht. Damit brauchte ich mich nirgends blicken zu lassen. Schmach und Schande. Ich heulte wie bekloppt, hat aber nix genutzt.
Drei Monate später bekam ich zum Geburtstag (wohl als Entschädigung) ein Barbie-Papphaus (mit Aufzug!) und ein rosa Barbie-Mofa. Doch da hatte Aerobic-Barbie schon das Schicksal ihrer Herzchengenossin ereilt: Meine Brüder hatten sie in die Finger bekommen und umgestylt. Mit gestutzten Haaren und Edding im Gesicht vegetierte sie nun unter dem Etagenbett meiner Brüder dahin.
Ob Rockstar-Barbie sich wohl besser gegen brüderliche Übergriffe hätte wehren können? Ich habe es nie erfahren.
Eingereicht von einestages-Leserin Janine Karbginski
Was war das Statussymbol Ihrer Kindheit? Erzählen Sie es im Forum!
Rock'n'Roll im Wald: Es war circa 1964, als ich mir nach eifrigem Sparen endlich das eigene Kofferradio mit Mittelwelle und UKW kaufen konnte. Nun konnte ich auch sonntags mitten im Wald die Hitparade von Radio Luxemburg hören. Ein paar Wochen später kam ein Schulfreund mit dem gleichen Modell an - zusätzlich mit Kurzwelle: Er hatte mich übertrumpft.
Eingereicht von einestages-Leser Rolf Klinger.
Jungrennfahrer: Weihnachten 1968 bekam Klaus Kreuer ein bronzefarbenes Kettcar von seinen Eltern geschenkt.