Steherrennen: Auf Speed - DER SPIEGEL
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Steherrennen Auf Speed

Auf komisch anmutenden Fahrrädern strampeln sie knatternden Motorrädern hinterher. Früher gehörten sogenannte Steherrennen zu den Top-Attraktionen auf Radrennbahnen. Damit könnte bald Schluss sein.
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Diesjähriges Steherrennen in Berlin: Mit 80 km/h und mehr drehen die Gespanne aus Schrittmacher vorn und Radfahrer dahinter ihre Runden auf Radrennbahnen. Der Windschatten macht die hohen Geschwindigkeiten möglich.

Foto: Andreas Stenzel / BikeBlogBerlin
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Steher Stefan Schäfer (li.), Schrittmacher Peter Bäuer: Die Beiden fahren seit 2014 zusammen und haben reihenweise Titel abgeräumt.

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Motorrad für Steherrennen in Berlin: Die BMWs wurden 1987 für die Radrennen umgebaut. Der Lenker ist weit nach hinten gezogen, die Griffe enden seitlich der Oberschenkel der Schrittmacher. Sie scheinen auf dem Motorrad zu stehen. Das stimmt jedoch nicht ganz - sie sitzen vielmehr halb auf dem schräg gestellten Sattel.

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Die betagten Motorräder gehören dem Berliner Radsport Verband. Es gibt nur noch wenige Mechaniker, welche die BMW mit Boxermotor überhaupt warten und einstellen können.

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Tachometer eines Schrittmacher-Bikes: Eine Kardanwelle treibt das Hinterrad an, keine Kette. "Das ist gut für die Trikots der Radfahrer, sie kriegen keine Ölspritzer ab", sagt Bäuerlein.

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Bäuerlein mit Steher Schäfer dahinter: Die an einen Abstandshalter montierte Rolle verhindert Stürze, wenn das Rad dem Motorrad zu nahe kommt. Fährt ein Radfahrer dagegen, dreht sie sich einfach.

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Man sieht den Maschinen ihr Alter an. Sie werden nur selten benutzt, was den Motoren eher schadet, meint der Techniker des Radsportverbandes.

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Damit der Schrittmacher 80 Runden lang sicher auf dem Bike stehen kann, wurden spezielle Fußrasten montiert.

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Schrittmacher beim Sechstagerennen Berlin: Der Helm besitzt nach hinten zeigende Öffnungen an den Ohren. Durch diese kann der Mann auf dem Motorrad hören, wenn der Radfahrer etwas ruft - trotz des Lärms der Motoren. Wenn der Steher im Windschatten aus der Puste kommt, ruft er "Ooh". Will er schneller fahren, schreit er "Allez".

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Die Räder der Steher haben eine spezielle Geometrie. Das kleine Vorderrad sorgt dafür, dass die Rolle des Motorrads und die Achse des Fahrrad-Vorderrads genau auf gleicher Höhe sind. Die Gabel vorn wird nach hinten gedreht gefahren. Und der Fahrer sitzt weit vorn auf dem Rad, um möglichst viel vom Windschatten zu profitieren.

Foto: Andreas Stenzel / BikeBlogBerlin
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"Eine Rolle muss nach dem Rennen schwarz sein", erklärt ein Schrittmacher - vom Abrieb des Vorderrads. Diese Rolle hier ist vergleichsweise blank. Sie wurde vor dem Rennen fotografiert.

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Wer die tollkühnen Männer auf ihren schweren Motorrädern und seltsam aussehenden Fahrrädern heutzutage noch erleben will, muss zum Sechstagerennen nach Berlin kommen oder zu den wenigen Steherrennen auf Betonbahnen, die es in Erfurt, Bielefeld oder Forst gibt.

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Steher Schäfer mit seinem Rad: Vom Aufwand und der Einstellung her betreiben wir den Sport professionell", sagt der amtierende deutsche Stehermeister und EM-Dritter im Jahr 2017. "Aber wir können nicht davon leben."

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Steher fahren extrem hohe Übersetzungen von 65:15 und mehr, um auf Geschwindigkeiten von über 80 km/h zu kommen.

Foto: SPIEGEL ONLINE
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Die Renntaktik bestimmt nicht der Radfahrer, sondern der Schrittmacher auf dem Motorrad. "Nur er kann das Rennen lesen", sagt Schäfer.

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Bäuerlein könne an der Körpersprache der anderen Fahrer erkennen, ob diese schon am Limit seien oder nicht. "Ich hingegen habe keine Zeit, mich umzugucken", meint Schäfer. "Ich muss mich voll auf das Motorrad konzentrieren."

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Das Knattern der Motoren erinnert an alte Flugzeuge. Die hohen Geschwindigkeiten sind spektakulär, doch das Geschehen ist nicht zu vergleichen mit einem Massensprint.

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Peter Bäuerlein: "Du darfst nie Angst haben. Nur muss man immer Respekt haben vor dem, was man macht."

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Beim Sechstagerennen in Berlin gehören die Steher zu den Highlights. Allerdings sind sie im Jahr 2018 nur an drei der sechs Tage gefahren.

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Siegerfoto bei den Sixday Berlin 2018: Ausgezeichnet werden nicht etwa nur die Radfahrer, sondern stets das Team aus Schrittmacher und Steher. Der Schrittmacher muss zwar nicht strampeln wie der Athlet in seinem Windschatten. Aber er bestimmt entscheidend die Renntaktik.

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Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?