Steinhoff am Abgrund Aufstieg und Fall des Möbel-Giganten
Turbulente Zeiten beim Möbelriesen Steinhoff, Mutterfirma des Einrichtungsdiscounters Poco: Der Aktienkurs ist eingebrochen, Staatsanwälte untersuchen Unregelmäßigkeiten in der Bilanz. Eine mehr als 50 Jahre alte Erfolgsgeschichte gerät damit ins Wanken.
Der Chef ist schon weg: Nach 20 Jahren an der Spitze des Managements hat Markus Jooste den Posten abgeben müssen.
Noch vor drei Jahren war die Welt für Steinhoff in Ordnung: Firmengründer Bruno Steinhoff beim Börsengang in Frankfurt am Main.
Der Börsen-Umzug von Johannesburg (Südafrika) nach Frankfurt trug der Tatsache Rechnung, dass Steinhoff den Großteil seines Umsatzes und seiner Gewinne in Europa erwirtschaftete. An der Börse zeigte sich auch Chefaufseher Christoffel "Christo" Wiese (Zweiter von rechts). Der südafrikanische Multimilliardär hat Jooste inzwischen als Interimschef beerbt.
Die Geschichte des mysteriösen Unternehmens begann im idyllischen Ammerland (im Bild: Badesee in Nethen).
Dort gründete Bruno Steinhoff 1964 das Vorgängerunternehmen des heutigen Konzerns, die "Bruno Steinhoff Möbelvertretungen und -vertrieb".
Schon bald strebte das Unternehmen danach, ein zweites Ikea zu werden. Ein Erfolgsrezept: Importe billiger Möbel aus dem Ostblock.
Die Schweden machten es ähnlich: Billy-Regale ließ der Konzern beispielsweise in der DDR fertigen - auch von Zwangsarbeitern.
Nach und nach baute Steinhoff ein Imperium mit Fertigungsstätten in Osteuropa, Afrika, Australien und Großbritannien auf.
Stars wie Daniela Katzenberger befeuerten das Wachstum in Kampagnen für Poco und andere Steinhoff-Marken.
Bayern-Star David Alaba gab sich für eine Werbeoffensive zugunsten der österreichischen Tochter Kika her. "I bin a Kika" sagt er in einem Werbesport.
Das Steinhoff-Portfolio wirkt seltsam heterogen: Zahlreiche Marken wie Puris, Conforama oder Abra Mele kamen in den vergangenen Jahren hinzu.
Synergieeffekte sind für Branchenkenner in weit geringerem Maße zu erkennen als bei Ikea. Die Schweden haben ihre Produkte weltweit hochskaliert und vertreiben es weitgehend unter einer Marke.
So unklar der operative Nutzen des Steinhoff-Sammelsuriums ist, desto klarer wird nach und nach der Nutzen für Bilanz und Steuerstrategie. Dubiose Transaktionen haben die Geschäftszahlen aufgebläht und zugleich Gewinne schmelzen lassen - zumindest dort, wo sie hoch zu versteuern wären.
Auch um die hohe Bewertung von Poco in der Bilanz gibt es juristischen Streit. Das operative Geschäft läuft indes offenbar auch nicht rund. Vom Gewinn blieb nach Steuern zuletzt kaum echtes Geld übrig - der Netto-Cashflow sackte auf 13 Millionen Euro. Gestiegen sind indes die Nettoschulden. Der Vertrauensverlust an der Börse erwischt Steinhoff somit in einer denkbar ungünstigen Lage.
Der Aktienkurs der im MDax notierten Aktie ist binnen einer Woche um mehr als 70 Prozent eingebrochen. Binnen fünf Handelstagen ist der Börsenwert von Steinhoff um rund 11 Milliarden Euro gesunken. Nun versucht das Unternehmen, durch Teilverkäufe an frisches Geld zu kommen.