Steinmeiers Dissertation Fehler ohne Absicht
Vom Täuschungsverdacht freigesprochen: SPD-Politiker Frank-Walter Steinmeier behält seinen Doktortitel. Das teilte die Uni Gießen nach einer rund einmonatigen Überprüfung mit. Steinmeiers Dissertation weist demnach kein Plagiat auf. mehr...
Die Uni Gießen hatte angekündigt, die Plagiatsvorwürfe gegen Steinmeier schnell und sorgfältig zu prüfen.
Präsident der Uni Gießen, Joybrato Mukherjee, mit Steinmeiers juristischer Doktorarbeit "Bürger ohne Obdach" bei der Pressekonferenz: Die Voraussetzungen für den Entzug des Doktorgrades seien nicht erfüllt, teilte die Hochschule mit. Es liege weder eine Täuschungsabsicht noch ein wissenschaftliches Fehlverhalten vor.
Hinter den Vorwürfen steckt Uwe Kamenz und sein privates "ProfNet Institut für Internet-Marketing". Der BWL-Professor untersuchte Steinmeiers Doktorarbeit mit seiner Software, die erstellte einen 279 starken Prüfbericht. Das Ergebnis: "63% Gesamtplagiatswahrscheinlichkeit".
Kamenz nutzte allerdings lediglich seine Software und überprüfte die Vorwürfe nicht mehr eigenhändig. Daher finden sich in Kamenz' Prüfbericht zum Teil Fehler, die durch die automatische Texterfassung entstanden sind.
Nachdem Plagiatsexperten die Ergebnisse von Kamenz als unseriös eingestuft hatten, überprüften auch die anonymen Netzaktivisten von VroniPlag Steinmeiers Arbeit. Ihr Procedere ist weitaus aufwendiger als Kamenz'. Auch die VroniPlag-Jäger wurden demnach fündig: Auf 94 von 395 Seiten entdeckten sie nach eigenen Angaben verdächtige Stellen - das entspräche einem Anteil von 23,8 Prozent aller Seiten.
Die Uni Gießen teilt diese Meinung jedoch nicht: Steinmeier sei keine Täuschungsabsicht nachzuweisen - obwohl die Doktorarbeit, die der Politiker Anfang der neunziger Jahre einreichte, durchaus Zitierfehler und handwerkliche Schwächen aufweise.