Umweltschutz Armes Schwein
Das Ausnahmetalent: Er schreibe sogar seine Deutschlehrer an die Wand, hieß es über den Gymnasiasten Horst Stern. In der Kriegsgefangenschaft entdeckte er seine Muttersprache wieder für sich - und entwickelte einen ganz eigenen provokanten und wortgewandten Stil.
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Umstrittener Wald: 1970 wurde der Nationalpark Bayerischer Wald gegründet - und nicht alle waren begeistert. Vor allem Jäger und Holzfirmen bekämpften das Projekt. Horst Stern dagegen gehörte zu den Verfechtern und drehte als eine seiner letzten Sendungen die "Bemerkungen über den sterbenden Wald".
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Trophäenkult der Jäger: Am Weihnachtsabend 1971 verkündete Stern seinem verstörten Publikum, dass zu viel Wild den Wald bedrohe - und deshalb geschossen werden müsse. Zwei Jahre später brachte er an Heiligabend eine Sendung über Schmetterlinge, weil er "bei den Leuten nicht ewig als Weihnachtsschänder in Erinnerung bleiben" wolle.
Sterns Stunde: Als Wissenschaftsjournalist, Filmemacher und Buchautor ließ Horst Stern kaum ein Medium oder Genre aus. Den Höhepunkt seiner Popularität erreichte er mit der TV-Serie "Sterns Stunde", die heimische Tiere in neuem Licht zeigte, aber auch heikle Themen präsentierte.
Bambi ermorden? Weil Jäger Geweihe an der Wand haben wollten, würden die Wildzahlen unkontrolliert nach oben schießen und den Wald gefährden. Sterns "Bemerkungen zum Rothirsch" führten zu einer Reform des Jagdgesetzes.
In Amt und Würden: In den Siebzigerjahren war Stern ehrenamtlicher Naturschutzbeauftragter für den Landkreis Lindau. Er bewarb er sich mit Ansage, "nichts als Ärger" zu machen: "Ich werde die Dinge beim Namen nennen, und ich werde sie auch dann beim Namen nennen, wenn sie dem einen oder anderen unangenehm sind."
Kurz und beschissen: So soll Horst Stern das Leben der Millionen Hennen in Legebatterien einmal umschrieben haben, das er auch in "Sterns Stunde" ungeschönt zeigte. "Ich war der Erste, der diesem Volk gezeigt hat, wo die Frühstückseier herkommen", sagte er in seinem großen Interview im Jahr 1997.
Armes Schwein: Stern stellte in seiner Sendung Schweine als hochintelligente und sehr reinliche Tiere vor, die erst der Mensch "seelisch und körperlich zur Sau" gemacht habe.
Fatale Verhätschelung: Tierquälerei findet nicht nur in Legebatterien und bei der Schweinezucht statt. Horst Stern beklagte bei seiner Arbeit auch das Schicksal von Luxushunden, die als Schmusetier ein artfremdes Dasein führen.
Tierleid in Großaufnahme: Bei einem Zweiteiler über Tierversuche wählte Stern eine differenzierte Herangehensweise und stellte die Experimente ihrem medizinischen Nutzen gegenüber. "Diese Filme sind das Ernsthafteste, was ich je im Fernsehen gemacht habe", sagte er 1997. Trotzdem wurde er danach von vielen Seiten heftig kritisiert und beendete letztlich seine Fernsehkarriere.
Horror vor Gewalt: "Ich kenne den Krieg wirklich in seinen schlimmsten Formen - als Fallschirmjäger ... in Nordafrika, die Grabenkämpfe, sieben Monate lang, es waren Kämpfe mit dem Messer in der Hand", sagte Stern in seinem großen Interview. "Wenn mir dieser Krieg etwas eingetragen hat, dann war es ... eine Abneigung vor Gewalt."
"Leben am seidenen Faden": Warum werden der Regenwurm als Gärtner und die Biene als Wunder der Natur gepriesen, während Spinnen meist nur Abscheu hervorrufen? Stern zeigte die Tiere im Fernsehen und in einem eigenen Buch in ganz neuem Licht.
Berglandschaft in Gefahr: In seinen "Bemerkungen über eine Urlaubslandschaft" wies Stern darauf hin, dass der Mensch aus der Natur der Alpen schon lange eine Kulturlandschaft gemacht habe, die nun aber massiv durch Forstwirtschaft, Jagdpolitik und Tourismus gefährdet sei. Stern selbst bewirtschaftete mehrere Jahre lang einen Allgäuer Berghof, inklusive Schafherde.
Preiswürdig: Horst Stern wurde vielfach für seine journalistische sowie literarische Arbeit ausgezeichnet, aber auch für sein ökologisches Engagement geehrt. Den Bayerischen Naturschutzpreis erhielt er im Jahr 1973 zusammen mit Konrad Lorenz, dessen verhaltensbiologische Studien Stern tief prägten.
Der Tierflüsterer: Wildtiere in seinem Gehege wilderte Stern nach Möglichkeit wieder aus. Nicht alle Pfleglinge stimmten dem zu. Ein von Stern großgezogener Turmfalke beispielsweise blieb weiterhin in der Gegend. Ein Pfiff genügte und der Vogel kam angeflogen, um sich auf Sterns Faust zu setzen.
Tierfilm-Legenden: Während etwa Heinz Sielmann (Foto) und Bernhard Grzimek in ihren TV-Dokumentationen häufig exotische Arten präsentierten, drehte Stern fast ausschließlich heimische Tiere. Er brachte dem Publikum unter anderem das Huhn, das Schwein und den Igel nahe.
Hugin und Munin: So heißen die beiden Raben, die den nordischen Gott Wotan begleiten. Stern fühlte sich daran erinnert, als er zwei Kolkraben auswilderte, die ihn eine Weile noch auf all seinen Spaziergängen umkreisten.
Der Lebensretter: Stern berichtete in seinem großen Interview im Jahr 1997, dass er sogar einmal von Jägern Nachwuchs für sein Gehege erhielt, als sie es nicht übers Herz brachten, Jungfüchse zur Eindämmung der Art zu töten.
Zeitschrift "Natur": Horst Stern brachte das Magazin 1980 auf den Markt, um die Ökologie gleichwertig neben Politik und Wirtschaft zu stellen. "Es darf gedacht werden in NATUR", schrieb er in seinem ersten Editorial. Bis 1984 war er Herausgeber und Chefredakteur der Zeitschrift.
Engagement im Naturschutz: Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) wurde 1975 von Horst Stern und zwanzig weiteren Mitbegründern ins Leben gerufen. Ziel des Vereins war und ist die Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen.
"Bemerkungen über das Pferd": Mit dieser Episode begann die TV-Serie "Sterns Stunde" und der Autor ging gewohnt kritisch an das Thema heran: Bei Rennpferden gewinne etwa immer das Pferd, "das am besten davonlaufen kann". Als er später Reitstunden bei einem besonders harten Ausbilder nahm, hätte er sich wohl selbst gerne davongemacht.
Tierfilm fürs Volk: Viele bekannte TV-Tierexperten präsentierten vor allem exotische Arten und der Zoodirektor Bernhard Grzimek (links) brachte sogar einen Geparden ins Studio. Horst Stern dagegen setzte vor allem auf die heimische Fauna und heikle Themen wie Tierversuche. Auf der Frankfurter Buchmesse 1971 sah man die Beiden bei angeregter Unterhaltung.
Literarische Sternstunden: Mit Bücher wie "Mann aus Apulien" feierte Stern große Erfolge, wurde aber auch heftig verrissen. "Wir müssen den immer noch verkannten Schriftsteller Horst Stern neu entdecken", sagt der Literaturwissenschaftler Ludwig Fischer.
Horst Stern gab dem nun emeritierten Literaturwissenschaftler Ludwig Fischer auch zu privaten Themen im Jahr 1997 ein ausführliches Interview, das dieser in "Unerledigte Einsichten" veröffentlichte. Es folgten weitere gemeinsame Projekte. "Für mich war es ein großer Gewinn, eine Zeit lang mit ihm zusammmenarbeiten zu können", sagt Fischer.
Der Rückzug: Seit der Jahrtausendwende meidet Horst Stern die Öffentlichkeit und hat auch den Kontakt zu vielen alten Freunden abgebrochen. Wie es ihm geht, ist nicht bekannt. Ehemalige Weggefährten berichten, er sei resigniert und fühle sich vergessen.