Stolpersteine Ein Stein, ein Mensch, ein Schicksal
"Über Stolpersteine sollen Menschen mit dem Kopf und mit dem Herzen stolpern", sagt ihr Erfinder Gunter Demnig. Ob in Deutschland, Italien oder Österreich, in Norwegen, Russland oder (wie hier) in Rumänien: Überall würdigt Demnig die Opfer der Nazi-Diktatur, berühmte wie unbekannte. Zuerst geht es ihm aber darum, an jene zu erinnern, die kaum einer kennt: "All die anderen werden ja schon mit zig Gedenktafeln, Museen, Denkmälern gewürdigt."
Mord an einem 14-Jährigen: Seit 2009 erinnert dieser Stolperstein an das Euthanasie-Opfer Ernst Lossa. Der Stein liegt vor dem Kloster Irsee, damals eine Zweigstelle der Heilanstalt Kaufbeuren - dort war das Kind am 9. August 1944 durch Injektion einer Überdosis des Schlafmittels Luminal ermordet worden. Ernst musste sterben, weil...
... er als "unerziehbar" galt. Eine Psychiaterin schrieb: "Es handelt sich demnach bei Lossa, Ernst zweifellos um einen an sich gutmütigen, aber völlig willenlosen, haltlosen, fast durchschnittlich begabten, triebhaften Psychopathen." Lossa, 1929 in Augsburg geboren, war das Kind von Jenischen, die sich traditionell als fahrende Händler verdingten und den Nazis als "Zigeuner" galten. Der Vater landete 1939 im KZ Dachau, Ernst und seine zwei Schwestern kamen ins Heim. "Asocialer Psychopath" steht auf Ernst Lossas Totenschein. Insgesamt ermordeten die Nazis rund 200.000 kranke und behinderte Menschen.
Von der Bühne ins KZ: In Karlsruhe erinnert dieser Stolperstein an die jüdische Schauspielerin und Sängerin Lilly Rosa Amalie Jankelowitz. Die junge Frau mit dem Künstlernamen Lilly Jank war wunderschön und...
... galt als vielversprechendes Talent (undatiertes Foto). Trotzdem erhielt Lilly Jank 1933 ein Berufsverbot. 1936 floh sie mit ihrem Ehemann nach Vichy, 1944 wurde das Paar deportiert. Lilly Jank wurde im KZ Ravensbrück ermordet, ihr Mann kam nach Ohrdruf, eine Außenstelle des KZ Buchenwald. Wo und wie er starb, ist unklar. Einzig der Sohn Viktor Wahl überlebte den Holocaust.
Hier wohnte Anne Frank: Diese vier Stolpersteine liegen seit 2015 im Amsterdamer Stadtteil Rivierenbuurt vor dem Merwedeplein 37 - der letzten offiziellen Adresse von Tagebuchschreiberin Anne Frank und ihrer Familie. Die Franks emigrierten 1933 in die Niederlande. Nachdem die Nazis das Land 1940 besetzt hatten und Annes große Schwester Margot einen Aufruf für ein Arbeitslager in Deutschland erhielt, tauchte die Familie 1942 unter und versteckte sich im Hinterhaus. Am 4. August 1944...
... wurden die Franks verhaftet. Mit ihrer Schwester kam Anne über das Arbeitslager Westerbork in das Vernichtungslager Auschwitz, dann in das KZ Bergen-Belsen. Dort starb sie im März 1945, wenige Wochen vor der Befreiung, an Typhus. Von der Familie überlebte einzig Otto Frank (rechts) den Holocaust. Nach dem Zweiten Weltkrieg kehrt er in die Niederlande zurück und erhielt von Miep Gies die später weltberühmten Aufzeichnungen seiner Tochter Anne. Auf dem (irrtümlich auf 1927 datierten) Familienfoto ist die Tagebuchschreiberin als Baby zu sehen (links auf dem Arm).
Verhaftungsgrund Hautfarbe: 2007 verlegte Gunter Demnig den ersten Stolperstein für einen Afrikaner. Es handelt sich um Bayhume Mohamed Hussein (Geburtsname Mahjub bin Adam Mohamed), während des Ersten Weltkriegs Kindersoldat im Dienst des Deutschen Kaisers. Hussein ging 1929 nach Berlin, nannte sich fortan treudeutsch "Husen"...
... und verdingte sich als Schauspieler, Kellner und Sprachlehrer. 1939 bat Husen (hier ein Foto aus den Dreißigerjahren) um Aufnahme in die Wehrmacht, was ihm jedoch verweigert wurde. Zwei Jahre später wurde er wegen "Rassenschande" denunziert und interniert. Am 24. November 1944 starb Husen im Konzentrationslager Sachsenhausen. Sein Schicksal hat die Afrikanistin Marianne Bechhaus-Gerst recherchiert und 2007 mit dem Buch "Treu bis in den Tod. Von Deutsch-Afrika nach Sachsenhausen - Eine Lebensgeschichte" bekannt gemacht.
Freiwillig ins KZ: Eigentlich wollten die Gestapo-Männer damals nur ihre jüdische Mutter mitnehmen und nach Auschwitz deportieren - doch Erna de Vries, die damals noch Erna Korn hieß, bat darum, auch mitgehen zu dürfen. Die 19-Jährige, die ihrer Mutter um den Preis des eigenen Lebens nahe sein wollte, überredete die Uniformierten, sie ebenfalls zu verhaften. In Auschwitz jedoch...
... wurde Erna bei einer Selektion von ihrer Mutter getrennt und ins KZ Ravensbrück verlegt, wo sie im Siemenslager arbeiten musste. Die Mutter starb am 8. November 1943. Die Tochter überlebte: Auschwitz, Ravensbrück, den Todesmarsch. "Fast jeden Tag gibt es irgendetwas, was mich an Auschwitz erinnert", sagte die damals 91-jährige Zeitzeugin 2015 dem SPIEGEL. "Zum Beispiel, wenn jemand ein Stückchen Brot wegwirft. Das kann ich nicht ertragen."
Konservativer NS-Gegner: Er setzte sich gegen den Terror zur Wehr - und bezahlte mit seinem Leben. Der 1884 geborene Widerstandskämpfer Carl Friedrich Goerdeler war Jurist und Kommunalpolitiker, zwischen 1930 und 1937 Oberbürgermeister von Leipzig. 1937 trat er aus Protest gegen die Entfernung des Leipziger Denkmals für den jüdischen Komponisten Felix Mendelssohn Bartholdy zurück. Ab 1939 avancierte Goerdeler zu einem...
... der führenden Köpfe des konservativen Widerstands gegen Hitler (undatiertes Foto). Goerdeler verurteilte den "politischen Terror" des NS-Regimes, versuchte das Ausland von einem Putsch gegen Hitler zu überzeugen und entwarf Pläne für eine Regierung nach dem Sturz der Nazi-Diktatur - mit ihm als Regierungschef. Obwohl er Hitler verachtete, lehnte er das Attentat vom 20. Juli 1944 aus moralischen Gründen ab. Goerdeler wurde am 12. August 1944 verhaftet, zum Tode verurteilt und am 2. Februar 1945 in Berlin-Plötzensee hingerichtet.
Die deutsche Rüstungsarbeiterin Erna Wazinski wurde von den Nationalsozialisten mit dem Begriff "Volksschädling" geschmäht. Wegen angeblicher Plünderung nach dem Bombenangriff vom 15. Oktober 1939 auf Braunschweig wurde sie von einer Nachbarin denunziert und zum Tode verurteilt. Erna Wazinski starb am 15. Oktober 1944 in Wolfenbüttel unter dem Fallbeil, obwohl sie erst nach Misshandlungen gestanden hatte. Und obwohl die Richter vermerkt hatten: "Die Verurteilte...
... hatte den Eindruck eines harmlosen jungen Mädchens hinterlassen" (das Foto zeigt Erna mit einer Freundin). Jahrzehntelang versuchten die Mutter von Erna Wazinski sowie der Richter Helmut Kramer, posthum die Rehabilitierung des Mädchens zu erwirken, das niemals geplündert hatte: Damals, am Morgen nach der Bombennacht, hatte Erna Wazinski lediglich zwei Koffer, einen Rucksack und ein paar Kleidungsstücke aus ihrem Wohnhaus an sich genommen, von denen sie dachte, dass sie der Mutter gehörten. Noch 1965 rechtfertigte das Landgericht Braunschweig das Todesurteil, erst 1991 rang sich die Justiz endlich zu einem Freispruch durch. Allerdings ohne das skandalöse Vorgehen des Gerichts 1944 zu kritisieren.
Zwei Stolpersteine für einen Mann: Diesen 2013 für das NS-Opfer Jeremus Eugenio Lipschitz verlegten Stein gibt es doppelt. Einmal (wie hier) in italienischer, einmal in kroatischer Sprache - die heute kroatische Hafenstadt Rijeka gehörte in der Vergangenheit zu verschiedenen Ländern. Der jüdische Einzelhändler Lipschitz wurde 1883 in Sümeg (Österreich-Ungarn) geboren. Während seine zwei Söhne 1939 nach Palästina emigrierten...
... und die Tochter mit ihrem Ehemann fliehen konnte, wurde Lipschitz 1944 von deutschen Streitkräften verhaftet und in Auschwitz ermordet, ebenso wie seine Ehefrau Gianetta, seine Schwester und deren Ehemann "Dies ist für mich ein wichtiger Moment des Friedens und des Gedenkens. (...) Dank Gunter Demnig bleibt die Erinnerung an meine Großeltern und alle anderen Holocaust-Opfer lebendig", sagte der Enkel von Eugenio und Gianetta anlässlich der Verlegung der Steine.
Fallbeil für den Widerstandskämpfer: In Hamburg wurde der kommunistische Politiker Franz Jacob im Jahr 2010 mit einem Stolperstein gewürdigt. Der gelernte Maschinenschlosser trat 1920 in die KPD ein und wurde 1933 zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt. Nach der Entlassung schloss er sich dem Widerstand an und wurde ins Zuchthaus Brandenburg deportiert, wo ihn die Nazis am 18. September 1944 hinrichteten. Jacob wurde...
... im Jahr 1964 mit dieser 10+5 Pfennig-Zuschlagsmarke der DDR-Post gewürdigt. Zudem trägt eine Straße in Berlin-Fennpfuhl den Namen des kommunistischen Widerstandskämpfers.
Grausame Menschenversuche: Seit 2014 verlegt Demnig auch in Rumänien seine Stolpersteine. Dieser erinnert an Eva Mozes Kor, die im KZ Auschwitz vom SS-Arzt Josef Mengele für furchtbare Experimente missbraucht wurde. Das Mädchen war zehn Jahre alt, als es mit seiner Zwillingsschwester Miriam in Auschwitz an der Rampe aussortiert wurde. Mengele hatte ein besonderes Interesse an Zwillingen: Er ließ sie mit Krankheitserregern infizieren, nahm Operationen ohne Narkose an ihnen vor, quälte sie zu Tode. Ihr Martyrium beschrieb...
... die Holocaust-Überlebende (Foto von 2015) bei einer Rede in Berlin im Jahr 2000 wie folgt: "Dreimal in der Woche gingen wir in das Hauptlager von Auschwitz zu Experimenten. Diese dauerten sechs bis acht Stunden. Wir mussten nackt in einem Raum sitzen. Jeder Teil unseres Körpers wurde vermessen, betastet, mit Tabellen verglichen und fotografiert. Auf jede Bewegung wurde geachtet. Ich fühlte mich wie ein Tier in einem Käfig. Dreimal in der Woche gingen wir ins Blutlabor. Dort wurden uns Keime und Chemikalien injiziert, und sie nahmen uns viel Blut ab." -
30 Jahre lang redete Eva Mozes Kor mit niemandem über ihre Erlebnisse. Dann brach sie ihr Schweigen - und verzieh öffentlich den Nationalsozialisten, was viele NS-Opfer empörte.
Von der Roten Armee befreit: Neben dem Stolperstein für Eva Mozes Kor liegt im rumänischen Port auch ein Stein für ihre Zwillingsschwester Miriam. Zudem wird dort mit vier weiteren Stolpersteinen an die Eltern Alexander und Zseni-Jaffa sowie deren ältere Töchter Edit und Aliz erinnert: Alle vier wurden in Auschwitz ermordet. Die Zwillingsschwestern...
... wurden am 27. Januar 1945, vier Tage vor ihrem elften Geburtstag, von der Roten Armee befreit. Dieses berühmte Foto zeigt Eva (zweite von rechts, halb verdeckt) und ihre Schwester Miriam (rechts). 1950 siedelten beide nach Israel über. Während Eva noch immer lebt, starb Miriam 1993 mit 59 Jahren - vermutlich an den Spätfolgen der Giftinjektionen in Auschwitz. Auch eine Spenderniere ihrer Schwester Eva hatte den Tod nicht abwenden können.
"Wehrkraftzersetzer": So wurden im Nazi-Jargon Kriegsdienstverweigerer wie Franz Jägerstätter genannt - den Stolperstein verlegte Gunter Demnig 2006 im österreichischen Sankt Radegund (Bezirk Braunau). Trotz vehementer Kritik greift er die NS-Begriffe auf seinen Stolpersteinen auf: Demnig will damit aufrütteln und zum Nachdenken anregen. Den Vorwurf, die Öffentlichkeit verstehe nicht, dass er damit die Nazis zitiert, konterte er 2014 in einem offenen Brief: "Für wie dumm halten Sie denn die Menschheit?", schrieb Demnig.
Der stark religiöse Landwirt Jägerstätter hatte 1938 einen Traum: Er sah einen Zug, in dem immer mehr Menschen einstiegen. Dazu sagte eine Stimme: "Dieser Zug fährt zur Hölle."
Jägerstätter sah darin eine Warnung vor den Nazis. Aus Gewissensgründen verweigerte er den Kriegsdienst, wurde inhaftiert und am 9. August 1943 im Zuchthaus Brandenburg mit dem Fallbeil hingerichtet. Im Jahr 2007 wurde Franz Jägerstätter (undatiertes Foto) in Linz seliggesprochen. Zu Lebzeiten soll er gesagt haben: "Besser die Hände gefesselt als der Wille." Das Leben des Widerstandskämpfers Jägerstätter wurde 2016 von Regisseur Terrence Malick verfilmt, die Hauptrolle in "Radegund" verkörpert August Diehl.
In den Selbstmord getrieben: "Flucht in den Tod" steht auf diesem Stolperstein, der in Berlin an den Homosexuellen Hans Georg Oskar Schulz erinnert. Der 1882 geborene Jurist war Ministerialrat im Reichswehr-, später Reichskriegsministerium. Für seine besonderen Leistungen im Bauausschuss des Olympischen Dorfes Berlin wurde Schulz mit dem Olympia-Ehrenzeichen I. Klasse ausgezeichnet. Was ihn jedoch nicht vor dem NS-Terror schützte: Da er befürchtete...
... wegen seiner Homosexualität von der Gestapo verhaftet zu werden, beging Schulz am 21. April 1937 Selbstmord im Dienstsitz der Heeresverwaltung. Das Foto von 1928 zeigt ihn auf dem Balkon seiner Wohnung in der Leibnizstraße 86 in Berlin.
Zeuge Jehovas: Dieser Stein im österreichischen Krems erinnert an Rudolf Redlinghofer, der als Zeuge Jehovas den Dienst mit der Waffe verweigerte und deshalb am 11. Januar 1940 in Berlin-Plötzensee enthauptet wurde. Das ehemalige Wohnhaus Redlingshofers wurde abgerissen; der Stolperstein befindet sich auf einer dort gebauten Verkehrsinsel. Am Vorabend seiner Hinrichtung verfasste Redlinghofer einen Abschiedsbrief...
... an seine Frau Agnes. Er schrieb: "Sei mir nicht gram liebes Weib! Ich bin meinem Vater Jehova in Christo Jesu gehorsam schuldig und will meiner Verpflichtung ihm gegenüber restlos nachkommen!" Der Abschiedsbrief endete mit den Worten: "Ich umarme Dich geliebtes Weib nochmals aufs Innigste im Geiste und auch meinen Liebling! Tausend Bussi! Und Dir viele herzliche Küsse zum Abschied. Lebt Wohl, auf Wiedersehen im Reiche der Himmel! Amen! Es ist 12 Uhr - gute Nacht!! Euer treuer Rudolf."
Mit dem Knüppel erschlagen: An den Boxer Johann Wilhelm Trollmann erinnert dieser Stolperstein, verlegt 2010 in Berlin. Der Sinto Trollmann, in der Sprache seines Volkes "Rukeli" ("Bäumchen") genannt, wurde 1933 Deutscher Meister im Halbschwergewicht. Aufgrund seiner Herkunft wurde ihm der Titel nach dem Sieg jedoch aberkannt. Daraufhin färbte sich Johann Trollmann die Locken wasserstoffblond, puderte sich ein und parodierte einen "Arier": Da ihm verboten worden war, seine Gegner elegant auszutanzen, blieb er in der Mitte des Rings stehen und ließ sich verprügeln. Trollmann blieb in Deutschland, auch nachdem die Nazis Sinti und Roma 1938 offiziell als "Nichtarier" deklassiert hatten. Er tauchte unter...
... und trat inkognito auf Jahrmärkten auf. 1942 wurde Trollmann verhaftet und ins KZ Neuengamme gebracht, wo ihn SS-Männer immer wieder verprügelten. Nachdem er 1944 im KZ-Außenlager Wittenberge beim Boxkampf den Kapo Emil Cornelius besiegt hatte, nahm dieser einen Knüppel und erschlug Trollmann. Erst 2003 - 70 Jahre nach der Annulierung - wurde Trollmann in die offizielle Liste der Deutschen Meister aufgenommen.
"Ich habe den Krieg verhindern wollen": Stolperstein für Hitler-Attentäter Georg Elser in dessen Geburtsort Hermaringen. Der Schreiner wusste, dass Hitler jedes Jahr am 8. November im Münchner Bürgerbräukeller sprach, um dort an seinen Putschversuch von 1923 zu erinnern. Mehr als 30 Nächte versteckte sich Elser Abend für Abend in dem Lokal, um in der Säule nahe Hitlers Rednerpult einen Sprengsatz zu verstecken. Seinen Zündapparat installierte Elser in der Nacht vom 5. auf den 6. November 1939, doch...
... 13 Minuten vor der Explosion verließ Hitler unerwartet früh den Saal, um den Zug nach Berlin zu nehmen - und entging so dem Attentat. Die Bombe detonierte wie vorgesehen um 20.20 Uhr, acht Menschen wurden getötet, 63 verletzt. Elser wurde in Konstanz festgenommen, als "Sonderhäftling des Führers" im KZ Sachsenhausen und später im KZ Dachau interniert, dann am 9. April 1945 mit einem Genickschuss hingerichtet. "Ich habe den Krieg verhindern wollen", steht auf dem Sockel einer Georg-Elser-Büste in Konstanz.
"Ohne Sinnen gestorben": Sie soll am 12. August 2017 mit diesem funkelnagelneuen Stolperstein in Würselen gewürdigt werden - Rosa Antonette Hubertine Schillings, geborene Droste. Die 1899 in der nordrhein-westfälischen Stadt geborene Frau verlor zwischen 1929 und 1931 erst ihre Mutter, dann ihren Mann Jean und ihre Tochter Inge. Rosa Schillings erlitt eine Depression, ihr Bruder brachte...
... sie in eine Heilanstalt. Die Ärzte diagnostizierten eine paranoide Schizophrenie bei Rosa Schillings - am 2. Mai 1941 starb sie in der Tötungsanstalt Hadamar den Gastod. Als Todesursache gaben die Nazis "Leukämie" an - eine infame Lüge. Ihre Enkelin Gabriele Lübke hat die Krankenakten Schillings Berlin eingesehen und die Geschichte ihrer Großmutter recherchiert. Besonders beeindruckt war Lübke von einem Satz, den Rosa Schillings am 19. Januar 1941 dem Anstaltsarzt sagte: "Ich habe die Ehrenrechte der ganzen Welt. Ich bin als Staatsanwältin angestellt, um selbst aufzuklären, warum ich gemordet worden bin! Ich bin ohne Sinnen gestorben!"