Streetball in Deutschland Aus dem Ghetto auf den Rathausplatz
Von Berlin nach Barcelona: Nicht nur mit Streetculture, sondern auch mit internationalem Flair lockten die Adidas Streetball Challenges Teilnehmer und Besucher. Mehr als 800 Teams mit 2500 Spielern kämpften 1995 im Deutschland-Finale in Berlin um den Einzug in das Streetball-Weltfinale am 10. September in Barcelona.
Marketingtrick: Die Erfindung von Streetball war genau das, was Adidas gebraucht hatte. Tausende Spieler und Schaulustige trafen sich rund um die Welt zu den Adidas Streetball Challenges (hier 1992 in Madrid) - und der Sportartikelhersteller konnte endlich sein verstaubtes Image aufpolieren.
Imagekampagne: Immer wieder ließ Adidas Basketballstars bei seinen Turnieren auftreten, wie etwa 1994 in München den Deutschen Detlef Schrempf, der es damals in das Team der Seattle Supersonics geschafft hatte. Am Spielfeldrand wurden derweil "Talking Cool"-Broschüren mit Streetballsprachcodes verteilt.
Harte Jungs und große Bälle: Zu den Turnieren holte der Veranstalter auch Musiker mit hoher "Streetcredibility" wie den Rapper Marky Mark (heute besser bekannt als Mark Wahlberg - hier bei einem Streetball-Turnier 1992 mit dem NBA-Star Dikembe Mutombo, der damals bei den Denver Nuggets spielte).
Eine Frage der Hautfarbe: Ganz um Streetball drehte sich auch die Komödie "Weiße Jungs bringen's nicht" (im Original "White Men Can't Jump") von 1991 mit Wesley Snipes und Woody Harrelson in den Hauptrollen.
Authentizität vom Reißbrett: Madrid, Paris, London und Berlin waren die ersten Veranstaltungsorte von Adidas' Streetballturnieren (hier 1992 in Madrid).
Werbefläche: Am 14. Mai 1993 war die Adidas Streetball Challenge zu Gast in Halle an der Saale. Und während das Fahnenmonument im Hintergrund noch die rote Farbe des Sozialismus trägt, spielen die Jungs vorne schon eine Sportart, die sich ein Konzern ausgedacht hat.
Freizeitsportler: In den neunziger Jahren konnte Adidas mit seinen Streetball Challenges überall in der Republik die Parkplätze mit bunt gekleideten Jugendlichen füllen, die von der großen weiten Welt träumten. Der Hype ist inzwischen abgeklungen, die Rechte an dem Begriff hält die Firma aber bis heute.
Andere Zeiten: Das erste Streetball-Event in Deutschland fand am 22. und 23. August 1992 auf dem Marx-Engels-Platz vor dem Palast der Republik in Ost-Berlin statt. Über das Hammer-und-Zirkel-Symbol am Palast hängte der Veranstalter kurzerhand ein Streetball-Banner.
Körbe werfen: Davon träumte so mancher deutscher Streetballspieler, der auf einem Parkplatz vor dem Supermarkt seiner Kleinstadt an der Adidas Streetball Challenge teilnahm - einmal "im Ghetto" ein paar Körbe werfen, ganz wie diese Teenager im Februar 2001 im Marcus Garvey Park in Harlem.
Auf der Straße: Die Realität des Streetball war weit weniger attraktiv. Zwischen Müllhaufen und ganz ohne TÜV-geprüftes Spielgerät vertreiben sich ein paar Kinder im Februar 2007 die Zeit an einer Straßenecke im Norden von Philadelphia.
Hoch hinaus: Gut dotierte Werbeverträge mit Adidas ließen auch immer wieder große Basketballstars bei den Veranstaltungen auftreten. So kam ein Junge in Budapest dazu, sich am 15. September 1996 mit Kareen Abdul Jabbar zu messen.
Werbung an der Mauer: Sehr öffentlichkeitswirksam ließ Adidas seine Streetball-Veranstaltungen auch an ungewöhnlichen Orten stattfinden. So etwa 2001 am Rand von Peking, direkt an der Chinesischen Mauer. Die Aktion mit dem amerikanischen Basketballspieler Kobe Bryant warb für die neue Kobe-Reihe von Sportschuhen und -kleidung von Adidas.
Sieg nach Punkten: Was im Kalten Krieg noch unmöglich gewesen war, ging ganz problemlos mit Streetball. Konzerne wie Adidas und Coca-Cola sponserten Turniere im Herzen der ehemaligen Sowjetunion - wie etwa dieses im Juni 2000 in St. Petersburg.
Perfekt gerüstet: Zu seinen Streetballturnieren, wie dieses am 21. Juni 1997 auf dem Hamburger Heiligengeistfeld, lieferte Adidas immer auch gleich die passende Ausrüstung mit. Mit dem Traum von der amerikanischen Subkultur im Hinterkopf kauften sich gelangweile Mittelstandskinder die T-Shirts, Schuhe, Caps und Bälle mit dem Logo der Firma aus Herzogenaurach.
Werbeträger: Zu seiner Hochzeit hatte auch Streetball seine Stars - beispielsweise Grayson Boucher, der auch der "Professor" genannt wurde (hier im Dezember 2004 bei Fernsehaufnahmen in San Diego).