Studieren mit Behinderung Endstation Brandschutztür
Marie-Louise Pfaue macht an der Universität Bielefeld ihren Master in Interdisziplinären Medienwissenschaften.
Die 24-Jährige leidet unter Muskelschwund und braucht für die meisten alltäglichen Dinge Hilfe.
Mit einem Lifter können Assistenten sie aus dem Rollstuhl heben und aufs Bett legen. Viele Helfer nehmen sie auch auf die Arme, aber das belastet auf Dauer den Rücken.
Assistenten helfen ihr rund um die Uhr, beim Anziehen, aber auch beim Duschen oder bei Toilettengängen.
Felix Vogt gehört seit mehr als einem Jahr zum Team der 14 Assistenten. Er achtet unter anderem darauf, dass sich die Räder ihres Rollstuhls nicht an der Straßenbahn verkanten.
Vogt ist genauso alt wie Pfaue und hilft ihr, auf dem Campus Türen zu öffnen und Aufzüge zu bedienen oder in der Mensa das Tablett zu tragen.
Das Hauptgebäude der Uni ist fast 50 Jahre alt und voller Brandschutztüren, die sich nicht alle automatisch öffnen lassen.
Pfaues Lieblingsplatz im Hauptgebäude ist die "Treppe, die im Nichts endet". Treppen und kaputte Aufzüge seien die größten Hindernisse im Studium, sagt Pfaue.
Man habe damit begonnen, das Gebäude zu modernisieren, teilt die Hochschule mit.
Später würde Pfaue gerne Kinderbücher schreiben oder Kindersendungen machen. Sie wuchs im Erzgebirge zusammen mit drei jüngeren Brüdern auf.
Ihre Eltern merkten, dass etwas nicht stimmte, als Pfaue nicht Krabbeln lernte. Die Diagnose: spinale Muskelatrophie.
Seit ihrer Kindheit braucht Pfaue Unterstützung. Sie kann nicht laufen, nicht einmal aus eigener Kraft sitzen.
Auf Partys, ins Kino oder auf Reisen geht Pfaue trotzdem. Und an einige Freundinnen von früher schickt sie alle paar Tage eine Postkarte - und bekommt entsprechend viele zurück, die ihr Schlafzimmer schmücken.