Studienabbrecher Wollen wir sie reinlassen?
Studienabbrecher Thomas F.: Bierbrauer hatte er schon in der Berufsausbildung gelernt und wollte sein Wissen an der Hochschule vertiefen. Nur klappte es partout nicht mit dem Prüfungsfach Chemie. Eine Stelle bei einer Heidelberger Brauerei fand F. trotzdem. Ebenso fädeln sich viele andere Abbrecher in den Arbeitsmarkt ein, auch wenn sie etwas Anlauf brauchen. mehr...
Lutz W. ist der Chef von Thomas F. bei der Brauererei und traut ihm einiges zu. Auf ein Diplom komme es nicht so an, findet Wirsching: "Da schauen wir ganz auf die Person und ihre Qualifikation, gut genug ist Thomas allemal."
Campus der Fachhochschule Brandenburg: Die meisten deutschen Universitäten und Fachhochschulen kümmern sich wenig bis gar nicht um die Problemgruppe Studienabbrecher. An der Bradenburger FH, einer Nachwende-Neugründunng vor den Toren Berlins, ist das anders. Sie bietet eine Abbrecher-Beratung an, die sinnigerweise "Plan B" heißt.
Studienabbrecher Frank Tartelt: Die Mathematik und er wollten einfach keine Freundschaft schließen, dreimal scheiterte er an der Mathe-Prüfung - und vorbei war's mit dem Informatikstudium an der FH Brandenburg. Wer so aus dem Studium fliegt, darf es auch nie mehr anderswo probieren, jedenfalls nicht im gleichen Fach. Vergeigte Prüfungen bedeuten aber keineswegs, dass jemand nichts kann oder nichts gelernt hätte an der Hochschule. Viele Unternehmen verzichten trotz Fachkräftemangels lieber auf Experimente und vertrauen traditionellen Zertifikaten: haben wir immer schon so gemacht, könnte ja jeder kommen.
Thomas Alles: Nach einigen Jahren Publizistik verzichtete er auf einen Abschluss, arbeitet heute als Teamleiter im Kundensupport einer Onlinebank und ist mit seinem Job zufrieden. In den Geistes- und Sozialwissenschaften sind die Berufsaussichten generell vage, andererseits hat man auch viele unterschiedliche Möglichkeiten. Wer sie nutzen und potentielle Arbeitgeber überzeugen will, braucht nicht zuletzt Hartnäckigkeit.