Sturzflug im Jumbo-Jet - DER SPIEGEL
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Sturzflug im Jumbo-Jet Noch 40 Sekunden bis zum Tod

Leitwerke zerfleddern, Geschirr kracht durch die Kabine, Tragflächen verbiegen: 1985 bringt ein eigentlich harmloser Triebwerksausfall eine Boeing 747 der China Airlines in Schwierigkeiten. Es folgen ein zehn Kilometer tiefer Sturz - und ein Wunder der Luftfahrtgeschichte.
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Drama über den Wolken: Eine Reihe von technischen Problemen, die mit dem Ausfall des vierten Treibwerks begann, führte am 19. Februar 1985 zu einer Beinahe-Katastrophe über dem Pazifik. Die Maschine des China-Airlines-Fluges 006 ging - nur 500 Kilometer vom Zielflughafen Los Angeles entfernt - plötzlich in einen Sturzflug über. Zweimal erreicht das Flugzeug dabei Geschwindigkeiten, die den Konstrukteuren der Maschine das Blut in den Adern hätten gefrieren lassen. Die höhere der beiden liegt bei Mach 0,99, also nur 16 km/h unter der Schallgeschwindigkeit und damit weit über derjenigen, die für die 747 einst als gefahrloser Maximalwert angesetzt worden war.

Foto: Sal Veder / AP
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Nachdem ein Triebwerk ausgefallen war und der Pilot nicht vorschriftsmäßig reagiert hatte, kippte der vierstrahlige Jumbo plötzlich bei einer Reiseflughöhe von 12.500 Metern über die rechte Tragfläche und ging in den Sturzflug über. Diese Darstellung aus dem offiziellen Untersuchungsbericht veranschaulicht die unterschiedlichen Fluglagen während des Sturzfluges.

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Durch den beispiellosen Sturzflug und die dabei auftretenden Fliehkräfte verbogen die Flügel des Jumbo-Jets, die Fahrwerkstüren wurden aus ihren Verankerungen gehebelt und riesige Stücke des Höhenleitwerks rissen ab.

Das Wrack des China-Airlines-Fluges 006 von Taiwan am 19. Februar 1985 nach der Notlandung am Flughafen von San Francisco.

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Beim 10.000 Meter tiefen Sturzflug brachen am rechten Seitenruder der Boeing 747 drei Meter ab, am linken Ruder fehlten anschließend eineinhalb Meter. Erst in einer Höhe von 2700 Metern Höhe gelang es der Crew, den Jumbo wieder unter Kontrolle zu bringen - 40 Sekunden später, und der Jet wäre im Pazifik zerschellt.

Foto: AP
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Passagier Bill Peacock: "Als die Nieten aus dem Rumpf herausplatzen, klang das, als ob Kugeln auf das Flugzeug treffen würden", erinnert sich der Geschäftsreisende Bill Peacock in "Mayday - Alarm im Cockpit" an die dramatischen Minuten im Sturzflug-Jumbo. Die kanadische TV-Serie dokumentiert Katastrophen der Luftfahrt und widmet sich in der Folge "Panik über dem Pazifik" (2006) dem freien Fall über dem pazifischen Ozean.

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China-Airlines-Pilot Ho Min-Yuan versucht am 21. Februar 1985, drei Tage nach dem Unglück, auf dem Flughafen von San Francisco zu erklären, wie es zu der Beinahe-Katastrophe kommen konnte.

Foto: AP
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Passagier Seksan Caniyo: "Wir wussten nicht, ob wir sterben würden", erinnert sich Seksan Caniyo, der seinen Geburtstag in der Maschine feierte, an seine Todesangst. "Die Leute flogen wie Popcorn gegen die Kabinenwände", sagte er später. Die Fluggäste ...

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... feiern den Piloten frenetisch - nichtwissend, dass der Flugkapitän sie in diese missliche Lage gebracht hatte. Aber vielleicht gilt der Beifall auch nur den Konstrukteuren der überaus belastbaren Boeing 747, die ihn wahrhaftig verdient haben.

Aus der kanadischen Dokumentarserie "Mayday - Alarm im Cockpit", Folge "Panik über dem Pazifik" (2006).

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Im Rahmen der Untersuchungen nach der Beinahe-Katastrophe kamen die Ermittler zu dem Ergebnis, dass der Unfall vermutlich verhindert hätte werden können - wenn der Pilot ausgeschlafen gewesen wäre. Kapitän Ho Min-Yuan beteuerte zwar, dass er nicht übermüdet gewesen sei, sagte aber später aus, dass er auf Langstreckenflügen nie gut schlafe. Er war während seiner Ruhezeit aufgestanden und ins Cockpit zurückgegangen.

Aus der kanadischen Dokumentarserie "Mayday - Alarm im Cockpit", Folge "Panik über dem Pazifik" (2006).

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?