Subversiver Schlager - DER SPIEGEL
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Subversiver Schlager Hit gegen Hitler

"Einmal muss es vorbei sein": Mitten im Bombenhagel nahm Filmlegende Hans Albers Ende 1944 seinen größten Hit auf. "La Paloma", der Titelsong aus "Große Freiheit Nr. 7" schockierte NS-Propagandachef Goebbels mit provokanten Textzeilen. Film und Lied wurden verboten - und doch zum Riesenerfolg. Von Rüdiger Bloemeke
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Erfolgsstory: Helmut Käutners Film "Große Freiheit Nr. 7", der von 1943 bis 1944 gedreht wurde, kam erst nach dem Krieg in Westdeutschland in die Kinos. Es war der erste große Leinwanderfolg der Nachkriegszeit, Hans Albers' Titelsong "La Paloma" war in allen Rundfunksendern zu hören.

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Albers legt nach: 1953 legte Hans Albers sein berühmtes Lied noch einmal auf. Da erlebte er gerade ein Comeback mit dem Film "Käpt'n Bay-Bay" und drehte "Auf der Reeperbahn nachts um halb eins".

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Männersache: Eigentlich war "La Paloma" als Seemannslied Männersache - und wurde entsprechend vor allem von Männern gesungen. Zu den wenigen Ausnahmen zählte Connie Francis, die eine englische und eine italienische Version aufnahm.

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Immer wieder "La Paloma": Nach der Devise "'La Paloma' kann man praktisch alle zehn Jahre zum Hit machen" heckte das Erfolgsteam Christian Bruhn und Georg Buschor 1973 für Mireille Mathieu ein "La Paloma ade" aus.

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Renaissance für "La Paloma": Der amerikanische Bandleader Billy Vaughn sammelte in den fünfziger Jahren mit seinen Instrumentals in Deutschland Goldene Schallplatten ein. Nach seinem Riesenhit "Sail Along Silvery Moon" legte er 1958 "La Paloma" nach. Damit stieß er hierzulande die seither größte Renaissance für das Lied an. Mit einem Mal wurde der Musikmarkt mit Kopien seiner Version überschwemmt. Sogar die Filmindustrie ließ sich von Billy Vaughn zu einem Musikfilm anregen.

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Verfilmung mit Schlagerstars: Angestachelt vom Erfolg der Billy-Vaughn-Version von "La Paloma" stellte der deutsche Polydor-Plattenproduzent Gerhard Mendelson 1959 das Repertoire für einen "La Paloma"-Film zusammen. Im Film sang Jean Thomé den Song. Außer ihm kamen auch Louis Armstrong und Ted Herold zum Einsatz. Dessen Urteil: "Die Filmchen damals - schlimm: Man nahm eine Hand voll Schlagerstars und baute eine Handlung drumherum."

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Das Original: Die Kaiserzeit brachte das "Mexikanische Lied" zur vollen Blüte. Notenblätter mit der Originalkomposition von Yradier wurden zum Renner bei Hausmusikern.

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Neuinterpretation des "King" : Für den Presley-Film "Blue Hawaii" schrieben seine Musikverleger die besten Komponisten der USA an, die bisher mit Liedern für Elvis Erfolg gehabt hatten. In die engere Auswahl kam Don Robertson aus Kalifornien, der 1961 in seinem Studio eine Demo-Platte von "La Paloma" für den "King" aufnahm. Er nannte das Stück "No More" und machte daraus ein Lied über verlorene Liebe: "No more, do I see the starlight caress your hair ..." Elvis übernahm die Vorlage und die LP mit dem Lied wurde sein größter Verkaufserfolg.

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Tauben-Theater: Szenenfoto aus dem deutschen Revuefilm "La Paloma" von 1959. Darin wurde viel getanzt und noch mehr gesungen, die Story war zu vernachlässigen.

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Tauben-Klassiker mit Möwen: Als Freddy Quinn 1961 seine Version des Liedes von der Taube herausbrachte, war der Vogel auf den Plattenhüllen schon längst zur Möwe mutiert.

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In Gedenken an Hans Albers: In Hamburg-St. Pauli gibt es einen Hans-Albers-Platz, auf dem schräg gegenüber vom Lokal "La Paloma" dieses von Jörg Immendorff geschaffene Denkmal für Hans Albers steht. In der Hand hält er das Schifferklavier, mit dem er in "Große Freiheit Nr. 7" aufgetreten war.

Foto: Rüdiger Bloemeke
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Provokateur Käutner: Der Filmregisseur Helmut Käutner (1908-1980) gehörte zu den wenigen, die sich während der Nazi-Zeit nicht vom Regime vereinnahmen ließen. Nachdem seine erste Regiearbeit "Kitty und die Weltkonferenz" wegen "anglophiler Tendenzen" von Joseph Goebbels verboten worden war, konnte er sich der Aufforderung des Propaganda-Ministeriums, einen Film über das deutsche Volkslied zu drehen, nicht entziehen. Die Lieder, die der vom Kabarett geübte Käutner für den Film schrieb, waren allerdings eine Provokation für die braunen Machthaber.

Foto: Denkmalschutzamt Hamburg
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Keine Freiheit: Im Hamburger Kino "Waterloo" in der Dammtorstraße wurde "Große Freiheit Nr. 7" mit dem Hinweis angekündigt, dass "dieser einzigartige Farbfilm ... dem Filmpublikum durch Verbot jahrelang vorenthalten" wurde.

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Importschlager: Nicht nur in Nordamerika galt Yradiers Originalversion von "La Paloma" lange Zeit als "Song of Mexico". Das Foto zeigt ein US-Notenblatt.

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Jugendstil-Taube im Anflug: In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde "La Paloma" nicht nur als Notenblatt verbreitet, es gab auch Romane mit dem Titel und ein Drama. Und Joachim Ringelnatz zitierte sein Lieblingslied im Gedicht.

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Seemanns Abschied mit Goldrand: 1906 erschien diese Postkarte mit dem "La Paloma"-Text von Heinrich Rupp. Der Text war nicht weniger verkitscht als das Motiv: "Falle ich einmal zum Raube des empörten Meer, fliegt eine weiße Taube zu Dir her, lasse sie ohne Fehle zum Fenster ein, mit ihr wird meine Seele dann bei Dir sein!"

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Sehnsucht als Fotomotiv: Im Jahr 1906 entdeckten die Postkarten-Künstler die Zugkraft "von La Paloma". Meist waren die Motive gemalt, aber für diese Postkarte hat ein Berliner Lichtbildner Models ins Fotostudio geholt.

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Ein letzter Kuss: Die Seemannskiste ist schon an Bord, der Matrose nimmt noch Abschied von seiner Liebsten, bevor in Holzpantinen an seinen Arbeitsplatz geht. Diese "La Paloma"-Postkarte wurde 1906 verschickt.

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Militär-Kontrolle: Schellack-Schallplatte mit der Original-Hans-Albers-Aufnahme von 1944. "La Paloma" durfte nach dem Krieg nur mit Kontrollnummer der "Nachrichtenkontrolle der Militärregierung" angeboten werden.

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Musikdirektor Rupp: Der Mainzer Heinrich Rupp (1838 - 1917) spielte eine entscheidende Rolle in der Geschichte von "La Paloma" in Deutschland. Für seinen Auftraggeber Schott übersetzte er den Text des Liedes ins Deutsche. Dabei stützte er sich allerdings statt auf die spanische Version auf die französische, die auch im Musikverlag Schott erschienen war. Diese hatte zum ersten Mal das Seemannsmotiv zum Inhalt. So schuf Rupp die unsterblichen Zeilen, die beginnen: "Mich rief es an Bord, es wehte ein frischer Wind ...". Gleichzeitig kreierte er damit das Genre des deutschen Seemannsschlagers.

Foto: Stadtarchiv Mainz
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?