Suche nach Kriegsopfern - DER SPIEGEL
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Suche nach Kriegsopfern Leben mit den Toten

Schon 20.000 Tote hat er ausgegraben: Auf Schlachtfeldern des Zweiten Weltkriegs sucht Erwin Kowalke nach vermissten Soldaten. Anhand von Knochen, Brillen, Taschenuhren spürt der Umbetter der Identität der Toten nach. Er will den Angehörigen Gewissheit schenken - und einen Ort für ihre Trauer.
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Gefundener Stahlhelm: Unbekannte Soldatengräber werden meist durch Zufall bei Bauarbeiten entdeckt oder durch den Einsatz von Metalldetektoren. Liegt eine Pistole, ein Bajonett oder ein Stahlhelm neben dem toten Soldaten unter der Erde, schlägt das Suchgerät an. Diesen Helm fand Umbetter Erwin Kowalke im Kessel von Halbe.

Foto: Thomas Kretschel
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Umbetter bei der Arbeit: Vorsichtig legt Erwin Kowalke die 2005 in einem Waldstück in Ostbrandenburg gefundenen Überreste eines gefallenen Soldaten in einen Pappsarg. Auch mehr als 60 Jahre nach Kriegsende werden unter deutscher Erde immer noch Zehntausende vermisste Soldaten vermutet.

Foto: ddp
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Notdürftig begraben: Ab Ende 1944 kämpften die Soldaten der Wehrmacht auf deutschem Boden. Für Abertausende wurde die heimatliche Erde zum Grab, wie hier bei Halbe. Die meisten Gefallenen der letzten großen Schlacht des Zweiten Weltkriegs südlich von Berlin wurden nur noch notdürftig verscharrt. Das Bild von 1945 zeigt ein mit Zweigen provisorisch angelegtes deutsches Soldatengrab im Kessel von Halbe.

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Spur der Stiefel: Dieser verwitterte Lederschuh verrät Umbetter Erwin Kowalke das der Tote ein russischer Soldat ist - die Sohle ist genoppt, wie es bei den Soldatenstiefeln der Roten Armee üblich war.

Foto: Thomas Kretschel
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Schnipseljagd: Manchmal kann sogar ein Papierschnipsel bei der Spurensuche helfen und Auskunft über die Herkunft eines unbekannten Gefallenen geben - hier lassen sich die Fetzen als Reste eines russischen Telefonverzeichnisses identifizieren.

Foto: Thomas Kretschel
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Kamm als Spur: Beim Graben in einem Waldstück am Oder-Havel-Kanal nordöstlich von Berlin beförderte der Spaten von Umbetter Erwin Kowalke diesen gelben Kamm zutage. Über sechs Jahrzehnte lag er neben einem Toten in der Erde Brandenburgs. Aber selbst so ein Fundstück kann das Geheimnis der Identität eines Gefallenen lüften helfen.

Foto: Thomas Kretschel
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Lederne Brieftasche: Aus dem Soldatengrab am Oder-Havel-Kanal förderte Umbetter Erwin Kowalke auch eine Ledergeldbörse hervor - leider ohne Ausweis oder Fotos, die Hinweise auf die Identität des Toten geben könnten, sondern nur einigen Münzen.

Foto: Thomas Kretschel
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Wichtiger Fund: Wenn die Erkennungsmarke bei einem namenlosen Toten gefunden wird, lässt sich dessen Identität anhand der eingeprägten Nummer und den dazugehörigen Personalakten in der "Deutschen Dienststelle" klären. Die Marke "ist so etwas wie der Personalausweis", sagt Umbetter Erwin Kowalke.

Foto: Thomas Kretschel
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Umbettungskladde: Über jeden seiner Funde führt Erwin Kowalke genau Protokoll. Die Knochen verraten ihm die Größe des Gefallenen und das geschätzte Alter des Mannes. Dieser Soldat, der am 12. Juli 1996 in Polen umgebettet wurde, war 1,74 Meter groß und circa 30 bis 40 Jahre alt. Die Schraffur an der Skelettzeichnung zeigt an, dass der Schädel des Soldaten zerschmettert wurde.

Foto: WASt/Peter Kirchhoff
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Kessel von Halbe: Allein in den letzten zehn Apriltagen des Zweiten Weltkriegs starben im Kessel von Halbe rund 60.000 Menschen. Die Aufnahme von 1945 zeigt zerstörtes Kriegsgerät bei Teupitz nach der Schlacht.

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Soldatenfriedhof Halbe: In den letzten Apriltagen 1945 fielen im Kessel von Halbe südlich von Berlin rund 40.000 deutsche Soldaten. 1951 wurde in Halbe ein Zentralfriedhof für die Opfer einer der letzten großen Schlachten des Zweiten Weltkriegs eingerichtet. Die Überreste von Tausenden Gefallenen werden noch in Brandenburgs Erde vermutet.

Foto: dpa
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Vergessene Soldatengräber: Umbetter Erwin Kowalke bei der Bergung der Skelette toter Soldaten 2008 im brandenburgischen Seelow. Innerhalb weniger Tage waren Anfang 1945 bei den Gefechten auf den Seelower Höhen fast 50.000 deutsche, russische und polnische Soldaten getötet worden. Diese Toten waren ursprünglich in einer russischen Kriegsgräberstätte beigesetzt worden. Doch als die 1972 aufgelöst wurde, gerieten die sterblichen Überreste der Soldaten in Vergessenheit.

Foto: ddp
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Fundstücke: Diese Gegenstände - Erkennungsmarke, Fahrschein, Abzeichen - wurden gemeinsam mit den Überresten gefallener Wehrmachtssoldaten gefunden. In vielen Fällen können die unbekannten Toten anhand solcher Stücke identifiziert werden, insbesondere, wenn eine Erkennungsmarke darunter ist.

Foto: dpa
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Nachlass in Kisten: Die Deutsche Dienststelle der ehemaligen Wehrmachtsauskunftsstelle (WASt) in Berlin sammelt alle persönlichen Gegenstände, die Umbetter bei unbekannten Soldaten gefunden haben. Gut verpackt und durchnummeriert zum Abgleich mit den Unterlagen der Wehrmachtsangehörigen warten sie hier darauf, vielleicht irgendwann einmal an Angehörige übergeben zu werden.

Foto: WASt/Peter Kirchhoff
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Habseligkeiten: Ob Taschenuhr, Brille oder Tabakpfeife - in der Asservatenkammer der Wehrmachtsauskunftsstelle (WASt) stapeln sich persönliche Gegenstände von unbekannten Gefallenen. Meist bleiben sie dort liegen, weil die Angehörigen der toten Soldaten nicht gefunden oder die Identität der Gestorbenen nie zweifelsfrei geklärt wurde.

Foto: WASt/Peter Kirchhoff
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Identitätssuche mit Kompass: Weil in den Kriegswirren zahlreiche Personalakten der Wehrmacht verloren gingen oder vernichtet wurden, können manchmal nur persönliche Habseligkeiten Rückschlüsse auf die Identität eines unbekannten Toten geben. Vielleicht hilft dieser alte Kompass weiter?

Foto: WASt/Peter Kirchhoff
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Soldatenfriedhof in Lietzen: Auf dem deutschen Soldatenfriedhof in Lietzen fanden mehr als tausend Soldaten ihre letzte Ruhe, die 1945 bei den Kämpfen um die Seelower Höhen fielen. Noch heute wird dieser Friedhof als Zubettungsfriedhof für neu entdeckte Kriegstote genutzt.

Foto: Thomas Kretschel
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Kriegsgräber: Bei den Gefechten auf den Seelower Höhen im Oderbruch starben innerhalb weniger Tage fast 50.000 deutsche, polnische und russische Soldaten. Kriegsgräber - hier ein Soldatenfriedhof in der Nähe der Seelower Höhen - erinnert an die Gefallenen.

Foto: Linaïk Capelle
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