Sudetenkrise Attacke auf die Tschechoslowakei
Hitlergruß: Eine Delegation von Sudetendeutschen begrüßte Adolf Hitler am 15. März 1938 auf dem Heldenplatz in Wien; rechts Reichsstatthalter Arthur Seyss-Inquart. An diesem Tag verkündete Hitler den "Anschluss" Österreichs. Das gleiche Schicksal drohte der Tschechoslowakei. Zur Destabilisierung schickte Hitler auch SS-Leute über die Grenze - ein unerklärter Krieg gegen das demokratische Nachbarland.
Kampfbereit: Männer des Sudetendeutschen Freikorps erwarteten am 25. September 1938 hinter einer Barrikade nahe der Stadt Asch im Sudetenland einen Angriff der tschechoslowakischen Armee. Das Freikorps bestand aus Sudetendeutschen, die einen "Anschluss" ans Deutsche Reich forderten. Zwecks Destabilisierung schickte Adolf Hitler Einheiten der SS-Totenkopfverbände zur Unterstützung über die Grenze.
Mördertruppe: Normalerweise kämpften die SS-Männer im Nachbarland ohne Abzeichen, die sie als Reichsdeutsche identifizierten. Dies ist eine der wenigen Aufnahmen vom völkerrechtswidrigen Einsatz der SS im Sudetenland vor dem "Anschluss". Das Bild entstand am 30. September 1938 in Liebenstein bei Eger. Offenbar wurde die Geheimhaltung des Unternehmens zu diesem Zeitpunkt nicht mehr wichtig genommen, denn die Männer trugen wieder Abzeichen, die sie als Angehörige der SS-Totenkopfverbände ausweisen.
Schlächter: Theodor Eicke, Schöpfer und Chef der KZ-Wachmannschaften, befehligte persönlich den völkerrechtswidrigen Einsatz seiner SS-Totenkopfverbände in der Tschechoslowakei.
Staatszerstörung: "Die Tschechoslowakei in absehbarer Zeit durch eine militärische Aktion zu zerschlagen", hatte der deutsche Diktator Hitler bereits im Mai 1938 angekündigt. Sein Werkzeug zur Vernichtung des Nachbarstaats war die Sudetendeutsche Partei unter ihrem "Führer" Konrad Henlein. Mit zahlreichen Forderungen heizte der Politiker den Konflikt immer wieder an. Nach der Gründung der Tschechoslowakei 1918 gehörten Gebiete mit deutscher Bevölkerung zu ihrem Territorium. Als sudetendeutsche Separatisten allerdings ohne Wissen Berlins einen Aufstand durchführten, musste Hitler eingreifen, um die Aufständischen zu unterstützen.
Rekrutierung: Das Sudetendeutsche Freikorps fand seine Männer unter anderem mittels Rekrutierungsbüros im Deutschen Reich. Viele Sudetendeutsche waren nach einem gescheiterten Aufstand zuvor nach Deutschland geflohen. Die Rekrutierungsbüros konnten den Ansturm kaum bewältigen. Mehr als 40.000 Sudetendeutsche kämpften am Ende im Freikorps.
Herrschaft: Die Stadt Asch unter Kontrolle der Separatisten - mit zahlreichen Hakenkreuzfahnen bekannten sich Einwohner zu den Nationalsozialisten.
Schwerbewaffnet: Ein älterer Verteidiger des "Freistaats Asch". Tatsächlich waren die Angehörigen des Sudetendeutschen Freikorps mit durchschnittlich rund 30 Jahren deutlich jünger. Gut zu erkennen sind die Gewehre und Handgranaten österreichischer Herkunft. Bewaffnet wurden diese "Freiheitskämpfer" im Geheimen von der Wehrmacht. Dass die tschechoslowakische Gendarmerie ebenfalls noch solche alten Waffen aus der Habsburgerzeit verwendete, machte den eindeutigen Nachweis deutscher Waffenlieferungen an die Separatisten schwierig.
Im Visier: Der Militärgeheimdienst des Deutschen Reiches hatte zahlreiche Sudetendeutsche für ein Netz von Spionage- und Sabotagegruppen in der Tschechoslowakei rekrutiert. Diese sollten am Tag des geplanten deutschen Einmarsches der Wehrmacht im Oktober 1938 wichtige Kreuzungen und Brücken sichern oder Sabotageakte begehen. Den tschechoslowakischen Sicherheitsbehörden gelang es allerdings, einige dieser Zellen auszuheben. Hier posiert ein tschechoslowakischer Offizier mit einer sichergestellten deutschen Maschinenpistole vom Typ Bergmann MP-18 für die internationale Presse.
Kriegsangst: Eine Einwohnerin Prags ließ sich im September 1938 in einem Geschäft die Funktionsweise einer Gasmaske erklären. Die Angst, die Sudetenkrise könnte sich zu einem großen Krieg zwischen Deutschland, Frankreich, Großbritannien und der Sowjetunion entwickeln, war in ganz Europa verbreitet. Ein Jahr später begann der Zweite Weltkrieg.
Rückzug: Die tschechoslowakische Armee zog sich nach dem Ausbruch des Aufstands der Sudetendeutschen aus bestimmten Gebieten zurück. Mehr als 110 tschechoslowakische Gendarmen und Soldaten sollten im Laufe der Sudetenkrise ihr Leben verlieren, mehr als 2000 wurden von den Freischärlern gefangengenommen und nach Deutschland verbracht, wo sie völkerrechtswidrig in deutschen Gefängnissen interniert wurden.
Abwehr: Um einen befürchteten Einmarsch der deutschen Wehrmacht zu behindern, sprengten die tschechoslowakischen Truppen bei ihrem Rückzug Brücken. Entgegen der Meldungen der deutschen Propaganda hinterließen sie jedoch keineswegs "verbrannte Erde".
Machtpolitik: Viele Sudetendeutsche befürworteten die "Heimkehr ins Reich", die Sudetendeutsche Partei unter Konrad Henlein empfing ihre Anweisungen aus Berlin. Aus Freude über den später erfolgten "Anschluss" des Sudetenlands an das Deutsche Reich ließ diese Frau ihren Emotionen freien Lauf.
Demagoge: Konrad Henlein, selbst ernannter "Führer" der Sudetendeutschen, hatte nach dem Verbot der Sudetendeutschen Nationalsozialistischen Arbeiterpartei im Jahr 1933 die "Sudetendeutsche Heimatfront" gebildet. Eine radikalvölkische Partei, in der nach und nach fast alle anderen Parteien und Verbände der deutschen Minderheit aufgingen. Diese "freiwillige Gleichschaltung" sorgte dafür, dass die nun die "Sudetendeutsche Partei" genannte Bewegung im März 1938 - bei einer sudetendeutschen Gesamtbevölkerung von etwa 3,5 Millionen - mehr als eine Million Mitglieder zählte.
Rechtschwenk: Hatte Henleins Partei kurz nach ihrer Gründung im Jahr 1933 noch darauf geachtet, sich zumindest nach außen staatsloyal zu geben, änderte sich das im Laufe der Zeit grundlegend. Im Jahr 1938 waren die Versammlungen und Aufmärsche der Sudentendeutschen Partei, wie hier im Mai in Reichenberg, kaum mehr von denen der NSDAP zu unterscheiden. Zahlreiche Sudetendeutsche grüßten mittlerweile mit dem in der Tschechoslowakei verbotenen "Hitlergruß".
Aufgabe: Am 30. September 1938 einigten sich Großbritannien, Frankreich, Italien und Deutschland in München auf die Abtretung des Sudetenlands an das Deutsche Reich. Die Tschechoslowakei war nicht einmal zu den Gesprächen eingeladen worden. Der britische Premierminister Neville Chamberlain hielt nach seiner Rückkehr nach London triumphierend den Text des "Münchner Abkommens" vor die Kameras der Presse. Die Westmächte Frankreich und Großbritannien hatten die verbündete Tschechoslowakei gedemütigt und geopfert. Die geplante "Zerschlagung" des Landes holte Hitler trotzdem bereits im März 1939 nach.
Feierlichkeiten: Nach dem "Anschluss" ans Deutsche Reich wurde Hitler im Sudetenland frenetisch gefeiert. Auch im nahe Asch gelegenen Eger wurde Hitler von der Bevölkerung begeistert begrüßt. Die Stadt war zu diesem Anlass komplett beflaggt mit Hakenkreuzfahnen, die sudetendeutsche Frauen im Geheimen schon seit geraumer Zeit in Akkordarbeit hergestellt hatten.
Terror: Verhaftung von "Volksfeinden" durch Angehörige des Freikorps. Während die Masse der Sudetendeutschen die "Heimkehr ins Reich" begeistert feierte, mussten die verbliebenen "Feinde der sudetendeutschen Volksgemeinschaft" eine beispiellose Welle der Verfolgung erleiden. Mehr als 10.000 Menschen wurden durch die selbst ernannten Ordnungshüter geschlagen, öffentlich gedemütigt und in Konzentrationslager verbracht. Den entfesselten Furor konnten die deutschen Sicherheitsbehörden nur mühsam wieder eindämmen.
Heimatlos: Die Sudetenkrise war auch eine Flüchtlingskrise. Neben Tausenden Sudetendeutschen, die aus Angst vor einem befürchteten Krieg kurzzeitig über die Grenze nach Deutschland gegangen waren, flohen vor der Gewalt der "Anschluss"-Befürworter auch mehr als 200.000 Juden, Tschechen und sudetendeutsche Gegner Henleins aus dem Grenzgebiet in das Landesinnere. Für sie war eine Rückkehr in ihre Heimat nach dem "Anschluss" an Deutschland zumeist nicht mehr möglich.