Superkleber Syndetikon - DER SPIEGEL
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Superkleber Syndetikon Hauptsache, es leimt dich

Er leimte aufdringliche Liebhaber, kittete Herzen und klebte sogar Planeten: Ein Berliner Kaufmann machte im Kaiserreich aus Fischleim den Superkleber Syndetikon. Mit innovativer Reklame und lustigen Reimen wurde das Ur-Uhu zum Welterfolg - bis es an seinem Geruch zu Grunde ging.
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Elefantenstark: Der ab 1880 durch die Firma Otto Ring & Co. in Berlin hergestellte Klebstoff Syndetikon erlangte nicht zuletzt wegen seiner humorvollen Reklamegrafiken weltweite Bekanntheit. Der Zeichner Friedrich Wilhelm Kleukens setzte auf die Darstellung von Tieren, die in dem Leim kleben blieben.

Die Illustrationen wurden von Dirk Schindelbeck zur Verfügung gestellt.

Foto: Dirk Schindelbeck
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"Geleimter Liebhaber": Eufemia von Adlersfeld-Ballestrem, eine der bekanntesten Unterhaltungsschriftstellerinnen im Kaiserreich, erzählt in ihrer 1894 erschienenen Humoreske "Syndetikon", wie eine Komtesse einen aufdringlichen Verehrer mit Hilfe des Klebstoffs Syndetikon an einen Stuhl fixiert - um sich dann mit ihrem wahren Liebhaber ungestört treffen zu können.

Zum ersten Mal in der deutschen Literaturgeschichte war damit ein Markenprodukt zum Titel eines literarischen Werkes geworden. Sogar der Werbeslogan "klebt, leimt, kittet alles" kam in der Erzählung vor. Eine bessere Werbung hätte sich Syndetikon kaum wünschen können - schließlich fand die Humoreske reißenden Absatz: 1903 erschien sie bereits in der vierzigsten Auflage.

Foto: Dirk Schindelbeck
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Engel mit Herzen: Der Maler Ferdinand Schultz-Wettel erstellte 1899 das Jugendstil-Plakat für Syndetikon, den Alleskleber der Firma Otto Ring. Es zeigt einen Engel, der mit Hilfe des Leims gebrochene Herzen kittet.

Foto: Dirk Schindelbeck
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Alleskönner: "Klebt, leimt, kittet alles", so der Werbeslogan des Allesklebers Syndetikon, hier eine Grafik des Zeichners Fritz Helmuth Ehmcke. Syndetikon änderte ein halbes Jahrhundert lang nicht ihren Werbespruch und machte mit dieser damals ungewöhnlich konsequenten Strategie das Produkt langfristig bekannt.

Foto: Dirk Schindelbeck
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Tierischer Leim: Der Klebstoff Syndetikon wurde nicht nur mit Tieren beworben - sondern teilweise auch aus ihnen entwickelt: Die genaue Rezeptur ist zwar nicht mehr bekannt, aber das "Handbuch der Drogeristen-Praxis" aus dem Jahr 1893 schreibt, Syndetikon werde "durch Auskochen von allerlei Fischtheilen, Eingeweiden, Schwimmblasen" zubereitet.

Foto: Dirk Schindelbeck
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Bildergeschichte: In der Werbung zu dem Klebstoff Syndetikon setzte die Herstellerfirma Otto Ring & Co. auf Humor - wie in dieser Bildergeschichte. Ein Mann verlässt das Haus und verliert eine Tube Syndetikon auf der Türschwelle. Die Tür ist daraufhin nicht mehr zu öffnen und die Bewohner eingesperrt - bis die Feuerwehr sie befreit.

Foto: Dirk Schindelbeck
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Festgeklebt: Der Grafiker Friedrich Wilhelm Kleukens nutzte für die Umsetzung der Syndetikon-Werbung naturalistische Tiermotive - wie diesen brüllenden Tiger, der sich der schier unglaublichen Klebekraft des Fischleims einfach nicht entreißen kann.

Foto: Dirk Schindelbeck
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Enorme Klebkraft: Auch der Zeichner August Hajduk fertigte für Syndetikon-Erfinder Otto Ring innovative Werbegrafiken an. Der Werbeslogan "...klebt, leimt, kittet alles" wurde über Jahrzehnte beibehalten und auch in andere Sprachen übersetzt.

Foto: Dirk Schindelbeck
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Überirdisch: Die Klebkraft des Fischleims Syndetikon - so suggerierte es jedenfalls diese Zeichnung von Fritz Helmuth Ehmcke - war überirdisch. Zerbrochene Planeten? Kein Problem für den galaktischen Kleister.

Foto: Dirk Schindelbeck
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Kein Entkommen: Auch diese zwei Ratten hat die Kleber-Falle erwischt. Die Berliner Firma Otto Ring stellte den Klebstoff Syndetikon seit 1880 her. Humoristische Werbemotive wie dieses des Malers Friedrich Wilhelm Kleukens sollten die Klebkraft des Leims vermitteln - und taten das ungemein erfolgreich.

Foto: Dirk Schindelbeck
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Werbecomic: Die Firma Otto Ring bewarb ihren Alleskleber Syndetikon als Retter in der Not auch mit solchen Comicstrips und simplen Versen wie beispielsweise: "Der Zuluhäuptling fluchet sehr, denn ihm zerbrach sein Lieblingsspeer."...

Foto: Dirk Schindelbeck
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...erst der "Superkleber" Syndetikon rettet den Speer des Häuptlings: "Der Speer, der wieder hergestellt, den stolzen Wüstenkönig fällt."

Foto: Dirk Schindelbeck
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Weltweiter Erfolg: Ob ein Eskimo, der sein Kanu kittet, ein Chinese, der eine Buddha-Statue klebt oder ein Goldgräber, der erst mit dem wiederhergestellten Spaten Gold findet - der Kleber Syndetikon bringt die Rettung. So verkündet die Werbung: "In jeder Gegend, jeder Zon' - zeigt hilfreich sich Syndetikon."

Foto: Dirk Schindelbeck
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Leimwerbung: Fritz Helmuth Ehmcke erstellte diese Werbemarke für den Kleber Syndetikon des Unternehmers Otto Ring. Grafiker Ehmcke machte bereits als Student die Bekanntschaft mit Ring und erhielt ab 1900 Aufträge von ihm.

Foto: Dirk Schindelbeck
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Im Namen des Klebers: Der Grafiker August Hajduk zeichnete diese Werbung für den Alleskleber Syndetikon. Der Name des Leims war eine Erfindung seines Schöpfers Otto Ring und fand sogar bis 1973 Eingang in den Duden.

Foto: Dirk Schindelbeck
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Ende einer Ära:Syndetikon wurde auf Basis von Fischleim hergestellt, was einen entscheidenden Nachteil hatte - er stank penetrant. Als in den dreißiger Jahren auf Kunstharzbasis entwickelte Alleskleber auf den Markt kamen, endete die jahrzehntelange Dominanz von Syndetikon. Mit der neuen Generation der Kleber begann der Siegeszug von Uhu - Syndetikon geriet in Vergessenheit.

Foto: Dirk Schindelbeck
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