Szene-Mythos "Tacheles" - DER SPIEGEL
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"Kunsthaus Tacheles" "Welches Formular müssten wir dann überhaupt nehmen?"

Chaos und Kreativität statt Gesetz und Ordnung: Eine ausgebrannte Kaufhausruine in Berlin-Mitte wurde in der wilden Wendezeit zum Magneten für Künstler und Szenegänger, hier fand 1990 der Urknall für das neue Berlin statt. Jetzt steht das "Tacheles" vor dem Aus. Von Daniel Schoeps
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Gesamtkunstwerk: Besucher stehen am 4. November 2008 im Hinterhof des Kunsthauses Tacheles. Die Künstlerinitiative ist über die Jahre zu einem Symbol für das wiedervereinigte Berlin geworden.

Foto: REUTERS
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Sitzgelegenheit: Vor einer mit Graffiti besprayten Wand des "Tacheles" steht ein altes Sofa. Das Gebäude, das sich kurz nach dem Mauerfall 1989 zu einem wichtigen Kunst- und Veranstaltungszentrum entwickelte, war Anfang des 20. Jahrhunderts als Kaufhaus erbaut worden. Seit 1980 stand der teilweise abgerissene Komplex endgültig leer.

Foto: REUTERS
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Tacheles-Treppenhaus: Die mit Plakaten und Graffiti bedeckten Wände des "Tacheles" in Berlin. Aufnahme vom 4. November 2008.

Foto: REUTERS
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Kunsthaus "Tacheles": Die Frontfassade des Tacheles um 1996. Das "Fürchtet Euch nicht"-Plakat wurde von Technikern der Berliner "Volksbühne" gespendet. Die Besetzer hatten wieder einmal die Kündigung bekommen - und sich sofort per Plakat gewehrt.

Foto: Stefan Schilling
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Alternativer Hinterhof: Der Tacheles-Hof 1993 mit dem Ost-Berliner Fernsehturm im HIntergrund. Am 15. Mai 1993 wurde in der Kaufhausruine die Ausstellung "Skulpturenpark" eröffnet und von Tausenden von Menschen besucht. Heute ist das Publikum im Hof eindeutig gemischter - erlebnislustige Jugendgangs aus der Nachbarschaft lassen die friedvolle Atmosphäre von früher nur noch erahnen.

Foto: Stefan Schilling
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Der Innenhof des Tacheles um 1992: Schrott war zu dieser Zeit ein recht prominentes Thema im Tacheles. Als 1993 der Hof aufgeräumt werden sollte, mussten auch die Auflagen der Berliner Umweltbehörde erfüllt werden. Ganz weit oben auf deren Liste stand die Entfernung der Schrottautos.

Foto: Stefan Schilling
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"Blinde Kuh": Ein überlebensgroßes "Q" mit drei Punkten, eine Installation der Künstlerin Svenja Hehner von ungefähr 1993. Der Hof ist in jedem Fall schon sehr viel ordentlicher als im Jahr zuvor. Laut Künstlerin steht die Skulptur "für verirrte Kommunikation - vor Worten nicht mehr sehen können."

Foto: Stefan Schilling
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Jenny Rosemeyer: Die Urenkelin des ersten DDR-Ministerpräsidenten Otto Grotewohl Anfang der neunziger Jahre als Teenager hinter der Theke des "Café Zapata". Rosemeyer arbeitet bis heute als freie Künstlerin in Berlin.

Foto: Stefan Schilling
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"Airbus": Eine Installation, die Uwe Keßler, Ludwig Eben und Tom Sojka 1994 auf dem "Tacheles"-Hof errichteten. Untertitel des Kunstwerks: "Aufschwung Ost steckt fest - von der Realität zur Hysterie."

Foto: Stefan Schilling
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Paulo San Martin: Der gebürtige Chilene 1994 im "Café Zapata" im Berliner Kunsthaus Tacheles. Paulo San Martin ist bis heute im Café und in der Programmplanung aktiv.

Foto: Stefan Schilling
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Theatersaal des Tacheles: Paulo, Flake, Lupe und andere steckten jede Menge Zeit und Energie darein, aus einem Dreckloch eine Bühne zu bauen - im November 1990 war schließlich Premiere im Theatersaal des "Tacheles". Aufnahme um 1995.

Foto: Stefan Schilling
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Mauer mit Mig: Mehrere Kunstinstallationen prallen hier aufeinander. Die Stangen etwa sind Überbleibsel der Theaterproduktion "Sommernachtstraum", die dann 1996 mit Fahnen behängt und so zum Projekt "Deutscher Wald" wurden - mit dazu gehöriger "Berliner Mauer", bei der sogar die oberen Kanten abgerundet wurden, um einfacher "'rübermachen" zu können. Rechts im Vordergrund ist ein russisches Mig-Kampfflugzeug zu sehen, das für rund 1000 DM auf einem russischen Schrottplatz erworben wurde und über Nacht als riesiges Phallus-Symbol im Hof des Tacheles installiert wurde.

Foto: Stefan Schilling
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Stefan Schilling: Der gebürtige Erfurter Künstler und Tacheles-Hoffotograf circa 1997 am Lichttisch der Siebdruckwerkstatt des Hauses.

Foto: Stefan Schilling
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"Illegale Clubs Lehrpfad": Graffitti von 2007. Die Nähe zur früheren Grenzübergang Friedrichstraße, zum Straßenstrich von Berlin-Mitte, den Hackeschen Höfen, der alten Synagoge Oranienburger Straße und den Anfang der neunziger Jahre in Mitte florierenden legalen wie illegalen Clubs machten die Lage des Tacheles so außergewöhnlich.

Foto: Alexander Boese
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Graffiti und Dreck: Aufnahme der legendären Tacheles-Toiletten von 2008 - für Flake Lorenz nach wie vor "die ekligsten Klos Berlins".

Foto: Paulo San Martin
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Schmutziger Standard: "Hier stinkt es genau wie auf'm Tacheles-Klo" - bei Flakes Band Rammstein gelten die Toiletten des Kunsthauses intern sogar als internationale Referenz.

Foto: Paulo San Martin
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Klo-Kunst : Auch vor den Aborten des Tacheles macht die Kunst nicht Halt. Aufnahmen vom 4. November 2008.

Foto: REUTERS
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Narayama im Tacheles: Das Theaterstück "Narayama" u. a. mit Meret Becker und Alexander Hacke wurde seinerzeit an der noch unsanierten Fassade des Kunsthauses aufgeführt. In der Doppelbelichtung ist Marcos Westhoff zu erkennen, damals Schweisser bei Kemal Cantürk und ehemaliger Mitbegründer der legendären "Opera Stars". Im Hintergrund ist die Zeltspitze des Musical-Theaters "Herr der Ringe" zu erkennen.

Foto: Alexander Boese
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Volksbühne: Mex Schlüpfer betrieb von 1995-2001 die Volksbühne auf dem Freigelände des Kunsthaus Tacheles. Dort wurden selbstgeschriebene Theaterstücke und Konzerte mit seinen selbstkomponierten Liedern auf selbstgebauten Instrumenten aufgeführt. Mex Schlüpfer (ehem. "Slips Revenge") erdachte sich dabei jedes Jahr neu. In einem Jahr war er der "Sozialhilfe Sinatra", dann "Rainer Wein", "King Kacke", "Andi Arbeit", "Crank Faßtorf" und "Kpt. Ahab". 1999 hatten wir uns aus dem Schrott, der von Taboris "Zauberflöte" auf dem Gelände liegen blieb, einen "Theaterraum" vor die Bühne gezimmert und dort "Theorie und Spiel des Dämon" frei nach Frederico G. Lorca aufgeführt. Im Jahr 2000 entstand dort ein riesiger "Goldener Käfig", zusammengeschweißt aus alten Metallbeständen der Reichsbahn, der kurz darauf samt Bühne dem Bebauungskonzept der Fundus AG weichen musste. Seit 2001 liegt die Fläche der alten R?Volksbühne brach!

Foto: Alexander Boese
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Mex Schlüpfer: Der Künstler bei seinen täglichen Proben in der Volksbühne.

Foto: Alexander Boese
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Kemal Cantürk at work: Kemal Cantürk in seiner Metallwerkstatt im Tacheles!

Foto: Alexander Boese
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Reza Mashoodi: Der im Iran geborene und ausgebildete Maler lebt und arbeitet seit Mitte der neunziger Jahre im Kunsthaus Tacheles. Er hat Sammler seiner Werke in der ganzen Welt. Reza ist die Person, die mit Sicherheit, quantitativ die meiste Zeit im Kunsthaus Tacheles verbracht hat. Zu seinen Schüler/-innen gehört u. a. Bianca Flegel.

Foto: Alexander Boese/Alexander W. Boese
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Adnan Kalkanci: Adnan Kalkanci wurde in Kurdistan geboren und studierte Malerei in der Kunstakademie Ankara bei Prof. Dr. Cempio Gender. Adnan hat mehrfach im Tacheles ausgestellt und ist momentan (2008/2009), auf dem Freigelände im Künstler- und Skulpturenpark von Hüsseyin Arda mit einer selbstgebauten Galerie vertreten.

Foto: Alexander Boese/Alexander W. Boese
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Johanna Anastassiou Brix: Malerin und Bookerin des Café Zapata im Kunsthaus Tacheles. Johanna A. B. ist seit Mitte der Neunziger Tacheles-Mitglied und hatte im Kunsthaus zahlreiche Ausstellungen. Sie war Geschätfsführerin des Tacheles-Clubs "Gartenhaus", welcher von Alexander Ernst (Kössler Recordings) und Heiko Marquardt (www.frischefotos.de) auf dem Tacheles-Freigelände in einer alten Baracke des ehemaligen Kaufhauses gegründet wurde.

Foto: Alexander Boese/Alexander W. Boese
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Alexander Rodin: Alexander Rodin wurde 1947 in Weißrussland geboren. Nach seinem Schulabschluss studierte er bis 1971 mit Erfolg an der Kunstakademie in Minsk. Seit 2003 stellt er immer wieder im Kunsthaus Tacheles aus und ist dort gerade mit einer Ausstellung vertreten.

Foto: Alexander Boese/Alexander W. Boese
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Tommy 6000: Tommy 6000, der in diesem Jahr an den Folgen seines Krebs gestorben ist, war im Tacheles eine umstrittende Persönlichkeit. Er war eine Art Kunstmäzen, nur das er kein Geld hatte, aber immer welches auftrieb, um verschiedene Kunstprojekte zu fördern. Er leitete mehrere temporäre Kunstgalerien im und um das Tacheles mit seinem Partner Uwe Kessler. Ich möchte ihn hier erwähnt wissen, weil er mit seiner positiven Energie immer wieder Menschen mitreißen konnte und in meinen Augen ein großer "Verbinder" in Sachen Kunst war. Sein bürgerlicher Name bleibt für uns wohl ein Geheimnis. Ruhe in Frieden Tommy 6000!

Foto: Alexander Boese/Alexander W. Boese
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Kunsthaus Tacheles: Volker Wagner vor seiner Skulptur auf dem Dach des Kunsthauses Tacheles 1993 (Videostandbild von Uwe Riese)

Foto: Uwe Riese
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