Körperkunst in Japan Tabu Tattoo
Eiji ist 24 Jahre alt. Wie er entscheiden sich viele Japaner bereits früh, ihr Leben der Tätowierkunst zu widmen. Von Kopf bis Fuß tätowiert, arbeitet er als Lehrling für Meister Horigen.
Auch im Sommer entblößen nur wenige Japaner ihre tätowierten Arme - Vorurteile und Diskriminierung begleiten ihren Alltag. Der Grund: Tätowierungen gelten als Teil der japanischen Mafiakultur (Yakuza) und werden deswegen sozial geächtet.
Nur wenige Frauen entscheiden sich für den Beruf des Tätowierers. Bevor Yuusai selbst zur Meisterin wurde, hatte sie als Lehrling noch einen Nebenjob: tagsüber im Studio, nachts im Supermarkt.
Yuusai und einige ihrer Kunden in ihrem Studio
Noch unvollendet präsentiert hier ein Kunde Yuusais stolz sein Munewari ("Die Brust teilend").
Der Gitarrist Masanori ist seit seiner Jugend ein fester Teil der Metal-Szene Japans. Er trägt Tätowierungen des legendären Künstlers Horimasa Kishi.
In einer japanischen Kneipe haben sich Meister Horigen und seine Klienten für ein kurzes Shooting versammelt. Danach wird gegessen und getrunken.
Bis eine solche Arbeit fertiggestellt werden kann, muss der Kunde über Monate und Jahre hinweg während stundenlanger Tattoo-Termine dem stechenden Schmerz standhalten.
Der Künstler Katsu aus Hiroshima fertigt seine hochwertigen Arbeiten - hier ein Held aus dem Suikoden - maschinell an.
Professionelle Arbeiten halten bei entsprechender Pflege ein Leben lang.
Während einer Zigarettenpause unterhält sich ein Kunde Horigens mit dem Meister über die Zukunft der japanischen Tattoos. Eine Hannya ziert seinen Rücken.
Neben seiner Tätigkeit als Lehrling jobbt Eiji außerdem in einer Bar. Eiji ist auch am Kopf und unter den Achseln tätowiert.
Nur selten präsentieren tätowierte Japaner derart entspannt ihren verzierten Körper.
Für japanische Tätowierungen sind Liebe zum Detail und ein durchdachtes Konzept elementar.
Mit flinken Bewegungen tanzt unter der Hand Meister Horigens sein Werkzeug nach alter Tebori-Tradition ("Mit der Hand stechen") über den Körper eines Kunden.
Ein Kunde Yuusais wartet geduldig auf seinen letzten Termin.
Ganzkörperkunstwerke wie dieses sind das Ergebnis sorgfältiger Planung und vieler schmerzhafter Sitzungen beim Tätowierer.
Mächtige Drachen sind neben Karpfen und grimmigen Gottheiten die bekanntesten japanischen Irezumi-Motive.
Japanische Tätowierungen in ihrer heutigen Form gehen vor allem auf den Jahrhundertkünstler Kuniyoshi Utagawa zurück. Anfang des 19. Jahrhunderts illustrierte er den chinesischen Roman Shui Hu Zuan (im Japanischen als Suikoden erschienen) mit 108 Holzschnitten. Die Bilder zeigten großflächig tätowierten Helden.
Die Tätowiermeister, sogenannte Horishi, müssen gleichermaßen über enorme künstlerische Fertigkeiten, wie auch über ein ausgeprägtes Hintergrundwissen verfügen, um die komplexen Verzierungen sowohl dem Körper, als auch dem Charakter des Kunden anpassen zu können.
Wer so offensichtlich tätowiert ist, hat es in Japan oft nicht leicht. In den Medien wird meist ein negatives Bild von Menschen mit Tätowierungen gezeichnet.
Tätowierten ist in Japan der Zutritt zu öffentlichen Badeanstalten verboten. Zumindest für Touristen sollte diese Regelung aufgehoben werden, fordert die Tourismusbehörde Japans.