"Takeshi's Castle": Schadenfreude, Action, Dada - DER SPIEGEL
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"Takeshi's Castle" Schadenfreude, Action, Dada

Es war ein knatschbuntes Spektakel. 1999 kam die japanische Spielshow "Takeshi's Castle" nach Deutschland und rettete den klammen Sender DSF. Feuilletonisten waren entsetzt, Jugendliche entzückt.
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Big in Japan: Manche Feuilletonisten empfanden diese Spielshow als Zumutung, viele junge Zuschauer als Riesenspaß - "Takeshi's Castle" kam 1999 über Umwege auch ins deutsche Fernsehen und hatte überraschenden Erfolg. Die Kandidaten mussten unter anderem einen goldenen Ball über eine wackelige Hängebrücke bringen, während Takeshis Schergen sie mit Volleybällen beschossen. Kern der Show: anderen Menschen beim Scheitern zusehen, mit viel Schadenfreude.

Foto: Nitro TV
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"Und wieder bricht ein Tag auf der Burg des Fürsten Takeshi an": "Takeshi's Castle" ging 1986 in Japan auf Sendung. Im Bild wartet Showmaster Takeshi Kitano (links) mit seinem Gefolge vor der Burg auf die Kandidaten. Sie sollen am Ende die Festung erobern, sind aber beinah chancenlos.

Foto: action press
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Arcade: Die Show funktionierte nach dem Prinzip von Videospielen - Hindernis folgte auf Hindernis, ehe die Spieler am Ende auf den Endgegner stießen. Im Bild mühen sich Kandidaten an einer glitschigen schiefen Ebene.

Foto: Nitro TV
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Platsch! Bei vielen Prüfungen landeten die Spieler im Wasser oder im Schlamm. Hier hüpften sie von Stein zu Stein über ein Becken - manche Steine aber gaben nach. Fürst Takeshi machte sich mit seinem Gefolge über nasse Kandidaten lustig.

Foto: Nitro TV
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Festhalten: Bei einer anderen Prüfung klammerten sich die Kandidaten an einen überdimensionalen Pilz, der rotierte und sie über ein Becken zu ihrem Ziel trug. Wer losließ, fiel ins Wasser. Ähnliche Aufgaben warten heute auch etwa auf Teilnehmer der RTL-Sendung "Ninja Warrior".

Foto: Nitro TV
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Catcher: Bei diesem Spiel traten Takeshis Kandidaten in unförmigen Baseball-Kostümen gegeneinander an. Wer den Ball fing, kam eine Runde weiter.

Foto: Nitro TV
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Punktlandung: Mit einem Surfbrett rutschten die Kandidaten auf einer Schiene entlang - und sollten in einem markierten Zielbereich stehenbleiben. Wer nicht weit genug kam, wurde von einem Schergen Takeshis ins Wasser geworfen. Wer zu weit fuhr, fiel ohnehin ins Wasser.

Foto: Nitro TV
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Endspiel: Mit Wasserpistolen oder Lasern treten die verbleibenden Kandidaten zur finalen Schlacht gegen Takeshi und sein Gefolge an. Nur bei acht von insgesamt 129 Angriffen gewannen die Herausforderer.

Foto: Nitro TV
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Showmaster: "Takeshi's Castle" war nur eine von vielen Shows des Fernsehclowns Kitano. Zeitweise trat er in Japan sieben Tage die Woche auf. Im Bild unterzieht er sich einem Test mit einem Lügendetektor - der Kontext des Experiments ist nicht mehr bekannt.

Foto: action press
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Großer Gast: In einer anderen Show empfing Kitano (links) 1986 den samoanisch-japanischen Sumoringer Konishiki Yasokichi. In "Takeshi's Castle" traten Kandidaten im Ring gegen eine Figur an, die ein kugelrundes Konishiki-Kostüm trägt.

Foto: action press
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Vorbild? In Europa gab es schon vor "Takeshi's Castle" Spielshows. Beim "Spiel ohne Grenzen" traten schon ab 1965 Teams aus mehreren Ländern gegeneinander an (Bild von 1972). Deutschland, Italien, Frankreich und Belgien waren die Teilnehmerländer der ersten Stunde; die Spielshow hielt sich bis 1999, ab 1980 aber ohne Deutschland. Bei allen sonderbaren Aufgaben und Verkleidungen war es ein echter Wettstreit, der nicht in erster Linie auf Schadenfreude zielte.

Foto: Peter Bischoff/ Getty Images
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Nimm dies, Schurke: In den USA startete 1982 die Show "American Gladiators". Hier maßen sich die Kandidaten mit halbprofessionellen Athleten in verschiedenen Spielen. Am berühmtesten ist wohl der Kampf mit den überdimensionalen Wattestäbchen. Das Foto entstand 1991 in Los Angeles.

Foto: Sports Illustrated/ Getty Images
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Sportcharakter: Die Gladiatorenspiele waren klassischen Sportarten nachempfunden. Das Bild zeigt zwei Frauen beim Powerball, einer Mischung aus American Football und Basketball: Die Kandidatinnen bekamen Punkte, wenn sie Bälle in Körbe stopften.

Foto: Sports Illustrated/ Getty Images
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Inlineskater: In anderen US-Shows fuhren die Athleten auf Rollschuhen durch große Arenen. 1994 ging "Blade Warriors" auf Sendung, später folgte "RollerJam". Das Bild stammt von 1999, als "RollerJam"-Fahrerinnen in der Late-Night-Show von Jay Leno zu Gast waren.

Foto: NBCU/ Getty Images
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Paar-Duell: In Deutschland startete der Sender RTL 1993 die "100.000 Mark Show". Vier Paare traten hier zu Spielen an und wetteiferten um das Preisgeld. Im Bild von 1995 beglückwünscht Showmasterin Ulla Kock am Brink zwei Sieger.

Foto: Rtl/ picture-alliance / dpa/gms
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Er war's: Der frühere Programmleiter Wolfgang Wild holte "Takeshi's Castle" ins Deutsche Sportfernsehen (DSF). Die Show wurde geschnitten und deutsch synchronisiert. Im August 1999 wurde die Sendung erstmals ausgestrahlt und erreichte bald Millionenquoten, vor allem bei jungen Zuschauern im Nachmittagsprogramm. Mit diesem Erfolg hatte beim finanziell kriselnden DSF niemand gerechnet.

Foto: privat
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Inspiration: Viele Schüler wuchsen mit der Show auf - manche spielten sie in Pfadfinderlagern und Jugendfreizeiten nach. Beim Abistreich einer Fachoberschule im bayerischen Bad Tölz musste 2005 der Konrektor den Fürsten geben.

Foto: Norbert Tänzer
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Ritt in die Freiheit: Die Tölzer Schüler nahmen ihre Lehrer gefangen und fesselten sie mit Kabelbindern. Entlassen wurde nur, wer sich in Prüfungen bewährte - etwa auf der Rodeomaschine.

Foto: Norbert Tänzer
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Gladiatoren: Die Schüler bezogen auch Spiele aus anderen Gameshows mit ein, etwa den Wattestäbchen-Kampf "American Gladiators" - allerdings über Plantschbecken.

Foto: Norbert Tänzer
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Erweitert: Andere Spiele erfanden sie selbst. Hier lieferten sich zwei Lehrer ein Rennen in Einkaufswagen.

Foto: Norbert Tänzer
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Klassiker: Geprägt aber war der Tölzer Abistreich von den Spielen aus "Takeshi's Castle". So mussten die Lehrer in Fettanzügen Sumo ringen.

Foto: Norbert Tänzer
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Abklatsch: 2007 startete RTL die Show "Entern oder Kentern" und übernahm Ablauf und Spiele von "Takeshi's Castle". Die Sendung wurde nach der ersten Staffel abgesetzt. Im Bild posieren Moderatorin Sonja Zietlow und Schauspieler Götz Otto, der als Piratenkapitän Raff den Fürsten ersetzte.

Foto: ROBERTO PFEIL/ AP
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Remake: In anderen Ländern wurde das Original mit den klassischen Takeshi-Spielen wiederbelebt - etwa 2014 in Thailand.

Foto: Comedy Central
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Verirrt: Die Kandidaten mussten das Wabenlabyrinth durchqueren. Hinter manchen Türen wartete ein brauner Tümpel...

Foto: Comedy Central
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...zudem lauerten im Labyrinth Schergen des Fürsten. Wenn sie Kandidaten erwischten, malten sie ihnen die Gesichter an - und die Teilnehmer schieden aus.

Foto: Comedy Central
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Unter Beschuss: Auch die Hängebrücke mussten die Kandidaten wieder überqueren, während ihnen Volleybälle um die Ohren flogen.

Foto: Comedy Central
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Neuer Fürst: In Indonesien drehte ein Sender 2017 ein Remake und ersetzte Takeshi mit diesem Showmaster.

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Filmpreis: Erfinder Kitano drehte da schon längst blutrünstige Filme über japanische Mafiosi. 1997 gewann er mit "Hana-Bi" den Goldenen Löwen in Venedig.

Foto: Claudio_Onorati/ picture-alliance / dpa
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Karriere: Einer von Takeshis Hauptmännern in der Show, Hideo Higashikokubaru, wechselte später in die Politik. 2007 wählten in die Bewohner der südjapanischen Präfektur Miyazaki zum Gouverneur. Das Foto stammt aus einem Interview.

Foto: Bloomberg/ Getty Images
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