Talkshow-Legende - DER SPIEGEL
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Talkshow-Legende "Ich bin Larry, euer Freund"

Königsmacher und Beichtvater: Mit butterweichen Fragen und geballter Harmlosigkeit stieg Larry King aus ärmlichen Verhältnissen zum bestbezahlten Moderator Amerikas auf. Nach 25 Jahren bei "Larry King Live" hört der König der Talkmaster auf - einestages erinnert an die denkwürdigsten Momente seiner Show.
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Show der Polit-Entscheidungen: Immer wieder wurde Larry Kings Show zum Ring für politische Gefechte. Im November 1993 trafen sich der damalige Vizepräsident Al Gore und der Politiker und Milliardär Ross Perot zu einem legendären Schlagabtausch. 16,3 Millionen Amerikaner sahen zu, als sie die Vor- und Nachteile des umstrittenen Nordamerikanischen Freihandelsabkommens, kurz Nafta, diskutierten - damals eine Rekordeinschaltquote.

Während Gore mit klaren Worten seine Argumente für das Abkommen darlegte, wirkten Perots Entgegnungen "weinerlich und sogar ein wenig verrückt", schrieb später der Washington-Korrespondent der britischen Tageszeitung "The Independent". So wurde die 90-minütige Debatte, in der sich Perot Stück für Stück selbst demontierte, nicht nur zur absurden Polit-Show. Sie war auch der entscheidende Durchbruch für das Handelsabkommen, das nur wenige Wochen später beschlossen wurde.

"Präsident Clinton rief mich einen Tag später an, um sich zu bedanken", erinnert sich King, "er sagte, dass Nafta es ohne diese Show niemals durch den Kongress geschafft hätte." Im Mai 2010 kürte er das historische Polit-Duell auf CNN.com zu seinem persönlichen liebsten "Larry King"-Moment.

Foto: George Bennet / AP
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Mit Füßchen und Küsschen: Marlon Brando war offenbar entspannt. Als Larry King ihn 1994 in seinem Haus in Los Angeles besuchte, präsentierte sich der exzentrische Star in einem gemütlichen Sessel, die nackten Füße auf einem gepolsterten Hocker in Richtung Kamera ausgestreckt.

In 90 furiosen Minuten präsentierten sich Larry King und Brando als vergnügtes Duo. Natürlich beantwortete Brando auch Fragen über die Schauspielerei, seine Jugend und sein damals neues Buch "Songs My Mother Taught Me". Doch die unvergesslichen Momente waren andere: Brando, wie er das Gespräch unterbricht, um mit seinem Hund Tim zu spielen, wie er King während einer Zwischenmoderation eine Serviette auf das Gesicht legt oder dem Moderator eine freundschaftliche Backpfeife gibt.

Am Ende gaben die beiden ein schräges Duett, in dem Marlon Brando den Talkmaster davon in Kenntnis setzte, dass er schief singe. Dann lehnte sich der Filmstar vor und gab seinem Interviewer einen beherzten Schmatzer - mitten auf den Mund.

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Moderation mit Marihuana: 1988 schrieb Larry King TV-Geschichte, als er seinem Gegenüber vor laufenden Kameras und einem Millionenpublikum einen Joint reichte und sagte: "Du könntest den jetzt ganz legal rauchen. Tu das für mich." Robert Randall steckt sich die Cannabis-Zigarette an und King fuhr mit dem Interview fort. Der an Grünem Star erkrankte Anwalt war der erste Patient, dem in den USA ärztlich Marihuana verschrieben wurde.

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Kopflose Sängerin nach der "Katrina"-Katastrophe: Viele Prominente ließen in Larry Kings Show ihren Emotionen freien Lauf. Den merkwürdigsten Auftritt legte dabei wohl Celine Dion hin. Eine Woche nach dem Hurrikan "Katrina" im Jahr 2005 sprach King mit der Sängerin. Die hatte gerade eine Million Dollar für die Opfer der Katastrophe gespendet. Doch als der Talkmaster sie darauf ansprach, hatte Dion keine Lust, über Geld zu reden.

Stattdessen lieferte sie eine der wirrsten Ansprachen der Fernsehgeschichte ab. Sie gestikulierte wild, ruderte mit den Armen, brach in Tränen aus. Sie sagte, sie würde morgens den Kaffee nicht mehr hinunterbekommen, faselte über das Privileg Fernseher zu berühren, schlug vor, die Opfer der Katastrophe per Kajak zu retten. "Ich denke nicht mit meinem Kopf", schluchzte sie, " ich spreche mit meinem Herzen."

Erst nach dreieinhalb Minuten gelang es dem sonst so souveränen Interviewer King, zwei Fragen loszuwerden. Eine davon lautete: "Alles okay?" Dann fuhr die "My Heart Will Go On"-Interpretin fort mit ihrer Verzweiflungstirade. Am Ende riss der Talkmaster das Ruder doch noch rum. Er bat Dion, den Menschen in Not einen Song zu schicken. Das scheint bei Dion immer zu klappen. Die Sängerin intonierte eines ihrer Stücke - ein berührender Moment nach fünf verrückten Minuten.

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Völkermord-Talk mit Ahmadinedschad: Eine der bizarrsten Sendungen war Larry Kings Interview mit Mahmud Ahmadinedschad im Oktober 2008. Kurz zuvor hatte der iranische Präsident erneut den Holocaust in Frage gestellt und weltweit für Empörung gesorgt. "Ich mache es jetzt persönlich, normalerweise tue ich das nicht", begann King. "Ich bin Jude. Ich habe Verwandte, die ermordet wurden - wie können Sie abstreiten, was eine Tatsache ist?"

Es entsponn sich ein Gespräch, das diesen Namen nicht verdient hat. Ahmadinedschad wich aus, streute aber fein lächelnd seine Zweifel. "Wenn der Holocaust stattgefunden hat", sagte er, dann müsse man andere Fragen stellen. Zur Rolle des "zionistischen Regimes" etwa. Oder zur historischen Forschung in Europa, die nicht frei sei. Und dem "Völkermord in Palästina". Der Präsident bekam die Plattform, die er sich gewünscht hatte. Zwar hakte King ungewohnt hartleibig nach und versuchte viermal, von Ahmadinedschad eine einfaches "Ja" oder Nein" auf die Frage nach dem Holocaust zu entlocken. "Warum wollen Sie mir Ihre Sichtweise aufzwingen?", ätzte der Präsident zurück. King rettete sich in die Werbepause.

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George? Wo ist George? Kaum ein Talkmaster ist so bekannt für seine peinlichen Schnitzer, Versprecher und Ausfälle wie Larry King. 2007 gelang es ihm, Ringo Starr und Paul McCartney gemeinsam in seine Sendung zu holen. Er fragte McCartney, wie er John Lennons Tod erlebt habe. Dann drehte er sich zu Starr und sagte: "Und wo warst du, George?" Während Ringo galant über den Patzer hinweggehen wollte, geriet Paul in Rage: "Er hat dich George genannt in einer landesweiten TV-Übertragung. Das kann man nicht herausschneiden. Das ist live."

Das Bild zeigt Larry King, Sir Paul McCartney, Yoko Ono, Olivia Harrison, Ringo Starr und Cirque-du-Soleil-Gründer Guy Laliberte (von links) am 26. Juni 2007 bei der Jahresfeier der "The Beatles LOVE by Cirque du Soleil"-Show im Hotel Mirage in Las Vegas.

Foto: Getty Images
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Zu Gast nach dem Knast: Nach einschneidenden Erfahrungen in ihrem Leben kamen viele Prominente zuerst zu Larry King. Nachdem Paris Hilton 2007 wegen Fahrens ohne Führerschein geschlagene 19 Tage im Knast verbracht hatte, gab die Hotelerbin ihr erstes Interview nach der Haft bei ihm.

Über ihre Zeit berichtete sie: "Ich schrieb viel, während ich dort war" und "das Essen war schrecklich". Als King sie fragte, ob sie etwas im Gefängnis gelernt habe, philosophierte sie: "Gott lässt nichts ohne Grund geschehen. Ich hatte Zeit herauszufinden was mir wichtig ist und wer ich bin." Dann fragte King das It-Girl, warum sie für so viele Menschen ein Vorbild sei. Ihre ehrliche Antwort: "Ich weiß es nicht."

Foto: AP
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"Weißt du überhaupt, wer ich bin?" Diese Frage stellte ein sichtlich irritierter Jerry Seinfeld im März 2007 Larry King. Denn eigentlich weiß das jeder Amerikaner. Schließlich war der Schauspieler in den neunziger Jahren der Star der erfolgreichsten Sitcom der Dekade. King hatte ihn gefragt, ob die Sendung 1998 eigentlich abgesetzt worden war oder ob Seinfeld freiwillig aufgehört habe. Tatsache ist, dass der Sender NBC seinem Star fünf Millionen pro weiterer Folge angeboten und dieser trotzdem abgelehnt hatte.

King steht in dem Ruf für seine Interviews kaum zu recherchieren und manchen seiner Gäste ein gesundes Desinteresse entgegenzubringen. Vielleicht wusste King also wirklich nicht, wie es zum Ende der Serie gekommen war, möglicherweise wollte er auch nur seinen Interviewpartner aus der Fassung bringen. Das funktionierte. Die Zuschauer erlebten Seinfeld von einer Seite, die wohl die wenigsten kannten. Die letzte Folge habe 75 Millionen Zuschauer gehabt, maßregelte der aufgebrachte Star seinem Interviewer und rief: "Können wir kurz eine Zusammenfassung bekommen, damit Larry sich informieren kann?"

Foto: AP
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Larry King - live und "unpassend": Auch der "King of Talk" kann die Fassung verlieren. Im November 2009 war der Grund dafür goldblond, 22 Jahre alt und eine Ex-Schönheitskönigin. Carrie Prejean hatte sich zuvor mit einem herablassenden Kommentar zur Homosexuellen-Ehe aus dem Rennen um das Krönchen der Miss USA 2009 befördert, dadurch auch den Titel der Miss California verloren und im Anschluss mit einem Rechtsstreit für Kopfschütteln gesorgt. Dabei ging es um die Frage, ob der Veranstalter der Miss-Wahlen ihre Brustvergrößerung bezahlen muss - der Fall wurde beigelegt.

Doch als der Talkmaster fragte, wie denn der Rechtsstreit beigelegt worden sei, zickte Prejean: "Larry, das ist jetzt wirklich unpassend." King konnte nicht so recht fassen, dass er gerade von seinem Gast zurechtgewiesen worden war und fragte noch einmal nach. Das war zu viel für Prejean. Als dann noch ein Zuschauer zugeschaltet wurde und sie auf ihre Meinung zur Ehe zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern ansprach, wurde es der Schönen zu bunt. Sie fummelte ihr Mikrofon vom Revers und sagte: "Ich bin drauf und dran zu gehen." Am Ende ging sie doch nicht - doch die Show blieb der größte Auftritt der Beinahe-Miss-USA.

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Geständnis einer Legende: Zu Larry Kings persönlichen Highlights zählt sein Interview mit Frank Sinatra 1988. Die Bewunderung des Moderators für den Star war spürbar. "Es ist sehr wichtig, dass der Interviewer seine Hausaufgaben macht", ließ er sich widerspruchslos von Sinatra zurechtweisen. Doch mit seinen typisch simplen Fragen entlockte er dem Bühnenveteranen ein erstaunliches Geständnis - dass er noch immer bei jedem Auftritt Lampenfieber habe. "Ich schwöre bei der Seele meiner Mutter", sagte "Ol'Blue-Eyes" und griff sich dabei gedankenverloren an den Krawattenknoten, "die ersten vier oder fünf Sekunden auf der Bühne zittere ich bei jedem Schritt".

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O.J. Simpsons Verzweiflungsfahrt: Am 17. Juni 1994 wurde der Talkmaster von der Sendeleitung gebeten, seine Show zu unterbrechen - und wurde per Zufall zum Kommentator von einem der größten Ereignisse der US-Fernsehgeschichte. O.J. Simpson fuhr mit seinem weißen Ford Bronco durch Orange County.

Eigentlich sollte er bereits seit Stunden für eine Vernehmung auf dem Polizeirevier sein. Denn vier Tage zuvor waren seine Ex-Frau Nicole Brown und ihr Freund Ronald Goldman tot aufgefunden worden - Simpson war der Hauptverdächtige. Doch als die Beamten seinen Wagen stoppen wollten, hielt der Schauspieler und ehemalige Footballstar sich eine Pistole an die Schläfe. 90 Minuten und 80 Kilometer später endete Simpsons Verzweiflungsfahrt vor seiner Haustür in Brentwood. Zu diesem Zeitpunkt schwebten 20 Übertragungshubschrauber über dem Wagen, rund 95 Millionen Zuschauer verfolgten das Ereignis auf Dutzenden Sendern live vor ihren Fernsehern. Am Ende stellte Simpson sich der Polizei, nachdem er im Haus mit seiner Mutter gesprochen und ein Glas Orangensaft getrunken hatte.

Es folgte eine wochenlange mediale Schlammschlacht, in der Amerika den Prozess verfolgte. Euphorisiert von den Quotenrekorden sagte Larry King damals: "Wenn wir Gott für die Show gebucht hätten und könnten O.J. bekommen, würden wir Gott schieben."

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Interview mit einem Geist: Tammy Faye Messner war eine christliche Sängerin, die Frau des US-Fernsehpredigers Jim Bakker - und eine Ikone der Schwulenbewegung. Als sie am 19. Juli 2007 live in Larry Kings Show zugeschaltet wurde, war sie nur noch ein Schatten ihrer selbst. Messner hatte Dickdarmkrebs im Endstadium, wog nur noch etwas mehr als 30 Kilogramm. In dem bewegenden Interview wirkt Messner dennoch zuversichtlich, zitiert aus der Bibel, spricht über ihren Kampf gegen den Krebs und ihren festen Glauben daran, in den Himmel zu kommen. Einen Tag später starb sie.

Foto: AP
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