Tanzmarathons - DER SPIEGEL
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Tanzen bis zum Umfallen Hoch das Bein und Augen auf

Bis dass der Tanz euch scheidet: In den zwanziger Jahren wurde in den USA der Tanzmarathon populär. Aus absurden Spaßwettbewerben entwickelte sich eine umsatzstarke Industrie, die in der Weltwirtschaftskrise Hungrige, Verzweifelte und unseriöse Veranstalter anlockte - aus Romantik wurde Folter.
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Ein Tänzchen auf der Straße: Diese Teilnehmer eines Tanzmarathons 1928 im kalifornischen Culver City sehen noch recht beschwingt aus. Das Foto muss deshalb zu Beginn des Wettbewerbs entstanden sein. Im Verlauf eines Marathons waren Zusammenbrüche wegen Übermüdung keine Seltenheit.

Foto: Anonymous / AP
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Schlaftanz: Das Geschwisterpaar Frank und Marie Micholowsky nimmt an einem stundenlangen Tanzmarathon am 19. Januar 1931 in Chicago teil. Die Folge war nicht unüblich für eine der Endlos-Veranstaltungen: Sie schlief mitten auf der Tanzfläche in seinen Armen ein.

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Große Pause: Teilnehmerinnen eines Tanzmarathons am 2. Juni 1928 in Chicago dürfen sich für eine Stunde ausruhen, bevor sie wieder aufs Parkett müssen. Üblich war eine Pause von 15 Minuten pro Stunde. Diese musste dann für die Verpflegung oder den Toilettengang genutzt werden.

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Immer am Strand entlang: Gespannt stehen die Teilnehmer der "World Endurance Dance Competition" in den dreißiger Jahren in Los Angeles an. Bei dem Wettbewerb sollten sie bis zum 15 Meilen entfernten Ocean Beach tanzen. Wer am längsten durchhielt, gewann. Für Musik sollten bei diesem Wettbewerb 15 Orchester sorgen, die auf Lastwagen neben der Tanzstrecke herfuhren.

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Doping: Mit einem Stärkungsmittel von einer anwesenden Krankenschwester soll diese junge Tänzerin bei einem Tanzmarathon am 1. November 1949 in Berlin wieder flottgemacht werden. Medizinische Betreuung bei diesen Wettbewerben war laut der Veranstalter immer anwesend und oft auch bitter notwendig.

Foto: AP
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Barfußtänzer: Victor Tomie und seine Tanzpartnerin Miss Della Keenes haben sich am zweiten Tag des großen Tanzmarathons im New Yorker Madison Square Garden am 11. Juni 1928 bereits ihrer Schuhe entledigt. Bei dem "Dance Derby of the Century" gab es zum Schluss allerdings keinen Sieger - der Wettbewerb wurde nach 19 Tagen auf behördlichen Druck hin eingestellt.

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Tanzen für den guten Zweck: Auch später gab es noch Dauertanzwettbewerbe - allerdings liefen diese nicht mehr ganz so ernst ab, wie noch in den zwanziger und dreißiger Jahren. Hier etwa tanzen Studenten der Universität von Maryland am 14. November 1971 einen 52-Stunden-Marathon, um Geld für die Opfer von Muskeldystrophie zu sammeln.

Foto: AP
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Rüstige Tänzer: Die Nachbarn Ernest Scrivener, 75 und Mabel Staines, 72 ließen sich auch von ihrem hohen Alter nicht davon abhalten, am 10. März 1962 im englischen Harlow New Town an einem Twistmarathon teilzunehmen. Für das Paar wurden allerdings die Regeln etwas gelockert. Während jedes fünften Liedes durften sich die beiden hinsetzten. Mabel musste dazu allerdings erst noch von einem Mitarbeiter des Roten Kreuzes überredet werden: Sie hätte auch mehr als fünf Musikstücke durchgehalten, so die Rentnerin.

Foto: AP
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Rekordtwisterin: Die 20-jährige Rita Franks (l.) stellte am 23. Februar 1962 im englischen Brighton nach 32,5 Stunden einen neuen Rekord im Twisttanzen auf. Ihre stärkste Konkurrentin, die 18-jährige Profitänzerin Toni Sinclair (r.) gab nach 30 Stunden mit geschwollenen Fußgelenken auf. Der Marathon war mit 14 Teilnehmern gestartet, von denen einer nach dem anderen mit wunden Füßen, Krämpfen und andern Beschwerden auschied, bis nur noch Rita und Toni im Rennen waren.

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Entspannung fürs Tanzbein: Die Regeln des Tanzmarathons erlaubten den Teilnehmern pro Stunde eine 15-minütige Pause für Essen, Kurzschlaf oder eine Massage. Letzteres nimmt gerade diese junge Tänzerin während eines Marathons am 7. Oktober 1949 in Berlin in Anspruch. Viele der professionellen Tänzer hatten Fans, die ihnen in den Pausen Telefonnummern und Geschenke zusteckten. Einige sollen in den kurzen Pausen sogar Sex mit ihren Helden gehabt haben.

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Ein Schluck und weiter geht's: Nach acht Tagen non-stop-Tanzen im Juni 1928 im Madison Square Garden mussten Tommy Nolan und seine Partnerin Anna King von einer Krankenschwester mit kaltem Wasser wachgehalten werden, um nicht auf der Tanzfläche zu kollabieren. Müdigkeit, Schmerzen und geschwollene Füße waren für die Teilnehmer des Wettbewerbs kein Grund zum Aufhören. 5000 Dollar Preisgeld waren in dieser Zeit genug Anreiz, um sich selbst zu malträtieren.

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Tanz am Wasser: Was hier so romantisch aussieht, war in Wirklichkeit ein harter Wettbewerb. Von Venice Beach immer an der Strandpromenade entlang, bis ins 15 Meilen entfernte Los Angeles tanzten diese 300 Paare im April 1927. Den Gewinnern winkte ein Preisgeld von 1000 Dollar.

Foto: Getty Images
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Tanzen bis zum Kollaps: Engumschlungener Schmusetanz? Nein. Völlig erschöpft sind die Paare während eines gnadenlosen Tanzmarathons 1924 in Washington, D.C. Es galt, durchzuhalten, und sei es mit dem Kopf an der Schulter des Partners. Denn wer umfiel, war ausgeschieden.

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Wahn und Voyeurismus: Die junge Frau kann ihren Partner bei einem Tanzmarathon 1932 in Washington, D.C. gerade noch stützen, obwohl sie selbst am Ende ihrer Kräfte ist. Die Wettbewerbe waren ein Publikumsmagnet, denn voyeuristische Zuschauer bekamen einen darwinistischen Überlebenskampf auf dem Parkett zu sehen. Für die Teilnahmer war es vor allem schmerzvoll und ermüdend. Belegt sind auch Halluzinationen als Folgen des Dauertanzes.

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Halt mich! Dieses Paar, das 1930 im Chicagoer Merry Garden Ballroom mehr schlief als tanzte, musste den gnadenlosen Gesetzen des Tanzmarathons Tribut zollen. Tanzen, tanzen, tanzen, unterbrochen nur von kurzen Pausen - tagelang. Irgendwann wurde auch der munterste Mann müde.

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Frisch rasiert im Takt: Noch recht munter sehen diese Paare nach den ersten 48 Stunden eines Tanzmarathons 1920 in Washington, D.C. aus. In diesem Wettbewerb war es ihnen erlaubt, während des Tanzens Kaffee zu trinken oder ein Sandwich zu essen. Einige der männlichen Teilnehmer sollen sich sogar rasiert haben, während sie über das Parkett glitten.

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Walkathon-Opfer: Eine etwas abgewandelte Variante des Tanzmarathons fand 1935 in Chester, Pennsylvania statt. Während des "Walkathons" mussten die Teilnehmer "lediglich" in jeder Stunde mindestens 45 Minuten die Füße in Bewegung halten. Die Männer mussten rasiert aussehen. Den Gewinnern winkte dabei ein Preisgeld von bis zu 1000 Dollar. Nach 600 Stunden - oder 25 Tagen - begannen diese Teilnehmer dann zu kollabieren.

Foto: Getty Images
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Kurz vor dem Kollaps: Eng umschlungen stützen sich diese beiden Teilnehmer eines Tanzmarathons 1929 gegenseitig. Der Begriff "Tanzen" wurde ob der Strapazen weit ausgelegt. Es genügte schon, die Beine leicht zu heben oder sich irgendwie zu bewegen. Doch irgendwann siegte die Müdigkeit.

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Aufgeben oder Weitertanzen? Während des "Dance Derby of the Century" im Juni 1928 gönnen sich mit geschwollenen und schmerzenden Füße Bobbie Fox, Marcella Miller, E.J. Leonard, Mabel Davis, Bille La Marr, Bossy Gills und RE. Clark (v.l.n.r.) am Rande der Tanzfläche im New Yorker Madison Square Garden eine Pause.

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Tanztransport: Nach 961 Stunden gab es bei diesem Tanzmarathon 1932 in Washington, D.C. Beschwerden, woraufhin der Veranstaltungsort zwölf Blocks weiter verlegt werden musste. Den Tänzern wurde dabei allerdings keine Ruhepause gegönnt. Sie tanzten weiter - auf dem Lastwagen, der sie an den neuen Ort brachte.

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Am Ende: Mehr als 150 Paare waren im Februar 1952 bei diesem Tanzmarathon in Rom gestartet, von denen eines nach dem anderen ausfiel, bis nach 23 Tagen schließlich nur noch diese beiden Paare übrig waren.

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