Telegramme Als die Welt noch auf Draht war
Frohe Botschaft: Hurra, wir haben ein Hotel am Wolfgangssee geerbt! Noch freuen sich Eva und Maxie über das Telegramm mit der freudigen Nachricht. Filmszene aus "Im schwarzen Rössl" (Österreich 1961) mit Trude Herr und Karin Dor.
Königliche Nachricht: Minenarbeiter der Zeche von Hamstead lesen das Transkript eines Telegramms der Königin Alexandra an den Bürgermeister von Birmingham. Hierin sprach die Königin den Menschen ihr Beileid aus - bei dem Grubenunglück im März 1908 waren 25 Menschen ums Leben gekommen.
Schneller und billiger: Moderne Kommunikationsmedien wie Telefon, Mail, Fax und SMS haben dem Telegramm den Garaus bereitet. Warum auch stolze 15,20 Euro für zehn Worte ausgeben, wenn man 160 Zeichen für wenige Cent verschicken kann? Zudem werden die Telegramme der Deutschen Post erst am folgenden Werktag zugestellt - die Übermittlung einer SMS erfolgt in Sekundenschnelle.
Künstler und Tüftler: Undatierte Abbildung des US-amerikanischen Malers und Erfinders Samuel Morse (1791-1872). Morse, bis dahin einer der angesehendsten Künstler Amerikas, erfand in den dreißiger Jahren des 19. Jahrhunderts die Telegrafie. Morse erfand auch den bis heute gebräuchlichen Morsecode. 1844 wurde das erste Telegramm zwischen Baltimore und Washington übermittelt, bereits 1858 gab es eine Morseverbindung zwischen Großbritannien und den USA per Unterwasserkabel.
Alles Gute: Während das Telegramm einst zur Übermittlung eiliger, meist unvorhergesehener Nachrichten diente, fristet es heute ein Nischendasein als kostspieliger und nicht gerade schneller Überbringer von Glückwünschen - etwa zum Geburtstag. Erst am nächsten Werktag wird ein Telegramm zugestellt, nur wer 10,50 Euro extra zahlt, kann sicher gehen, dass es auch am Sonn- und Feiertag seinen Empfänger erreicht.
Berittener Bote: Ein Telegrammjunge liefert mit seinem Motorrad eilige Botschaften in London aus (Foto von 1933). Die jungen Männer ersetzten die berittenen Boten von einst, die - im Unterschied zu den Telegrammjungen - meist tagelang unterwegs waren, bis sie die Nachricht übermittelt hatten.
Tipp-Nachhilfe: Die amerikanische Schauspielerin June Allyson lässt sich von der Hollywood-Klatschreporterin Louella Parsons in die Geheimnisse der elektrischen Schreibmaschine einweihen. Parsons reicht ihr zum Üben einen Stapel Western-Union-Telegramme (Foto von ca. 1948). Im Jahr 2006 stellte das weltweit agierende Unternehmen seinen Telegrammbetrieb ganz ein.
Eilige Nachricht: Britische Postmitarbeiter empfangen Telegrammbotschaften via Telefon und übermitteln sie per Schreibmaschine (Foto von ca. 1952). Obwohl es bereits das Telefon gab, wurden Nachrichten weiterhin auch per Telegramm verschickt.
Telegramm an Marlene Dietrich: Der Schriftsteller Ernest Hemingway dankte mit diesem Telegramm vom 5. März 1955 seiner Freundin Marlene Dietrich für einen Artikel, den sie über ihn im Herald Tribune Magazine veröffentlichte. Vielversprechender Titel: "Der interessanteste Mann, den ich kenne." 2007 hat ein Museum in Boston erstmals 30 Briefe von Hemingway an Dietrich veröffentlicht. Die oft feurigen Botschaften befeuern das hartnäckige Gerücht, dass die beiden eine Liebesbeziehung hatten.
Kleines Papier, große Wirkung: Erste Seite der sogenannten "Emser Depesche" vom 13. Juli 1870, die letztlich den Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 auslöste. Hintergrund bildeten Rivalitäten der beiden Mächte: Frankreich hatte von Preußen den generellen Verzicht auf eine Kandidatur der Hohenzollern für den spanischen Thron gefordert. Der preußische König Wilhelm I. lehnte dies jedoch ab und telegrafierte den Inhalt der Verhandlungen an Otto von Bismarck. Dieser veröffentliche noch am selben Tag die von ihm stark gekürzten und damit verschärften französischen Forderungen in der "Emser Depesche". Das Vorgehen Bismarcks stellte einen unzumutbaren Affront dar, auf den die Franzosen am 19. Juli 1870 mit der Kriegserklärung an Preußen reagierten.
Fan-Post: Verdammt hart, wenn man so umschwärmt ist - der US-amerikanische Filmstar Danny Kaye jedenfalls scheint aufgrund der zahlreichen Liebestelegramme recht gestresst. Vor allem weibliche Fans überhäuften ihn bei seinem Besuch in London am 8. Mai 1951 mit feurigen Botschaften.
Schmucke Sache: "Besondere Freude machen die Telegramm-Schmuckblätter der Deutschen Bundespost". Mit diesem Slogan warb die Post in den fünfziger Jahren für ihren Telegramm-Service.
Signatur im Bundesarchiv: Plak 005-051-178
Frauen bei der Telegrammaufnahme im Postamt 1941 in Berlin. Auch während des Zweiten Weltkriegs spielte das Telegramm zur Nachrichtenübermittlung noch eine wichtige Rolle.
Der ehemalige Präsident der USA, Franklin D. Roosevelt, bei der Durchsicht seiner Briefe und Telegramme am 1. Juli 1932