Thea Rosenbaum "Blauäugige Teufelin" - das Leben einer Reporterin
"No place for a Lady": Dieses Selfie zeigt Rosenbaum mit Helm und Atemmaske während eines Fluges über Vietnam 1970. Als Kriegsberichterstatterin, aber auch später, bekam sie den Satz "Dies ist kein Ort für eine Dame" so oft zu hören, dass er zum Titel ihrer 2015 erschienenen Autobiografie wurde. Ihre Antwort: "Aber es ist ein Ort für mich."
"Zäh sein, dranbleiben, Mut haben": So lautet das Credo der Journalistin Thea Rosenbaum - hier als junge Reporterin in Vietnam.
Happy Valentine! Thea Rosenbaum mit US-Präsident Ronald Reagan und dessen Frau Nancy. Die Journalistin begleitete den Politiker unter anderem während seines Präsidentschaftswahlkampfes 1980. In ihrer Autobiografie erinnert sich Rosenbaum daran, wie Reagan ihr einmal eine Rose zum Valentinstag schenkte - er hatte die Blume bei einer Veranstaltung geschenkt bekommen und wusste nicht, wohin damit. Nancy wollte sie nicht, also drückte Reagan die Rose der verdutzten Rosenbaum in die Hand.
"Mr Gorbatschow, reißen Sie diese Mauer nieder!" Im Laufe ihrer Karriere erlebte Thea Rosenbaum historische Momente. So begleitete sie 1987 US-Präsident Ronald Reagan auf seiner Reise nach Berlin. Dort hielt er am Brandenburger Tor seine Ansprache mit den berühmten Sätzen: "Mr Gorbatschow, open this Gate. Mr Gorbatschow, tear down this Wall."
Kriegskind: Thea Rosenbaum wurde 1940 in Berlin geboren, als Vierjährige musste sie mit ihrer Mutter aus der brennenden Stadt fliehen. Die beiden kamen zunächst bei den Großeltern in Kleinmachnow unter, später kehrten sie ins zerstörte Berlin zurück - das Foto zeigt das Brandenburger Tor nach der Kapitulation. Im Zuge der Berlin-Blockade 1948 wurde Thea Rosenbaum für ein Jahr zu einer Pflegefamilie nach Lübeck geschickt.
Vom Äffchen gebissen: Als Rosenbaum mit ihrer Tochter im achten Monat schwanger war, interviewte sie Siegfried und Roy (Foto). Sehr liebenswürdige Magier - die Tiere indes fand Rosenbaum anstrengend: Der Affe habe sie in den Finger gebissen, der Gepard sei ihr in den Nacken gesprungen. Und der Löwe Simba sei mit seinen Tatzen auf dem Kaffeegeschirr herumgelaufen, erinnert sie sich.
Learning by doing: Rosenbaum berichtete zwischen 1966 und 1968 als Korrespondentin für die Deutsche Presse-Agentur (dpa) aus Vietnam. Eigentlich ist Rosenbaum gelernte Börsenmaklerin, als 21-Jährige war sie sogar die jüngste und die erste Frau. Zur Reporterin wurde sie quasi über Nacht: Der dpa-Korrespondent fiel aus, sie wurde gefragt, ob sie ihn vertreten könne - und sagte zu.
Das Grauen als Alltag: Journalisten in Vietnam lichten einen während der Tet-Offensive Anfang 1968 getöteten Mann ab. Kriegsberichterstatterin Rosenbaum versuchte stets, mindestens so tough zu sein wie ihre männlichen Kollegen. Tatsächlich ging ihr das Grauen umso näher, als dies bereits der zweite Krieg war, den die 1940 in Berlin geborene Journalistin erlebte.
"Ein schüchterner Mensch": Superstar Michael Jackson erlebte Thea Rosenbaum, als er beim US-Präsidenten eingeladen war. Ziemlich schüchtern habe er auf der Wiese hinterm Weißen Haus herumgestanden, mit weißen Handschuhen, immer wieder habe er nach unten geblickt und fast geflüstert.
Miserabler Poker-Spieler: In ihrer Zeit in Chicago war Thea Rosenbaum häufig bei Hugh Hefner in der legendären Playboy Mansion eingeladen. Der oberste Playboy habe stets die großartigsten Partys gegeben - im Poker jedoch sei er eine Niete gewesen. Regelmäßig verlor Hefner gegen Rosenbaum, erzählt die Journalistin im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE.
"Blauäugige Teufelin": So nannte Jesse Jackson die Reporterin Thea Rosenbaum, als die beiden sich in den Siebzigerjahren bei einer Party von Hugh Hefner kennenlernten. Der damals noch recht unbekannte Jackson wurde von Hefner nach Kräften gefördert und avancierte später zum mächtigsten Mann der Bürgerrechtsbewegung der USA. 1984 und 1988 bewarb sich Jackson als Vertreter der Demokraten um die Kandidatur der US-Präsidentschaft - und scheiterte beide Male.
Clown College: Für eine Reportage über den Ringling Brothers and Barnum & Bailey Circus nahm Thea Rosenbaum in den Siebzigerjahren in Chicago an einer Clowns-Ausbildung teil. Als sie zum Abschluss in der Manege auftrat, erkannte ihr eigener Sohn sie nicht wieder.
Schau mir in die Augen, Kleines! Um seinem Gesprächspartner das Gefühl zu geben, etwas ganz Besonderes zu sein, wandte US-Präsident Bill Clinton laut Thea Rosenbaum folgenden Trick an: Er schaute seinem Gegenüber mehrere Sekunden lang tief in die Augen. Zudem sei er stets zu spät zu Terminen gekommen. Zu den fachlichen Qualitäten Clintons sagt Rosenbaum: "Er konnte verhandeln, hielt sich an Absprachen, wusste, wann man Ja sagt und wann Nein." US-Präsident Obama hingegen hält die Reporterin, die alle US-Präsidenten seit Richard Nixon kennenlernte, für "zu idealistisch, zu wenig pragmatisch".
Ein US-Präsident als Babysitter: Thea Rosenbaum mit Gerald Ford, US-Präsident zwischen 1974 und 1977. Einmal holte Rosenbaum ihren Mann Dick vom Flughafen ab, wo der Journalist gemeinsam mit Ford landete. Im Getümmel büxte ihr Sohn aus. Als Rosenbaum ihn wiederfand, stand der damals Sechsjährige direkt neben dem US-Präsidenten - Hand in Hand mit Ford. Rosenbaum wies ihren Sohn zurecht, dass er nicht mit Fremden gehen solle, worauf er erwiderte: "Das ist kein Fremder, Mom. Das ist der Präsident."
"Protzer mit Charme": So charakterisiert Thea Rosenbaum die kürzlich verstorbene Boxlegende Muhammad Ali. Die Journalistin interviewte ihn in den Siebzigerjahren, kurz vor einem Kampf in Las Vegas.
Keine Frauenrechtlerin: Thea Rosenbaum (hier im Interview mit US-Präsidentschaftskandidat Jimmy Carter 1976) kämpfte stets darum, als Frau in der männerdominierten Branche Journalismus ernst genommen zu werden. Als Feministin würde sie sich dennoch nicht bezeichnen: "Es ging mir nie ums Prinzip, sondern allein darum, meinen Beruf ausüben zu können."
Fürs Weiße Haus zuständig: Thea Rosenbaum vor der "Air Force One", dem Flugzeug des US-Präsidenten. In der Zeit von 1968 bis 2007 erlebte sie in den USA sieben Präsidenten. Der langjährige WDR-Intendant und frühere ARD-Vorsitzende Fritz Pleitgen schreibt über Rosenbaum: "Für das Weiße Haus war Thea Rosenbaum über Jahrzehnte das personifizierte Deutsche Fernsehen."
"Man muss dabei sein, wenn es eine Story gibt": Diesem Motto folgte Thea Rosenbaum ein Leben lang. Das Foto zeigt die Journalistin während ihrer Zeit als Producerin für die ARD.
Historischer Moment: Einer der Höhepunkte ihrer Karriere, sagt Rosenbaum, war das von den USA vermittelte Camp-David-Abkommen zur Aussöhnung zwischen Israel und Ägypten (von links: Israels Ministerpräsident Menachem Begin, US-Präsident Jimmy Carter, Ägyptens Präsident Anwar as-Sadat). Der Unterzeichnung des Abkommens am 17. September 1978 folgten zähe Verhandlungen, in letzter Sekunde gelang es Carter, Sadat von Begins Forderungen zu überzeugen. Rosenbaum war dabei, als Carter und Sadat am Abend des 13. März 1979 am Flughafen von Kairo vor die Kameras traten und feststand: Nun wird es wirklich Frieden zwischen Ägypten und Israel geben. "In dem Moment wussten wir: Jetzt und hier wird Geschichte gemacht", erinnert sich Rosenbaum.
Blumenmeer für den King: Rosenbaum erlebte zahlreiche große Momenten der US-Geschichte mit - so auch die Beerdigung von Elvis Presley. Am 17. August 1977 defilierte sie mit zahlreichen Fans am offenen Sarg des toten King in Memphis vorbei. Rosenbaum erinnert sich auch deshalb so gut daran, weil sie an diesem Tag ihren zweiten Ehemann Jens kennenlernte.