Thomas Dörflein Der mit dem Eisbär tanzt
Er war der Ziehvater des weltberühmten Eisbärenbabys Knut: der Berliner Tierpfleger Thomas Dörflein. Der 44-Jährige am Mittag war leblos in einer Wilmersdorfer Wohnung gefunden worden.
Als Knut am 5. Dezember 2006 geboren wurde, konnte niemand ahnen, dass das 810 Gramm leichte Pelztier zum Weltstar werden würde. Seine Eisbärenmutter Tosca hatte ihn nach der Geburt verstoßen, also übernahm Tierpfleger Dörflein die Pflege: Der Mann mit dem markanten Zopf und Bart gab Knut Tag und Nacht die Nuckelflasche, rieb ihn mit Babyöl ein und spielte ihm zum Einschlafen Lieder auf der Gitarre vor.
Heute wiegt Knut mehr als 130 Kilo ...
... und liebt nach wie vor das Wasser.
Tierpfleger Dörflein hatte mit seinem aufopferungsvollen Einsatz für das verstoßene Eisbärenbaby die Herzen von Tierfreunden in aller Welt erobert.
Zoodirektor Bernhard Blaszkiewitz zeigte sich tief bestürzt über den Tod des Tierpflegers, der seit mehr als 25 Jahren im Zoo gearbeitet hatte. "Das ist ein schlimmer Verlust für uns", sagte er der "B.Z.".
Dörflein mit seiner Lebensgefährtin Daniela Kaiser auf dem Sommerfest des Bundespräsidenten im Park von Schloss Bellevue in Berlin im Juli 2007. Dörflein soll seit längerem schwerkrank gewesen sein, heißt es.
Die Geschichte des hilflosen Eisbärenbabys und seines Ziehvaters ging um die ganze Welt.
Im Frühjahr 2007 berichteten mehrere Hundert Journalisten vom ersten öffentlichen Auftritt Knuts im Bärengehege. Mit dabei natürlich auch damals sein Pfleger Dörflein.
Die Videos, auf denen Dörflein mit Knut herumtollte, wurden rund um den Globus gesandt.
Seit 1987 war Dörflein verantwortlich fürs Bärenrevier und für Wölfe, später auch für Windhunde und Nasenbären.
Knut hatte sich für den Berliner Zoo als wahrer Schatz erwiesen. Erstmals in der 164-jährigen Geschichte zählte der Zoologische Garten 2007 mehr als drei Millionen Besucher, das entspricht einer Steigerung um gut 27 Prozent gegenüber 2006. Der Bilanzgewinn betrug rund 6,8 Millionen Euro.
Zoodirektor Bernhard Blaszkiewitz sagte der "B.Z.": Nach Dörfleins plötzlichem Tod gehöre sein Mitgefühl "all denen, die um ihn trauern, seiner Familie, seinen Kindern, seiner Lebensgefährtin, seinen Freunden".