Berthold Beitz Der letzte Patriarch
Berthold Beitz ist tot. Der langjährige Chef der Krupp-Stiftung starb am Dienstag im Alter von 99 Jahren.
Beitz hatte eine Karriere gemacht, wie sie wohl nur im Nachkriegsdeutschland möglich war. Alfried Krupp (r.), der letzte persönliche Inhaber der gleichnamigen Stahlfirma, ernannte Beitz 1953 zu seinem Generalbevollmächtigten. Das Bild zeigt die beiden im Jahr 1961.
Beitz im Jahr 2010 mit der damaligen Vorsitzenden des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch. Er wurde damals mit der Moses-Mendelssohn-Medaille geehrt. Als Ölmanager in Boryslaw in der heutigen Ukraine hatte Beitz Hunderte Juden vor der Deportation gerettet.
Nach dem Krieg heuerte Beitz bei Krupp an. Dort hatte er große Freiheiten. Trotz der Westbindung Deutschlands reiste er in Ostländer und knüpfte Geschäftskontakte. Sogar in Moskau wurde er vorstellig. Das Bild zeigt ihn mit Nikita Chruschtschow im Kreml. Bundeskanzler Konrad Adenauer äußerte angesichts der Ostkontakte Zweifel an Beitz' "nationaler Zuverlässigkeit".
Mit Charme und weltmännischem Auftreten bewegte sich Beitz sicher auf dem diplomatischen Parkett. Er pflegte auch Kontakte mit Iran. Das Bild zeigt ihn 1974 mit der persischen Kaiserin Farah und dem damaligen deutschen Teheran-Botschafter Georg von Lilienfeld.
Die Kontakte zu Iran halfen Krupp in den siebziger Jahren über eine bedrohliche Finanzklemme hinweg. Beitz holte den Ölstaat als Geldgeber ins Haus. Das Bild zeigt den damaligen Aufsichtsratschef Krupp 1974 bei der Vertragsunterzeichnung mit dem iranischen Wirtschaftsminister.
Wichtige und Mächtige unter sich: In den neunziger Jahren konnte Beitz den damaligen chinesischen Präsidenten Jiang Zemin zusammen mit Bundespräsident Roman Herzog in der Villa Hügel begrüßen.
Zu Beitz 80. Geburtstag pilgerte 1993 die politische und wirtschaftliche Prominenz zur Villa Hügel. Auch der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl feierte bei ausgelassener Stimmung mit.
Eine weitere Leidenschaft von Beitz war sein Engagement für das Internationale Olympische Komitee. Als damaliger Vizepräsident nahm er 1985 an einer Sitzung in Ost-Berlin teil. Das Bild zeigt ihn mit dem damaligen IOC-Präsidenten Juan Antonio Samaranch und Vizepräsident Alexandru Siperco.
Kreislaufzusammenbruch auf einer entscheidenden Hauptversammlung: Beim Aktionärstreffen von Thyssen erlitt Beitz 1998 einen Schwächeanfall. Er nahm als Chef der Krupp-Stiftung teil. Die Anteilseigner von Thyssen stimmten damals über die Fusion mit Krupp ab.
Ein Großteil von Beitz' Erfolg basierte auf dem Vertrauen, das ihm Alfried Krupp schenkte. Ähnlich lief es dann auch zwischen Beitz und Gerhard Cromme. Der Patriarch holte den Manager zu Krupp und baute ihn dort zum mächtigsten Mann nach ihm auf.
Cromme kam auf dem Höhepunkt der Stahlkrise zu Krupp. Er profilierte sich als harter Sanierer und stieg zum Vorstandschef auf. Unter seiner Führung schluckte Krupp den Konkurrenten Hoesch und fusionierte mit Thyssen. Ab 2001 war Cromme Aufsichtsratschef bei Thyssen-Krupp und wurde von Beitz als dessen Nachfolger an der Spitze der Krupp-Stiftung herangezogen. Nach einer Reihe von Misserfolgen des Konzerns legte Crome Ende März dieses Jahres sein Amt nieder.