ThyssenKrupp: Einstige Waffenschmiede und Stahlkonzern - DER SPIEGEL
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ThyssenKrupp Industrielegende im Ruhrgebiet

Der Name ThyssenKrupp steht für deutsche Industriegeschichte. Groß geworden in der Ära der Stahlbarone, stand das Unternehmen mehrmals vor dem Ende. Doch Fusionen und Kapitalspritzen aus ungewöhnlichen Quellen sicherten das Überleben.
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Ein Stahlarbeiter im Werk von ThyssenKrupp in Duisburg. Der Konzern hat die deutsche Industriegeschichte maßgeblich mitbestimmt. Das Stahlunternehmen Krupp existiert seit 200 Jahren. Gebeutelt von Krisen wurde die Firma 1999 mit Thyssen fusioniert. Seitdem firmiert der Konzern unter dem Namen ThyssenKrupp.

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Die Firma Krupp hat ihren Ursprung im Jahr 1811. Damals gründete der Essener Kaufmann Friedrich Krupp mit zwei Teilhabern eine Firma zur Herstellung von Gussstahl. Das Bild zeigt den ersten Schmelzbau (l.) und rechts daneben das Stammhaus von Krupp um 1819. Letzteres wurde ursprünglich als Aufseherhaus genutzt, später diente es der Familie Krupp dann auch als Wohnung.

Foto: ThyssenKrupp
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Die Krupps sicherten sich einen Ruf als Erfinder. So entwarf Alfred Krupp, der Sohn des Gründers, den Dampfhammer "Fritz". Der wurde 1861 als Weltwunder betrachtet und ermöglichte das Ausschmieden besonders großer Werkstücke aus Gussstahl. Der Hammer blieb 50 Jahre in Betrieb.

Foto: ThyssenKrupp
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Der innere Bereich der Gussstahlfabrik in Essen um 1864. Ab 1848 war Gründersohn Alfred Krupp Alleininhaber der Firma und baute diese aus. Der Siegeszug der Eisenbahn machte das Unternehmen erfolgreich. Eines der wichtigsten Produkte waren nahtlose Eisenbahnreifen. So werden auch drei aufeinander gelegte Radreifen zum Markenzeichen für Krupp. Zudem steigt die Firma in den Geschützbau ein.

Foto: ThyssenKrupp
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Symbol des Erfolgs: Ab 1870 ließ Alfred Krupp die Villa Hügel in Essen errichten. Das Palais diente der Industriellenfamilie als Wohnsitz.

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Nach dem Tod von Alfred Krupp 1887 führte dessen Sohn Friedrich Alfred die Firma weiter. Unter seiner Leitung stieg die Zahl der Beschäftigten von 20.200 auf 43.000. Er kaufte Werke zu und machte die Firma auf dem Weltmarkt bekannt. Krupp setzte zunehmend auf Rüstungsgüter. Der Industrielle heiratete 1882 die Adlige Margarethe von Ende. Das Paar hatte zwei Töchter.

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Friedrich Alfred Krupp baute die Sozialeinrichtungen der Firma großzügig aus und ließ etwa Siedlungen für Werksangehörige errichten. Im November 1902 starb der Firmenchef im Alter von 48 Jahren. Am Trauerzug nahm auch Kaiser Wilhelm II. teil.

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Nach Friedrich Alfred Krupps Tod wurde das Unternehmen in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Der Großteil der Anteile bleibt im Besitz der älteren Tochter und Erbin Bertha. Da diese noch minderjährig ist, führt ihre Mutter Margarethe die Firma - mit Erfolg. Das Bild zeigt die Friedrich-Alfred-Hütte in Rheinhausen um 1910.

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Im Ersten Weltkrieg weitete Krupp die Rüstungsproduktion extrem aus. Nach Kriegsende geriet die Firma in Schwierigkeiten, weil der Versailler Vertrag die Herstellung von Rüstungsgütern fast vollständig untersagte. Krupp begann mit der Fertigung von Fahrzeugen wie Lokomotiven und Lastwagen. Das Bild zeigt eine Tonnen-Schmiedepresse um 1930. In der NS-Zeit nahm der Konzern die Rüstungsproduktion wieder auf und hatte als Waffenlieferant des Regimes großen wirtschaftlichen Erfolg.

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Die Familie Krupp von Bohlen und Halbach im Jahr 1931. Firmenerbin Bertha Krupp (3. v. r.) heiratete 1906 den Diplomaten Gustav von Bohlen und Halbach (2. v. r.). Er war von 1909 bis 1943 Aufsichtsratsvorsitzender der Firma. Kaiser Wilhelm II. verlieh der Familie das Recht, den Namen Krupp weiter zu führen. Alle weiteren persönlichen Inhaber der Firma durften den Namen Krupp von Bohlen und Halbach tragen. Alfried, der älteste Sohn des Paares, nutzte als Firmenerbe dieses Recht.

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Alfried Krupp von Bohlen und Halbach war der letzte persönliche Inhaber der Stahlfirma Krupp. Er war von seinen Eltern zum Kronprinzen erzogen worden. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde ihm wegen des Einsatzes von Zwangsarbeitern der Prozess gemacht. Der Firmenerbe saß wegen "Plünderung" und Förderung von "Sklavenarbeit" mehrere Jahre im Gefängnis. Das US-Nachrichtenmagazin "Time" zeigte den Industriellen 1957 auf dem Titel.

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Alfried Krupp (Foto von 1961) holte 1953 den Manager Berthold Beitz (l.) als Generalbevollmächtigten in das Unternehmen. Das Tandem baute den Konzern nach dem Krieg wieder auf. Krupp gab die Waffenproduktion auf, produzierte stattdessen Brücken, Kräne, Fahrzeuge und Turbinen. Krupp stimmte unter Vermittlung von Beitz 1959 zudem einem Entschädigungsabkommen für ehemalige Zwangsarbeiter zu.

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Ein Roheisenmischer im Hüttenwerk Rheinhausen im Jahr 1961. Mehrmals in der Nachkriegsgeschichte stand Krupp vor dem Aus. Den Strukturwandel in der Montanindustrie erkannte der Inhaber zu spät. Immer wieder brauchte Krupp frisches Geld - und bekam es auch. In den siebziger Jahren etwa sprang der Schah von Persien als Kapitalgeber ein.

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Der Sohn von Alfried Krupp, Arndt von Bohlen und Halbach (1974 mit seiner Frau Henriette), galt als exzentrisch. Er wurde dazu gedrängt, auf sein Erbe zu verzichten. Als Alfried Krupp 1967 starb, erbte die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung das Vermögen. Ihr Ziel: die Einheit des Unternehmens erhalten. Testamentsvollstrecker und Chef der Stiftung wurde Beitz, dieser Posten wurde ihm auf Lebenszeit zugedacht. Eine in der deutschen Wirtschaft beispiellose Machtposition.

Foto: Ossinger/ picture alliance / dpa
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Das Stahlwerk von ThyssenKrupp in Duisburg im Januar 2011. Um das Überleben in der hart umkämpften Branche zu sichern, fusionierte der Stahlkonzern 1992 mit Hoesch. 1999 folgte der Zusammenschluss mit dem viel größeren Konkurrenten Thyssen zur ThyssenKrupp AG.

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Eingefädelt wurden die Fusionen von Gerhard Cromme (r.), der 1989 zu Krupp kam. Inzwischen ist der Manager zum Aufsichtsratschef aufgestiegen. Beitz (l.) wirkte stets im Hintergrund und sorgte daneben mit Millionen der Krupp-Stiftung für Wohltaten.

Foto: ThyssenKrupp
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Der Wandel bei ThyssenKrupp geht weiter: Diese Arbeiter in Bochum demonstrierten im Januar 2012 gegen den Verkauf der Edelstahlsparte Inoxum. Vergeblich - die Sparte wird abgestoßen. Der Konzern braucht dringend Geld. Er hat sich unter anderem mit riesigen Fehlinvestitionen in Stahlwerke in Brasilien in Schulden manövriert.

Foto: Roland Weihrauch/ dpa
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Ein Arbeiter verlädt im Werk Duisburg eine Stahlspule. 2011 feierte ThyssenKrupp das 200. Gründungsjubiläum. Doch ausruhen kann sich das Unternehmen nicht. Es sitzt auf einem riesigen Schuldenberg und soll unabhängiger vom Stahlgeschäft werden. Das Ziel: ThyssenKrupp soll zu einem modernen Technologiekonzern umgebaut werden.

Foto: Fredrik von Erichsen / dpa
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