ThyssenKrupp Niedergang eines Industrie-Giganten
Hinter zwei Hochöfen von ThyssenKrupp geht im Duisburger Stadtteil Marxloh die Sonne unter. Der Stahlkonzern steckt in der Krise. Ein gewaltiger Schuldenberg lastet auf dem Unternehmen, zugleich steht ein Umbau an.
Günter Niel fing mit 14 Jahren bei Krupp an. Sein Vater arbeitete schon bei Krupp, sein Bruder, seine Schwester, die ganze Familie hing an der Firma, nicht nur in finanzieller Hinsicht. "Kruppianer zu sein", sagt Niel, "das war mehr als ein Job."
Die beiden Herrscher über ThyssenKrupp: Berthold Beitz (links), Chef der mächtigen Krupp-Stiftung, und Aufsichtsratsvorsitzender Gerhard Cromme.
Heinrich Hiesinger soll den Konzern aus der Krise führen. Der Vorstandschef ist erst seit 2011 im Amt. Mit verschachtelten und trägen Unternehmen kennt er sich aus - Hiesinger arbeitete zuvor bei Siemens.
Hiesingers Vorgänger Ekkehard Schulz wurde lange als "eiserner Ekki" gefeiert. Inzwischen hat der Ruf des Managers gelitten. Ihm werden milliardenschwere Fehlinvestitionen in Stahlwerke in Brasilien und den USA vorgeworfen.
Mit Krisen und Umwälzungen sind die ThyssenKrupp-Mitarbeiter vertraut. 1999 wurden Thyssen und Krupp zum jetzigen Konzern verschmolzen. Der Fusion gingen heftige Proteste voraus. Das Bild zeigt Stahlarbeiter von Thyssen, die 1997 gegen den Zusammenschluss demonstrierten.
Bei Krupp kam es in den achtziger Jahren zu Meutereien der Stahlarbeiter. Sie kämpften gegen die Schließung der Hütte Rheinhausen - letztlich vergeblich. Das Bild zeigt Mitarbeiter, die zur Villa Hügel zogen, dem Prachtbau der Industriellenfamilie Krupp.
Die Umstrukturierungen bei Krupp brachten das Weltbild vieler Mitarbeiter ins Wanken. Denn die Unternehmerfamilie hatte stets Wert darauf gelegt, Fürsorge für die "Kruppianer" zu leisten. Im Gegenzug forderte sie Loyalität ein. So wurden auch Siedlungen für Beschäftigte gebaut und eigene Läden mit vergünstigten Warenangeboten geschaffen. Das Foto zeigt die Siedlung Margarethenhöhe in Essen um 1912. Das Viertel wurde nach der Stifterin Margarethe Krupp benannt.
Ein Arbeiter entnimmt im ThyssenKrupp-Stahlwerk in Duisburg an einer Öffnung eines Hochofens eine Stahlprobe. Stahl gilt bei ThyssenKrupp als Kerngeschäft. Doch es wirft immer weniger Rendite ab. Hiesinger will den Konzern zu einem modernen Technologieunternehmen hin ausrichten.
Krupp bietet eine breite Produktpalette an. So stellt die Tochter Berco Raupenketten her.
Auch Uhde gehört zu ThyssenKrupp. Das Unternehmen stellt Anlagen für Chemie, Industrie und Raffinerien her. Das Bild zeigt eine Vakuumdestillations-Anlage in Wilhelmshaven.
ThyssenKrupp stellt zudem Rolltreppen und Aufzuganlagen her, wie diese in Frankfurt am Main. Das Geschäft gilt als Zukunftssparte, doch eine Kartellaffäre belastet den Bereich. Mehrere Firmen klagen auf Schadensersatz.
Das zivile Schiffbaugeschäft hat ThyssenKrupp verkauft, nun konzentriert sich der Konzern auf Militärschiffe. Er verkauft Überwasser-Militärschiffe von Blohm + Voss und U-Boote der Howaldtswerke-Deutsche Werft (HDW) unter dem Namen ThyssenKrupp Marine.